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Saleh dankt seinen Loyalen für die Standhaftigkeit

Zum ersten Mal seit seiner Rückkehr hat sich Präsident Saleh in einer Fernsehansprache ans Volk gewandt. Einen Rücktritt lehnt er darin ab. Doch er machte klar, wer für ihn die Schuldigen am Blutvergiessen sind.

Ein Machtwechsel sei nur durch Wahlen möglich: Ali Abdullah Saleh während seiner Rede. (25. September 2011)
Ein Machtwechsel sei nur durch Wahlen möglich: Ali Abdullah Saleh während seiner Rede. (25. September 2011)
Keystone

Die überraschende Rückkehr von Präsident Ali Abdullah Saleh hat die Gewalt im Jemen neu angeheizt. Unbeeindruckt von allen Massenprotesten lehnte der 69-Jährige in einer landesweit übertragenen Rede einen Rücktritt ab. Ein friedlicher Machtwechsel könne allein über Wahlen erfolgen. Saleh machte die Opposition für das Blutvergiessen verantwortlich und dankte den noch loyal zu ihm stehenden Truppen für deren «Standhaftigkeit».

Bei Angriffen der Saleh-treuen Truppen auf die Zeltstadt der Opposition im Zentrum von Sanaa sowie gegen die Militäreinheiten des abtrünnigen Generals Ali Mohsen al-Ahmar starben am Wochenende über 40 Menschen. Mehr als 170 Jemeniten erlitten Verletzungen, bestätigten Krankenhausärzte und örtliche Medien. Im südjemenitischen Taiz kamen am Sonntag bei Zusammenstössen zwischen Pro- und Anti-Saleh-Milizen drei Menschen ums Leben.

Bisher mehr als 500 Tote

Seit Februar verlangen Hunderttausende im Jemen den Rücktritt Salehs. Die Sicherheitskräfte des Regimes töteten seitdem vermutlich mehr als 500 Demonstranten.

Es war die erste Rede des seit 33 Jahren autoritär herrschenden Staatschefs, der am Freitag aus Saudiarabien zurückgekehrt war. Saleh hatte sich im Nachbarland mehr als drei Monate lang von den schweren Verletzungen erholt, die er bei einem Bombenanschlag auf seinen Palast erlitten hatte.

In Sanaa berichteten Augenzeugen von chaotischen Szenen, als die Saleh-Truppen am frühen Samstagmorgen die Zeltstadt auf dem Taghier- Platz mit Mörsergranaten beschossen. Heckenschützen auf Hausdächern hätten in die unbewaffnete Menge gefeuert. Menschen seien in Panik geflüchtet. Allein bei diesem Überfall am Samstag kamen den Angaben zufolge 17 Demonstranten ums Leben, 54 weitere wurden verletzt. Am Sonntag wurde ein weiterer Demonstrant erschossen.

Gleichfalls am Samstag beschossen Saleh-Truppen die Garnison von General Al-Ahmar mit Granaten. Mindestens 23 Soldaten des Militärführers, der sich nach Beginn der Proteste gegen Saleh gestellt hatte, starben im Artilleriefeuer, wie es weiter hiess. 120 weitere wurden verletzt. Die Opposition geht davon aus, dass Saleh einen offenen Bürgerkrieg anzetteln will, um sich dann als «Retter der Nation» präsentieren zu können.

Opposition ist sich nicht einig

Der Nationalrat der Revolution, eine Art Übergangsrat, der von vielen, aber nicht allen Oppositionsgruppen anerkannt wird, erklärte: «Saleh ist nicht mit der Friedenstaube und dem Olivenzweig in der Hand zurückgekommen, sondern mit zerstörerischen Waffen.»

Der Rat lobte laut einem Bericht der Nachrichtenwebsite «News Yemen» die Standhaftigkeit der Demonstranten, die trotz der Angriffe der vergangenen Tage auf dem Tagier-Platz ausharrten.

USA fordern Machtwechsel

Die USA forderten erneut ein Ende der Gewalt und einen Machtwechsel im Jemen. Alle Seiten müssten «die Gewalt einstellen und grösste Zurückhaltung üben», erklärte Aussenamtssprecherin Victoria Nuland. Saleh sei aufgefordert, bis Ende des Jahres Präsidentschaftswahlen zu organisieren.

Auch der UNO-Sicherheitsrat zeigte sich besorgt über die eskalierende Gewalt und rief alle Beteiligten zu «maximaler Zurückhaltung» auf. Vor allem auf Gewalt gegen «friedliche und unbewaffnete Zivilisten» müsse verzichtet werden.

SDA/kpn

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