Schweizer IS-Kollaborateur: Botschafter bricht Ferien ab

Das EDA nimmt den Fall zweier getöteten Skandinavierinnen in Marokko «sehr ernst».

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Die mögliche Verstrickung eines in Marokko lebenden Schweizers in die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beschäftigt das Aussendepartement (EDA) in Bern. Die Schweiz nehme den Fall «sehr ernst», heisst es in einer Reaktion auf die Festnahme des Mannes am Samstag in Marrakesch. Die marokkanischen Ermittlungsbehörden sehen eine Verbindung zum Mord an zwei Touristinnen aus Skandinavien.

Der Mann mit schweizerisch-spanischer Doppelnationalität sei von extremistischem Gedankengut geprägt und habe Personen, die im Zusammenhang mit dem Mord an einer Norwegerin und einer Dänin von Mitte Dezember stehen, im Gebrauch neuester Kommunikationstechnologien und im Umgang mit Schusswaffen unterrichtet, hiess es am Samstag vom Zentralen Ermittlungsbüro BCIJ in Marokko.

Ermittlungen hätten ausserdem ergeben, dass der Festgenommene an der Rekrutierung von Marokkanern und Bürgern afrikanischer Länder südlich der Sahara beteiligt gewesen sei, um Terrorpläne in Marokko auszuführen, liess die Abteilung, die für den Antiterrorkampf im Land verantwortlich ist, weiter verlauten.

Bern bietet Zusammenarbeit an

Die Schweiz will bei der Aufklärung eng mit den betroffenen Ländern zusammenarbeiten. «Die zuständigen Bundesbehörden stehen in engem Kontakt miteinander und mit den marokkanischen, spanischen, dänischen und norwegischen Behörden. Sie koordinieren sich, um ihren Partnern im Ausland die notwendige Unterstützung anbieten zu können», heisst es einer Mitteilung des EDA vom Sonntag.

Der Schweizer Botschafter in Marokko habe seine Ferien in der Schweiz abgebrochen und kehre nach Rabat zurück, schreibt EDA-Sprecher George Farago.

Verdächtige an Anti-Terror-Gericht überstellt

Die Staatsanwaltschaft hat 15 Verdächtige an ein Anti-Terror-Gericht überstellt. Ihnen werde eine Verbindung zu dem Doppelmord im Atlas-Gebirge Mitte Dezember vorgeworfen, teilte der Generalstaatsanwalt am Sonntag in der Hauptstadt Rabat mit. Die marokkanischen Behörden gehen in dem Fall von «Terror» aus.

Das Gericht solle klären, ob die Verdächtigen der «Gründung einer Vereinigung zur Vorbereitung und Durchführung von Terrorhandlungen» schuldig sind. Ausserdem werde ihnen vorsätzliche Tötung und «Eintreten für Terrorismus» vorgeworfen. Sieben weitere Häftlinge würden in den kommenden Tagen von der Staatsanwaltschaft befragt.

Die beiden Frauen waren Mitte Dezember enthauptet worden. Die Leichen der 24-jährigen Dänin und ihrer vier Jahre älteren norwegischen Freundin waren in einer einsamen Gegend des Atlas-Gebirges gefunden worden.

Inzwischen wurden insgesamt rund 20 Menschen wegen mutmasslicher Verbindungen zu der Tat festgenommen. Die vier Hauptverdächtigen in dem Fall wurden in Marrakesch gefasst. Die Männer hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen.

oli/chk/sda

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