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Operation Rückeroberung

Tikrit mit seinen 100'000 Einwohnern wird vom IS besetzt. Nun schickt Bagdad seine Armee los – und gibt sunnitischen Kämpfern ein Versprechen ab.

fko
Gross angelegte Militäroperation: Schiitische Kämpfer unterstützen die irakische Armee unweit von Tikrit. (28. Februar 2015)
Gross angelegte Militäroperation: Schiitische Kämpfer unterstützen die irakische Armee unweit von Tikrit. (28. Februar 2015)

Die irakische Regierung holt zum Schlag gegen die Terrormiliz Islamischer Staat aus: Die Armee startete gemeinsam mit 30'000 sunnitischen und schiitischen Kämpfern eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt Tikrit, wie das Staatsfernsehen meldete. Die Regierungstruppen rückten demnach aus verschiedenen Richtungen auf die Grossstadt vor, die seit Sommer 2014 unter Kontrolle der sunnitischen Extremisten ist.

Die Jihadisten würden von drei Seiten aus attackiert, sagte ein irakischer General der Nachrichtenagentur AFP. Es handelt sich um die bislang grösste Offensive zur Rückeroberung einer vom IS eingenommen Stadt. An einigen Orten am Rand der Stadt seien die Extremisten vertrieben worden, meldete der TV-Sender Al-Irakija. Schiitische und sunnitische Soldaten kämpfen Seite an Seite.

Test für die irakischen Streitkräfte

Tikrit liegt rund 170 Kilometer nördlich von Bagdad an einer wichtigen Verbindungsstrasse zwischen der Hauptstadt und der nordirakischen IS-Hochburg Mossul. Der Feldzug gegen die sunnitische Terrormiliz gilt auch als Test, ob die irakischen Streitkräfte in der Lage sind, die Extremisten aus einer grossen Stadt zu vertreiben.

Einige Stunden vor der Offensive hatte Ministerpräsident Haidar al-Abadi sunnitische Stammeskämpfer aufgerufen, sich vom IS zu lösen. Dafür versprach der Regierungschef ihnen Straffreiheit. «Ich appelliere an alle, die verführt wurden oder einen Fehler machten, die Waffen niederzulegen und sich ihrem Volk und den Sicherheitskräften anschliessen, um ihre Städte zu befreien», sagte er.

Beobachter betonten die Bedeutung des gemeinsamen Einsatzes von schiitischen und sunnitischen Kämpfern gegen den IS, der sich ebenfalls als sunnitisch versteht. Die sunnitische Minderheit im Irak fühlt sich von der schiitischen Mehrheit diskriminiert. Einige Sunniten sympathisieren mit dem IS.

Erste Offensive gescheitert

Im vergangenen Juni war eine Offensive zur Rückeroberung Tikrits gescheitert. Der IS brachte im vergangenen Sommer in einer Blitzoperation ein Drittel des irakischen Staatsgebiets unter seine Kontrolle, darunter auch die zweitgrösste Stadt Mossul. Von Bagdad aus ist die Wiedereinnahme Tikrits Voraussetzung für einen geplanten Angriff auf den IS in Mossul.

Tikrit gilt bis heute als Hochburg von Saddam Hussein Baath-Partei. Aus deren Reihen hatte der IS Zulauf erhalten, weil al-Abadis Vorgängerregierung als diskriminierend gegen Sunniten empfunden wurde.

Die IS-Miliz kontrolliert seit dem Sommer weite Landesteile im Irak und im benachbarten Syrien. Im Irak kämpfen die Armee und kurdische Peschmerga-Kämpfer gegen die Islamisten. In Syrien werden sie sowohl von Regierungstruppen als auch von Rebellen bekämpft. Zudem fliegt eine US-geführte internationale Militärkoalition in beiden Ländern Luftangriffe auf IS-Stellungen.

(sda/AFP/AP)

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