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Wegen Terrorangst gehen nur wenige Libyer wählen

Nach drei Jahren Chaos will Libyen mit der Wahl eines neuen Parlamentes einen Neuanfang machen. Doch das Bild, das sich in Libyen vor den Wahllokalen zeigte, schmälert die Hoffnungen.

In die Wahl des neuen Parlamentes wird viel Hoffnung gesetzt: Libysche Frauen schauen sich die Listen mit den Kandidaten an. (25. Juni 2014)
In die Wahl des neuen Parlamentes wird viel Hoffnung gesetzt: Libysche Frauen schauen sich die Listen mit den Kandidaten an. (25. Juni 2014)
Sabri Elmhedwi, Keystone
Viele Einwohner Libyens blieben den Wahlurnen allerdings aus Angst vor Gewalt fern: Eine Libyerin in Tripolis wirft ihren Wahlzettel ein. (25. Juni 2014)
Viele Einwohner Libyens blieben den Wahlurnen allerdings aus Angst vor Gewalt fern: Eine Libyerin in Tripolis wirft ihren Wahlzettel ein. (25. Juni 2014)
Ben Khalifa, Keystone
Militärpatrouillen in der Stadt Benghazi: Ein Soldat zeigt das Victory-Zeichen. (25. Juni 2014)
Militärpatrouillen in der Stadt Benghazi: Ein Soldat zeigt das Victory-Zeichen. (25. Juni 2014)
Abdellah Doma, AFP
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Im krisengeschüttelten Libyen ist ein neues Parlament gewählt worden. Angesichts der befürchteten Gewalt war die Beteiligung vielerorts gering. In der umkämpften Stadt Bengasi im Osten des Landes wurden drei Menschen getötet als islamistische Milizen Soldaten angriffen, die ein Wahllokal beschützen wollten. Auch in anderen Städten im Osten kam es zu Gefechten zwischen verfeindeten Stämmen. In Darna, einer Extremistenhochburg, blieben die Wahllokale ganz geschlossen.

Seit einigen Wochen kämpfen Truppen des abtrünnigen libyschen Generals Chalifa Haftar gegen islamistische Milizen in Bengasi und im Rest des Landes gegeneinander. Die Wahl soll dazu beitragen, den Konflikt zwischen Islamisten und Säkularen beizulegen. Sie gilt als wichtiger Schritt für den Wandel in dem ölreichen Land, in dem politisches Chaos und Instabilität vorherrschen, weil ein starkes Militär und Polizeikräfte fehlen. Die Übergangsregierungen hingen daher von Milizen ab, die für Sicherheit sorgen sollten. Auch die neue Regierung wird vor diesem Problem stehen.

2012 lange Schlangen vor Wahllokalen

Die Stimmung stand im starken Gegensatz zur Wahl 2012, der ersten nach dem Sturz des langjährigen Diktators Muammar al-Gaddafi, als die Libyer lange Schlangen bildeten, um ihre Stimmen abzugeben. Neben den Kämpfen im Osten gab es auch eine Explosion in der Stadt Sirte, wo eine extremistische islamistische Miliz zuletzt an Einfluss gewonnen hatte. Berichte über Todesopfer lagen zunächst nicht vor.

Bis mittags gaben nur 16 Prozent der 1,5 Millionen registrierten Wähler ihre Stimme ab, wie die Wahlkommission mitteilte. Am höchsten war die Beteiligung demnach in der Stadt Al-Choms mit 31 Prozent.

Parteien sind verboten

In das neue Parlament sollen 200 Abgeordnete einziehen. Es wurde damit gerechnet, dass die islamistischen Abgeordneten der Muslimbruderschaft, die bisher mit ihren Verbündeten eine knappe Mehrheit hielten, an Zustimmung verlieren würden. Ihre Kritiker - unter ihnen auch General Haftar - werfen ihnen vor, die Säkularen nicht einzubeziehen und die islamistischen Milizen zu finanzieren.

Wer die Wahl gewinnen wird, ist allerdings unklar. Um Streitigkeiten zwischen den Parteien einzudämmen, sind diese diesmal verboten. Stattdessen mussten alle Kandidaten als Unabhängige antreten. Das dürfte den einzelnen Stämmen in Libyen mehr Macht verleihen, da sie ihre Angehörigen zur Wahl eines eigenen Kandidaten aufrufen können.

AP/thu

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