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Strassenschlachten in Kairo – ein Toter

Mursi-Anhänger verwüsteten Geschäfte in der Innenstadt Kairos. Anwohner warfen mit Steinen. Beide Seiten schossen mit Schrotkugeln aufeinander. Frauen und Kinder flohen in Panik.

Offene Gewalt: Ein Mursi-Anhänger schmeisst einen Tränengaskanister zurück in die Reihen der Polizei. (13. August 2013)
Offene Gewalt: Ein Mursi-Anhänger schmeisst einen Tränengaskanister zurück in die Reihen der Polizei. (13. August 2013)

Bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi ist in Kairo ein Mensch ums Leben gekommen. Ausserdem sind nach Angaben von Sicherheitskräften bei den Krawallen in der Nacht zum Mittwoch mindestens zehn Menschen verletzt worden.

Zuvor hatten die Sicherheitskräfte erklärt, dass die gegnerischen Lager im Stadtteil Gizeh mit Schrotkugeln aufeinander geschossen hätten. Anhänger von Mursis Muslimbrüdern berichteten, ägyptische Polizisten in Zivil hätten Schüsse auf einen Demonstrationszug abgegeben.

Die Islamisten verwüsteten auch Geschäfte im Zentrum der Hauptstadt, womit sie die Anwohner provozierten. Zunächst demonstrierten Dutzende islamische Religionsschüler vor verschiedenen Ministerien. Sie forderten die Wiedereinsetzung Mursis, der Anfang Juli vom Militär entmachtet worden war.

Eine Gruppe, der sich Anhänger der Muslimbruderschaft angeschlossen hatten, drang in ein Ministerium ein und wurde von Sicherheitskräften zurückgedrängt. Im Anschluss kam es zu Strassenschlachten mit Anwohnern. Die beiden Seiten bewarfen sich mit Steinen. Frauen und Kinder flohen in Panik vom Ort des Geschehens.

Polizei bereitet Räumung der Islamisten-Lager vor

Mursis Anhänger hatten in den vergangenen Wochen in Kairo zwei Protestlager errichtet und mit Ziegelsteinen und Sandsäcken befestigt. Die Regierung kündigte mehrfach an, die Lager räumen zu lassen.

Dort blieb die Lage aber auch am Dienstag vorerst ruhig. Die Muslimbrüder bekräftigten ihren Durchhaltewillen. «Die revolutionären Aktionen gegen den Putsch werden fortgesetzt», sagte ein Sprecher.

Die Polizei bereitete ihrerseits weiter die Räumung der Protestlager vor. Bewohner der Häuser rund um das grösste Lager erhielten von den Sicherheitskräften Anweisungen für die «Stunde null».

Die ägyptische Tageszeitung «al-Watan» berichtete unter Berufung auf einen Anwohner im Stadtteil Nasr-City, die Bewohner des Viertels seien angewiesen worden, alle Eingänge zu verschliessen, sobald die Polizei mit der Räumung des Lagers vor der Rabea-al-Adawija-Moschee beginne. Zudem dürfe niemand Zutritt zu den Dächern der umliegenden Mietshäuser erhalten.

Die Muslimbrüder erklärten sich derweil zu Gesprächen mit der Übergangsregierung bereit. Voraussetzung aber sei, dass sich die Gegenseite an die von der Muslimbrüderschaft genannten Bedingungen halte, sagte ein Sprecher der Bewegung. Die zweitgrösste islamistische Bewegung, die Al-Noor-Partei, hatte sich am Montag bereits zum Dialog bereit erklärt. Sie könne sich an der Erarbeitung einer neuen Verfassung beteiligen, hatte die Partei erklärt.

Israel vereitelt Raketeneinschlag

Unterstützer von Präsident Mursi berichteten, sie hätten bei einer Demonstration gegen den «Militärputsch» am Montagabend in der südlichen Provinzhauptstadt Assiut israelische Fahnen verbrannt. Damit wollten sie ihren Protest gegen einen israelischen Angriff auf der Sinai-Halbinsel ausdrücken.

Israel hat nach eigenen Angaben einen Raketenangriff nahe der Grenze zu Ägypten vereitelt. Der Flugkörper sei in der Nacht zum Dienstag nahe dem Badeort Eilat in der Luft abgefangen und zerstört worden, sagte eine Sprecherin der israelischen Armee.

Sie bestätigte damit entsprechende Radioberichte. Eine al-Qaida nahestehende Gruppe hatte zuvor bekannt gegeben, die Rakete von der ägyptischen Halbinsel Sinai aus als Vergeltung für einen Luftangriff auf militante Islamisten abgefeuert zu haben.

Dabei waren am Freitag nach Angaben der Gruppe Ansar Beit al-Makdes vier ihrer Kämpfer auf dem Sinai durch eine israelische Drohne getötet worden. Die ägyptische Armee wies dies jedoch zurück. Auch Israel bestätigte den Angriff nicht.

Israel hatte im Juli Luftabwehrraketen in Eilat stationiert. Der bei Einheimischen und ausländischen Touristen beliebte Ferienort war in der Vergangenheit mehrfach das Ziel von Anschlägen, die von der Sinai-Halbinsel aus verübt wurden. Zuletzt schlug am 4. Juli eine Rakete im Norden der Stadt ein. Radikale Islamisten nutzen die Halbinsel als Rückzugsort, um von dort aus Israel anzugreifen.

SDA/kle/chk

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