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Südafrika klagt Kumpel wegen Mordes an

Der tödliche Polizeieinsatz in der Platinmine Marikana könnte für 270 überlebende Arbeiter juristische Folgen haben: Die Staatsanwaltschaft hat sie wegen Mordes angeklagt. Sie sollen am Tod ihrer Kollegen schuld sein.

«Dies ist Wahnsinn»: Verhaftete Minenarbeiter werden von Polizeikräften bewacht. (20. August 2012)
«Dies ist Wahnsinn»: Verhaftete Minenarbeiter werden von Polizeikräften bewacht. (20. August 2012)

Nach dem tödlichen Polizeieinsatz in der südafrikanischen Platinmine Marikana mit 34 Toten hat die Staatsanwaltschaft 270 überlebende Arbeiter des Mordes an ihren Kollegen angeklagt. Dies teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag ohne weitere Angaben mit.

Die Anklage erfolgte aufgrund einer Gesetzesbestimmung, wonach bei einer Schiesserei unter Beteiligung der Polizei alle Menschen angeklagt werden, die vor Ort festgenommen wurden, egal ob die Toten Polizisten sind oder nicht.

«Polizisten sind nicht in Haft»

«Dies ist Wahnsinn. Die gesamte Welt hat gesehen, wie die Polizei diese Minenarbeiter tötete. Die Polizisten, die diese Bergleute töteten, sind nicht in Haft», sagte der frühere ANC-Jugendführer Julius Malema, der an der Anhörung am Donnerstag teilnahm.

Malema war im April wegen seiner Radikalität aus der Regierungspartei ANC ausgeschlossen worden. Ein Rechts-Professor der Universität Witwatersrand, Vincent Nmehille, äusserte Zweifel, ob die Gesetzesbestimmung in diesem Fall angewendet werden kann.

Am 16. August hatte die Polizei am Rande des Bergwerks von Marikana das Feuer auf eine bewaffnete Menge streikender Arbeiter eröffnet und 34 Menschen getötet. Ihrer Darstellung nach handelte sie in «legitimer Notwehr», da sie angegriffen worden sei.

Bericht: Arbeiter starben auf der Flucht

Inzwischen sind aber auch Berichte aufgetaucht, wonach die meisten Arbeiter auf der Flucht erschossen wurden. Einem Journalisten zufolge, der vor Ort recherchierte, starb zudem ein Grossteil der Arbeiter in einiger Entfernung vom eigentlichen Ort der Schiesserei.

Schwerbewaffnete Polizisten hätten die Kumpel «gejagt und kaltblütig erschossen», schrieb der Fotoreporter Greg Marinovich am Donnerstag auf der Nachrichtenseite «Daily Maverick». Der Pulitzer- Preisträger recherchierte nach eigenen Angaben 15 Tage lang rund um die Platinmine.

Nach Angaben Marinovichs wurden nur zwölf der Opfer auf dem Hügel erschossen, auf dem Kameras das Geschehen live aufzeichneten. Die anderen Menschen wurden in Felsen rund 300 Meter entfernt getötet.

Aus nächster Nähe, ohne Fluchtweg

Markierungen der Forensiker wiesen darauf hin, dass mindestens drei Opfer aus nächster Nähe erschossen worden seien. Zwei der Kumpel seien an einem Ort ohne Fluchtweg getötet worden. Zeugen hätten zudem berichtet, Menschen seien von Polizeifahrzeugen überfahren worden.

Die für die Polizei zuständige Aufsichtsbehörde wollte den Artikel auf Anfrage nicht kommentieren. Südafrikas Präsident Jacob Zuma hatte am vergangenen Donnerstag eine Untersuchungskommission eingesetzt, die die Verantwortlichen für den Vorfall ermitteln soll.

Am Montag hatte die Zeitung «The Star» aus Ermittlungskreisen berichtet, die meisten Opfer seien auf der Flucht vor der Polizei erschossen worden.

AFP/fko

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