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«Warum zerstört ihr dies alles?»

In Tunesien ist ein Kampf zwischen der Armee und der Leibgarde von Ex-Präsident Ben Ali entbrannt. Libyens Staatsoberhaupt al-Ghadhafi reagierte mit scharfer Kritik auf die Absetzung des bisherigen Machthabers.

Erstmals mischen sich Polizisten offiziell unter die Demonstranten: Ein Mann zeigt am 22. Januar seinen Polizeiausweis.
Erstmals mischen sich Polizisten offiziell unter die Demonstranten: Ein Mann zeigt am 22. Januar seinen Polizeiausweis.
Keystone
Diese Polizisten kommen aus Aouina nach Tunis. Sie tragen rote Armbinden, um sich als Polizisten zu bekennen.
Diese Polizisten kommen aus Aouina nach Tunis. Sie tragen rote Armbinden, um sich als Polizisten zu bekennen.
Keystone
17. Dezember 2010: Ein arbeitsloser Hochschulabsolvent zündet sich aus Protest gegen das Regime auf dem Marktplatz von Sidi Bouzid an. Die Behörden hatten immer wieder seine Waren konfisziert, weil er keine Lizenz hatte.
17. Dezember 2010: Ein arbeitsloser Hochschulabsolvent zündet sich aus Protest gegen das Regime auf dem Marktplatz von Sidi Bouzid an. Die Behörden hatten immer wieder seine Waren konfisziert, weil er keine Lizenz hatte.
Keystone
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In der tunesischen Hauptstadt ist die Armee am Sonntag weiter gegen Mitglieder der Leibgarde von Ex-Machthaber Zine al-Abidine Ben Ali vorgegangen. Die früher direkt dem Präsidenten unterstellten Sicherheitskräfte weigerten sich aufzugeben, hiess es am Vormittag in Tunis.

Die erneuten Schiessereien in der Nacht stünden vermutlich damit in Zusammenhang. Wie viele Verletzte oder sogar Tote es bei den Auseinandersetzungen gab, war zunächst unklar. Die Lage in Tunis war insgesamt ruhiger als in den Nächten zuvor, als Plünderer unterwegs waren und den Hauptbahnhof sowie mehrere Läden in Brand setzten. Erstmals zeichnete sich eine Entspannung ab.

Seit der Flucht von Ex-Machthaber Ben Ali ins saudi-arabische Exil gilt in Tunesien jedoch immer noch der Ausnahmezustand. Ben Ali hatte das Land am Mittelmeer 23 Jahre in autoritärer Herrschaft regiert und hinterliess Gewalt und Chaos.

Scharfe Kritik von al-Gaddafi

Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi hat auf die Umwälzungen im Nachbarland Tunesien mit scharfer Kritik und persönlicher Betroffenheit reagiert. Zu dem Sturz des seit 23 Jahren regierenden Präsidenten Zine al- Abidine Ben Ali und den neuen Machthabern sagte Ghadhafi: «Ich kenne diese neuen Leute nicht, aber wir alle kennen Ben Ali und die Veränderungen, die in Tunesien erzielt wurden. Warum zerstört ihr dies alles?».

Er sei «schmerzhaft berührt», von dem, was in Tunesien geschehe, sagt er am Samstagabend im libyschen Fernsehen weiter. «Tunesien hat sich jetzt in ein Land verwandelt, das von Banden regiert wird», kritisierte Ghadhafi, der selbst seit 40 Jahren an der Macht ist.

Auslöser seines Sturzes waren Massenproteste gegen Korruption und hohe Arbeitslosigkeit. Sie hatten sich in der vergangenen Woche zu einem Volksaufstand ausgeweitet. Der am Samstag vereidigte Übergangspräsident Foued Mbazaa soll nun Neuwahlen vorbereiten. Zudem erteilte er Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi den Auftrag, Gespräche mit der Opposition zu führen. Diese sollten am Sonntag fortgesetzt werden.

dapd/AFP/pbe/mrs/jak

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