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US-Militär bringt Amok-Soldat nach Kuwait

Der Soldat, der bei einem Amoklauf 16 Menschen tötete, wurde ausser Landes gebracht. Über die Frage, wo ihm der Prozess gemacht wird, ist zwischen Afghanistan und den USA ein Streit ausgebrochen.

War er der einzige Täter? Staff Sergeant Robert Bales (l.) soll in Afghanistan 16 Zivilisten massakriert haben. (23. August 2011)
War er der einzige Täter? Staff Sergeant Robert Bales (l.) soll in Afghanistan 16 Zivilisten massakriert haben. (23. August 2011)
AFP
Von Anschlagsversuchen überschattet: Der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta trifft nach dem Amoklauf in Afghanistan ein. (14. März 2012)
Von Anschlagsversuchen überschattet: Der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta trifft nach dem Amoklauf in Afghanistan ein. (14. März 2012)
AFP
Armeefahrzeuge der US-Streitkräfte kehren zu ihrem Stützpunkt zurück. (11. März 2012)
Armeefahrzeuge der US-Streitkräfte kehren zu ihrem Stützpunkt zurück. (11. März 2012)
Keystone
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Der für den Tod von 16 Zivilpersonen in Afghanistan verantwortliche US-Soldat ist von den US-Streitkräften ausser Landes geflogen worden. Afghanische Abgeordnete reagierten empört auf den Schritt und forderten die Regierung auf, eine geplante strategische Partnerschaftsvereinbarung mit Washington nur dann zu unterzeichnen, wenn der Verdächtige in Afghanistan vor Gericht gestellt werde.

Die US-Streitkräfte flogen den Soldaten gestern Abend nach Kuwait aus, wie aus amerikanischen Regierungskreisen verlautete. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, hatte zuvor mitgeteilt, der 38-jährige Stabsunteroffizier sei «auf juristischen Rat hin» ausser Landes gebracht worden. Das US-Militär erklärte indes, trotz der Verlegung sei die Möglichkeit eines Prozesses in Afghanistan nicht ausgeschlossen.

Über Verlegung informiert

Die USA hätten die afghanische Führung über den Transfer vorab informiert, sagte Generalleutnant Curtis Scaparotti, Vizekommandeur der amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan. Dem Pentagon zufolge haben die USA keine geeignete Arresteinrichtung in Afghanistan. Durch die Verlegung des Verdächtigen könnten die USA für Untersuchungshaft, Zugang zu einer Rechtsvertretung und ein faires Verfahren sorgen.

Ein Militärsprecher, Generalleutnant David Patterson, sagte, in der Arresteinrichtung in Kuwait seien sowohl Beschuldigte vor einem Prozess als auch bereits Verurteilte für eine begrenzte Zeit untergebracht. Weitere Einzelheiten wollte er nicht bestätigen. Der mutmassliche Wikileaks-Informant Bradley Manning war ebenfalls in der Theater Field Confinement Facility in Kuwait untergebracht.

Todesstrafe droht

Afghanische Parlamentsabgeordnete hatten gefordert, den Täter in ihrem Land vor Gericht zu stellen. US-Verteidigungsminister Leon Panetta erklärte, bei einem Schuldspruch drohe dem Beschuldigten möglicherweise die Todesstrafe.

Ein Abgeordneter in Kandahar sagte, Präsident Hamid Karzai solle sich angesichts des Transfers weigern, die strategische Partnerschaftsvereinbarung zu unterzeichnen. «Wenn der Prozess in Afghanistan wäre, würde das Volk sehen, dass Amerika diesen Soldaten nicht mag und ihn bestraft sehen möchte», sagte Abdul Chalik Balakarsai. «Leider ist Amerika unserer Forderung nicht nachgekommen.»

Bis aufs Äusserste gespannt

Der Verdächtige hatte am Sonntag einen US-Stützpunkt im Bezirk Panjwai der Provinz Kandahar verlassen und in drei Häusern 16 Zivilpersonen erschossen, zumeist Frauen und Kinder. Afghanische Ermittler vermuteten, dass es mehr als einen Täter gab. Einer von ihnen sagte, den afghanischen Ermittlern seien Videoaufzeichnungen gezeigt worden, die zeigten, wie der Verdächtige alleine in den US-Stützpunkt zurückkehrt sei und sich ergeben habe. Dies solle belegen, dass es nur einen Täter gab.

Die Beziehungen zwischen der internationalen Schutztruppe und der afghanischen Regierung sind seit der versehentlichen Verbrennung von Koran-Büchern in einer Müllgrube eines US-Stützpunktes im vergangenen Monat ohnehin bis aufs Äusserste gespannt. Mehr als 30 Menschen wurden bei Protesten und Angriffen seitdem getötet.

dapd/fko/bru

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