Putin und Erdogan stimmen künftigen Syrien-Einsatz ab

Russland und die Türkei wollen ihre Einsätze im Bürgerkriegsland koordinieren. Damit reagieren sie auf den Abzug der US-Truppen.

Wollen ihre Aktionen stärker koordinieren: Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan am G20-Gipfel in Argentinien.

Wollen ihre Aktionen stärker koordinieren: Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan am G20-Gipfel in Argentinien.

(Bild: Keystone)

Angesichts des geplanten Abzugs von US-Truppen aus Syrien wollen Russland und die Türkei ein gemeinsames Vorgehen in dem Bürgerkriegsland koordinieren. Das ist das Ergebnis eines Treffens auf höchster Ebene am Samstag in Moskau. «Unter diesen neuen Bedingungen wollen wir an Land verstärkt zusammenarbeiten und so endgültig die terroristische Bedrohung bekämpfen», sagte der russische Aussenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen mit der türkischen Delegation in der russischen Hauptstadt der Agentur Tass zufolge.

Man habe sich auf Schritte geeinigt, um alle Regionen Syriens von terroristischen Gruppen zu befreien, betonte der türkische Aussenminister Mevlut Cavusoglu. Laut Cavusoglu wurde bei dem Treffen zudem diskutiert, wie die Rückkehr der syrischen Flüchtlinge in ihre Heimat vorangetrieben werden könnte. Die Zusammenarbeit mit Moskau und Teheran ziele darauf ab, eine «politische Einigung» der Konfliktparteien in Syrien zu «beschleunigen». Russland und die Türkei hätten den gemeinsamen Willen, Syrien von «allen Terrororganisationen zu säubern».

Treffen Putin-Erdogan geplant

Bei dem nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu 90 Minuten dauernden Treffen waren auch der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar und dessen russischer Amtskollege Sergej Schoigu anwesend. Dabei soll auch ein Treffen des russischen Staatschefs Wladimir Putin mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im kommenden Jahr Thema gewesen sein.

Die US-Regierung hatte vor etwas mehr als einer Woche überraschend den Abzug ihrer Bodentruppen aus Syrien verkündet, da die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien weitgehend besiegt sei. Nach Angaben des Weissen Hauses wurde bereits damit begonnen. Der Prozess könnte mehrere Monate dauern. Er verschiebt die Machtbalance im Land.

Auf der jeweils gegnerischen Seite

Russland und die Türkei spielen bei dem Konflikt eine wichtige Rolle: Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und hält auch Militärstützpunkte in dem Land.

Die Türkei, die eigentlich auf der Seite der Rebellen steht, will auch gegen die Kurdenmiliz YPG vorgehen, die im Norden und Osten Syriens grosse Gebiete kontrolliert. Die Regierung in Ankara sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und hat sie als Terrororganisation eingestuft.

Die USA stehen an der Spitze einer internationalen Koalition, die in Syrien den so genannten Islamischen Staat (IS) aus der Luft bekämpft. Ihr wichtigster Verbündeter am Boden ist die Kurdenmiliz YPG, die im Nordosten des Landes die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) anführt. Sie wird dabei von den US-Truppen unterstützt, die nun abgezogen werden sollen. Die Türkei hatte zuvor gedroht, in das Gebiet einzumarschieren.

Verteidigungsminister Schoigu hatte zu Beginn der Gespräche betont, man werde auch über die Lage in der Provinz Idlib und die Sicherheitszone diskutieren. Putin und Erdogan hatten sich im September bei einem Treffen geeinigt, dort eine entmilitarisierte Zone einzurichten.

Den Kurden bleibt nur Assad

Die Kurdenmilizen fühlen sich nach dem angekündigten Truppenabzug der USA im Stich gelassen und suchen deshalb neue Verbündete. Die syrische Armee verlegte auf Bitten kurdischer Milizen Truppen in die Stadt Manbidsch an der Grenze zur Türkei.

Angesichts eines drohenden Einmarsches der Türkei in Nordsyrien habe man die syrischen Regierungseinheiten eingeladen, die Kontrolle über Gebiete um Manbidsch zu übernehmen, teilte das Generalkommando der Kurdenmiliz YPG am Freitag mit. Die syrische Armee erklärte daraufhin, Regierungstruppen seien in das Gebiet verlegt worden und hätten ihre Fahne in Manbidsch gehisst.

hvw/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt