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Tunesische Armee nimmt Chef der Präsidenten-Leibgarde fest

Die Armee hat den Präsidentenpalast angegriffen. Im Gebäude hatten sich Mitglieder der Leibgarde von Ex-Präsidenten Ben Ali verschanzt. Auf den Strassen kommt es noch immer zu Scharmützeln.

Erstmals mischen sich Polizisten offiziell unter die Demonstranten: Ein Mann zeigt am 22. Januar seinen Polizeiausweis.
Erstmals mischen sich Polizisten offiziell unter die Demonstranten: Ein Mann zeigt am 22. Januar seinen Polizeiausweis.
Keystone
Diese Polizisten kommen aus Aouina nach Tunis. Sie tragen rote Armbinden, um sich als Polizisten zu bekennen.
Diese Polizisten kommen aus Aouina nach Tunis. Sie tragen rote Armbinden, um sich als Polizisten zu bekennen.
Keystone
17. Dezember 2010: Ein arbeitsloser Hochschulabsolvent zündet sich aus Protest gegen das Regime auf dem Marktplatz von Sidi Bouzid an. Die Behörden hatten immer wieder seine Waren konfisziert, weil er keine Lizenz hatte.
17. Dezember 2010: Ein arbeitsloser Hochschulabsolvent zündet sich aus Protest gegen das Regime auf dem Marktplatz von Sidi Bouzid an. Die Behörden hatten immer wieder seine Waren konfisziert, weil er keine Lizenz hatte.
Keystone
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Tunesien ist auch in der Nacht zum Montag nicht zur Ruhe gekommen. Nach der Flucht des tunesischen Diktators Zine al-Abidine Ben Ali soll das nordafrikanische Land an diesem Montag eine Übergangsregierung bekommen. Die der bisherigen Regierung nahestehenden Parteien sollen daran nicht beteiligt werden.

Dies sagte Maya Jribi, Generalsekretärin der PDP (Demokratische Fortschrittspartei), in Tunis. Zuvor hatte es ein Treffen mehrerer Parteien unter Vorsitz von Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi gegeben.

Amnestie für alle politischen Häftlinge

Neben Vertretern der drei bisherigen Oppositionsparteien sollen auch unabhängige Persönlichkeiten ins Kabinett kommen. Die drei Parteien hätten sich für eine Amnestie aller politischen Häftlinge ausgesprochen, sagte Jribi.

Die kommenden Wahlen sollen von einem unabhängigen Komitee und internationalen Beobachtern kontrolliert werden. Bei den Parteien handelt es sich um Ettajdid, PDP und FDTL (Demokratisches Forum für Arbeit und Freiheiten). Wann und wo das neue Kabinett vorgestellt werden soll, war nicht bekannt.

Leibgarde als Unruhestifterin

Die Armee ging unterdessen gegen Mitglieder der Leibgarde von Ben Ali vor. In Tunis wurde nach Medienberichten deren Chef festgenommen. Augenzeugen berichteten immer wieder von Plünderungen und verschärften Kontrollen des Militärs. Im Zentrum standen am Sonntag weiter Panzer auf den Strassen. Seit der Flucht von Ben Ali gilt in Tunesien der Ausnahmezustand. Auch der Luftraum war zwischenzeitlich gesperrt.

Die neuen Machthaber und das Militär mühten sich, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Am Sonntagnachmittag fielen wieder Schüsse im Zentrum der Hauptstadt Tunis.

Ben Ali hatte das Land 23 Jahre in autoritärer Herrschaft regiert und hinterliess Gewalt und Chaos. Auslöser seines Sturzes waren Massenproteste gegen Korruption und hohe Arbeitslosigkeit. Sie hatten sich in der vergangenen Woche zu einem Volksaufstand ausgeweitet.

dapd/ sda/ AFP/pbe/miw

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