Raketenangriff aus Gaza: Netanyahu kündigt Vergeltung an

Eine Rakete mit ungewöhnlich grosser Reichweite hat sieben Menschen verletzt. Israels Militär bringt sich in Stellung.

Rakete aus Gaza: Das zerstörte Haus in Mishmeret. (25. März 2019)

Rakete aus Gaza: Das zerstörte Haus in Mishmeret. (25. März 2019)

(Bild: AFP Jack Guez)

Ein palästinensischer Raketenangriff auf ein Haus nördlich von Tel Aviv hat die Sorge vor einer neuen Eskalation der Gewalt bis hin zu einem neuen Gaza-Krieg geschürt. Israel machte die im Gazastreifen herrschende Hamas am Montag verantwortlich für den Angriff.

«Niemand von den Widerstandsbewegungen, die Hamas eingeschlossen, hat ein Interesse daran, Raketen aus dem Gazastreifen auf den Feind abzufeuern», sagte ein Hamas-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Die Hamas habe kein Interesse an einer Konfrontation mit Israel.

Die Armee werde weitere Truppen - Infanterie und Panzer - in die Nähe des Palästinensergebiets am Mittelmeer verlegen, kündigte eine israelische Militärsprecherin an. Ausserdem solle eine begrenzte Anzahl von Reservisten in verschiedenen Einheiten für spezifische Aufgaben einberufen werden, sagte eine Armeesprecherin.

Eine aus Rafah im südlichen Gazastreifen abgefeuerte Rakete habe das Haus in der Gemeinschaftssiedlung Mishmeret direkt getroffen, sagte die Sprecherin am Montag. Nach Angaben von Sanitätern wurden sieben Menschen verletzt. Darunter waren auch drei Kinder - ein Baby, ein dreijähriges Kleinkind und eine Zwölfjährige. Das Gebäude wurde bei dem Einschlag weitgehend zerstört.

Der Familienvater erzählte dem israelischen Fernsehen, die Familie sei nach dem Heulen der Alarmsirenen in einen Luftschutzraum gerannt. Nicht alle hätten es jedoch bis zum Einschlag geschafft. «Wir stehen alle unter Schock.»

Netanyahu verkürzt US-Reise

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu will wegen der Eskalation seine US-Reise abkürzen und direkt nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump zurückkehren.

«Es gab hier einen bösartigen Angriff auf den Staat Israel, und wir werden mit Nachdruck reagieren», kündigte er an. Der Angriff erfolgte inmitten des Wahlkampfes vor der israelischen Parlamentswahl am 9. April.

Politiker des rechten Lagers und der Opposition kritisierten, Netanyahu gehe nicht hart genug gegen die Hamas vor. Israels Energieminister Juval Steinitz, Mitglied von Netanyahus Sicherheitskabinett, sagte der Nachrichtenseite «ynet»: «Es kann sein, dass die Hamas die Rakete absichtlich geschossen hat, um Regierungschef Netanyahu vor den Wahlen blosszustellen.»

Die Partei Die Neue Rechte warf Netanyahu nach dem Raketenangriff eine Beschwichtigungspolitik im Gaza-Konflikt vor: «Man muss ehrlich sagen: Netanyahu ist gegenüber der Hamas gescheitert.»

Ungewöhnlich grosse Reichweite

Bei der verwendeten Rakete handelt es sich nach Armeeangaben um ein von der Hamas selbst hergestelltes Geschoss. Sie habe eine Reichweite von rund 120 Kilometern. «Wir sehen die Hamas als verantwortlich für alles, was im Gazastreifen passiert», so die Armeesprecherin.

Israel ordnete nach dem neuen Raketenangriff die Schliessung der Grenzübergänge in den Gazastreifen und die Einschränkung der Fischereizone vor der Küste an.

Mishmeret liegt rund 30 Kilometer nordöstlich der Küstenmetropole Tel Aviv. Zuletzt war während des Gaza-Kriegs 2014 eine Rakete so weit nördlich eingeschlagen.

Am 14. März hatte es den ersten palästinensischen Raketenangriff auf Tel Aviv seit 2014 gegeben. Daraufhin hatte Israels Luftwaffe rund 100 Ziele in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer bombardiert. Damals hiess es, die beiden Geschosse seien versehentlich abgefeuert worden.

Am Sonntagabend hatten israelische Panzer nach Armeeangaben Hamas-Posten im Gazastreifen beschossen. Militante Palästinenser hätten zuvor Flugkörper mit Sprengsätzen nach Israel geschickt und Soldaten an der Grenze mit Sprengsätzen beworfen

sep/sda/afp

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