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Tunesien schützt Touristenorte mit 1000 zusätzlichen Polizisten

Nach dem Anschlag bewacht Tunesien Strände und Hotels besser. Derweil gibt es weitere dramatische Berichte von Augenzeugen, und die Polizei sucht nach Komplizen.

Während des Ausnahmezustands haben Sicherheitskräfte mehr Befugnisse: Polizisten bewachen den Strand von Sousse während einer Gedenkfeier. (3. Juli 2015)
Während des Ausnahmezustands haben Sicherheitskräfte mehr Befugnisse: Polizisten bewachen den Strand von Sousse während einer Gedenkfeier. (3. Juli 2015)
EPA/Mohamed Messara
«Sky News» hat ein Bild des Attentäters veröffentlicht. Es zeigt, wie Seifeddine Rezgui mit einer Waffe den Strand entlangspaziert.
«Sky News» hat ein Bild des Attentäters veröffentlicht. Es zeigt, wie Seifeddine Rezgui mit einer Waffe den Strand entlangspaziert.
Twitter/sky news
Damals gab es neben dem Attentäter keine Opfer.
Damals gab es neben dem Attentäter keine Opfer.
Archivbild, Reuters
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Nach dem Terrorangriff auf eine Hotelanlage im Ferienort Sousse werden in Tunesien 1000 zusätzliche Polizisten an Touristenstätten und Stränden stationiert. Das gab Innenminister Mohamed Najem Gharsalli bekannt. «Wir wollen Touristeneinrichtungen nicht zu Kasernen machen, das ist nicht unser Ziel», sagte er. «Aber wir müssen handeln, um die Sicherheit des Touristensektors zu garantieren.»

Tausende Touristen waren auch am Samstag aus Tunesien abgereist, nachdem das nordafrikanische Land vom schlimmsten Terroranschlag in seiner Geschichte erschüttert worden war. Der Reiseveranstalter TUI teilte mit, etwa 250 seiner deutschen Kunden wollten vorzeitig heimkehren, 3500 weitere aber wollten bleiben. TUI hat seinen Kunden angeboten, Reisen kostenlos abzusagen oder umzubuchen. Davon hätten etwa 500 Personen Gebrauch gemacht, hiess es.

«Ich wusste, dass es Schüsse waren»

Bei dem Angriff am Freitag kamen mindestens 38 Menschen ums Leben, unter ihnen ein Deutscher. Es wird erwartet, dass er dem tunesischen Tourismussektor einen schweren Schlag versetzt. 2014 war dieser für knapp 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes verantwortlich.

Derweil gibt weitere Berichte von Augenzeugen, die die dramatischen Ereignisse in Sousse schildern. Tony Callaghan aus dem englischen Norfolk befand sich gegen Mittag in der Nähe des Pools, als er etwas hörte, von dem viele dachten, es handele sich um Feuerwerkskörper. Doch Callaghan, der 23 Jahre in der britischen Luftwaffe diente, hatte eine Ahnung. «Ich wusste, dass es Schüsse waren...Das Hotel wurde angegriffen», erzählt der 63-Jährige. Er erlitt eine Schussverletzung am Bein, seiner Frau Christine wurde der Oberschenkelknochen zertrümmert. Das Paar befand sich unter denjenigen, die im grössten Krankenhaus in Sousse, dem Sahloul-Hospital, behandelt wurden.

Zuflucht in Büros

Gemeinsam mit rund 40 anderen hätten sie Zuflucht in den Verwaltungsbüros des Hotels gesucht, nicht weit vom Empfangsbereich entfernt, sagt Callaghan. Sie seien ins erste Stockwerk hochgegangen, «aber dann sassen wir in der Falle». Der 63-Jährige sagte, er habe Menschen gesagt, sie sollten sich verstecken, weil der Bewaffnete ihnen folge «und die Treppe hochkommend schoss».

Die Hotelangestellte Imen Belfekih berichtet, der Angreifer habe sich Zeit genommen, «um zum Strand, zum Pool, der Rezeption, der Verwaltung zu gehen». Sie war unter denjenigen, die sich in den Verwaltungsbüros versteckten. Auch ein Arbeitskollege sei dabei gewesen, der bei dem Angriff verletzt worden sei. Der Attentäter habe eine Granate geworfen, als er die Treppe zu den Räumen hinaufgegangen sei, wo sie sich befanden. Offenbar sei er den Angstschreien gefolgt. «Wir sahen nur Schwarz», erzählte Belfekih. «Es war rauchig. Jeder versteckte sich in Büros...ich versteckte mich unter einem Schreibtisch», sagt die Frau.

Ein Polizeibeamter, der zum Tatort gerufen wurde, erzählte der Nachrichtenagentur AP, der Bewaffnete habe drei Granaten geworfen. Eine davon sei aber nicht hochgegangen.

Vier Schüsse auf eine Frau

Callaghan erzählt, seine Frau sei im Korridor gestolpert und habe um Hilfe geschrien. Auf eine andere Frau sei vier Mal geschossen worden. Sie habe in einer Blutlache gelegen. Die Schüsse schienen endlos, berichtet der Engländer weiter. Callaghan kam es so vor, als hätten sie rund 40 Minuten gedauert.

Die Hotelangestellte Imen Belfekih berichtet, der Angreifer habe sich Zeit genommen, «um zum Strand, zum Pool, der Rezeption, der Verwaltung zu gehen». Sie war unter denjenigen, die sich in den Verwaltungsbüros versteckten. Auch ein Arbeitskollege sei dabei gewesen, der bei dem Angriff verletzt worden sei. Der Attentäter habe eine Granate geworfen, als er die Treppe zu den Räumen hinaufgegangen sei, wo sie sich befanden. Offenbar sei er den Angstschreien gefolgt. «Wir sahen nur Schwarz», erzählte Belfekih. «Es war rauchig. Jeder versteckte sich in Büros...ich versteckte mich unter einem Schreibtisch», sagt die Frau.

Polizei sucht nach Komplizen

Derweil sucht die tunesische Polizei nach dem Terrorüberfall nach möglichen Komplizen des Täters. Die Schüsse habe er zwar alleine abgegeben, aber die Ermittler seien sicher, dass andere ihm bei der Planung und Vorbereitung geholfen hätten, sagte heute der Sprecher des Innenministeriums, Mohammed Ali Aroui.

Der Vater des 24-jährigen Studenten wurde festgenommen und verhört. Ebenso wie seine drei Mitbewohner an der Universität von Kairouan, wo er studierte.

SDA/rar

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