Separatisten erobern im Jemen Präsidentenpalast

Nach tagelangen Kämpfen haben Separatisten den Präsidentensitz in der Interimshauptstadt Aden erobert.

Freuen sich über ihren Triumph: Separatisten aus dem Südjemen posieren für ein Erinnerungsfoto auf Autos und einem Panzer. (10. August 2019) Foto: Nabil Hasan/AFP

Freuen sich über ihren Triumph: Separatisten aus dem Südjemen posieren für ein Erinnerungsfoto auf Autos und einem Panzer. (10. August 2019) Foto: Nabil Hasan/AFP

Im Bürgerkriegsland Jemen droht eine neue Front: Separatisten aus dem Südjemen haben am Samstag nach tagelangen Kämpfen gegen Regierungstruppen den Präsidentenpalast in der Interimshauptstadt Aden erobert.

Bisher kämpften die Separatisten an der Seite der Regierungstruppen und der von Saudiarabien angeführten Militärkoalition gegen die schiitischen Huthi-Rebellen. Am Sonntag flog die Militärkoalition nun Luftangriffe auf die Separatisten in Aden und sprach von einer «direkten Bedrohung» für Jemens Regierung.

Die Koalition habe Ziele in Aden angegriffen, «die eine direkte Bedrohung für einen wichtigen Standort der legitimen Regierung darstellen», erklärte die Militärkoalition. Sie drohte den Separatisten vom sogenannten Südlichen Übergangsrat mit weiteren Angriffen, sollten sie sich nicht aus Aden zurückziehen.

Die im Südjemen gelegene Hafenstadt Aden ist seit Januar 2015 die Interimshauptstadt der international anerkannten Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi. Hadi war aus der eigentlichen Hauptstadt Sanaa geflohen, als diese von den Huthi-Rebellen besetzt wurde. Er befindet sich inzwischen allerdings im Exil in Saudiarabien.

Im Jemen herrscht seit 2015 Krieg zwischen den von Saudiarabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen Hadis und den Huthi-Rebellen, hinter denen der Iran steht.

Die Frontstellung im Konflikt in Aden ist eine andere: Hier kämpfen die Truppen des Präsidenten gegen Separatisten, die seit Jahrzehnten für einen unabhängigen Staat Südjemen kämpfen, wie er bereits vor der jemenitischen Vereinigung 1990 bestanden hatte.

40 Tote und 260 Verletzte in vier Tagen

Am Mittwoch war es in Aden zu neuen bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Hadis Truppen und der Separatistengruppe Sicherheitsring gekommen, die dem Übergangsrat nahesteht.

Bei den Kämpfen, die am Samstag in der Eroberung des Präsidentenpalastes gipfelten, wurden nach Angaben der Uno seit Donnerstag rund 40 Menschen getötet und 260 weitere verletzt, darunter viele Zivilisten. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärte, in ihr Spital in Aden seien binnen 24 Stunden 119 Verletzte eingeliefert worden.

Die Kämpfe zeigen auch Risse innerhalb der Militärkoalition auf: Der Übergangsrat und die Gruppe Sicherheitsring werden von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt, Hadi und die Regierungstruppen von Saud-Arabien. Bisher hatten sie gemeinsam gegen die Huthi-Rebellen gekämpft, die ihre Hochburgen im Norden des Landes haben.

Das Forschungsinstitut International Crisis Group warnte, die Kämpfe in Aden könnten den Südjemen «in einen Bürgerkrieg innerhalb eines Bürgerkriegs» stürzen.

Dialogaufruf aus Riad

Hadis Regierung warf dem Übergangsrat und den Vereinigten Arabischen Emiraten einen Putschversuch vor. Die Militärkoalition forderte eine sofortige Waffenruhe. Saudi-Arabiens Aussenministerium schlug eine Krisensitzung der Konfliktparteien vor, Vize-Verteidigungsminister Chalid bin Salman verlangte, die Kampfhandlungen sofort zu beenden und die «besetzten Orte» in Aden zu räumen.

Am Sonntag erklärten sowohl die jemenitische Regierung als auch die Separatisten, sie unterstützten den Dialogaufruf Saudi-Arabiens und ein Ende der Kämpfe. Der Vize-Präsident des Übergangsrates, Hani bin Breik, sagte aber in einer Predigt zum Beginn des muslimischen Opferfestes Eid al-Adha, seine Gruppe werde unter Druck nicht verhandeln.

Zwischen dem Sicherheitsring und Hadis Truppen gibt es schon seit Jahren Spannungen. Im Januar 2018 hatten sie sich schon einmal drei Tage lang Gefechte geliefert, nachdem die Regierung eine Kundgebung der Separatisten in Aden unterbunden hatten. Dabei waren 38 Menschen getötet und mehr als 220 weitere verletzt worden.

sda

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