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Ein Signal an zündelnde Atommächte

Das Nobelpreiskomitee hat die Kampagne für ein Atomwaffenverbot mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die in Genf ansässige Organisation erhält die Auszeichnung für ihre weltweiten Bemühungen zur Abrüstung.

«Eine grosse Ehre»: Die Ican-Spitze, bestehend aus Beatrice Fihn, Daniel Hogsta und Grethe Ostern (v.l.), spricht in Genf zur Presse.
«Eine grosse Ehre»: Die Ican-Spitze, bestehend aus Beatrice Fihn, Daniel Hogsta und Grethe Ostern (v.l.), spricht in Genf zur Presse.
Keystone

Kein Applaus, aber auch kein verwundertes Raunen, wie so oft zuvor, war in Oslo gestern zu hören. Berit Reiss-Andersen von der Friedensnobelpreis-Jury enthüllte vor der angereisten Weltpresse, dass der diesjährige Friedensnobelpreis an die Inter­nationale Kampagne zur atomaren Abrüstung Ican geht.

«Wir ­leben in einer Welt, in der die ­Gefahr des Gebrauchs von Atomwaffen grösser ist als seit langem. Die Gefahr eines nuklearen Konflikts ist näher gerückt», sagte sie.

Die gewaltige Bedrohung der Menschheit aufgrund des noch immer gigantischen weltweiten Atomwaffenarsenals werde zu oft vergessen oder unterschätzt. Die Jury hoffe, dem Kampf gegen Atomwaffen mit dem Nobelpreis an Ican wieder neue Kraft ein­zuflössen, sagte Reiss-Andersen.

Mächtiger Widerstand

Die erst zehn Jahre alte Dachorganisation Ican ist ein Bündnis aus derzeit 468 Friedensgruppen aus 101 Ländern, das sich weltweit für atomare Abrüstung und die gänzliche Atomwaffenabschaffung einsetzt. Prominente Ican-Unterstützer sind der Dalai Lama oder der Ex-Generalsekretär der UNO Ban Ki-moon.

Das Hauptquartier von Ican liegt in Genf. Die Mitarbeiter dort sind vor allem jüngere Aktivisten. Die charismatische Vorsitzende von Ican ist die erst 34-jährige Schwedin Beatrice Fihn. Sie bezeichnete die Auszeichnung als «grosse Ehre» und rief zur nu­klearen Abrüstung auf.

Ihr Hauptanliegen ist es, Länder dazu zu bringen, einen bindenden UNO-Antiatomwaffenvertrag zu unterzeichnen. Dieser verbietet den Nationen die Produktion, die Lagerung, den Besitz und den Einsatz von Atomwaffen. Ican hofft, dass ihn bis Ende 2018 rund fünfzig Länder unterzeichnet haben. Erst dann tritt der Vertrag in Kraft.

Ican kämpft dabei gegen den hartnäckigen Widerstand der fünf grossen Atommächte USA, Russland, China, Frankreich und Grossbritannien. Auf Druck der USA lehnen auch alle übrigen Nato-Mitgliedsländer den Atomwaffenverbotsvertrag ab. Die Nichtunterzeichner reagierten denn auch zurückhaltend auf die Vergabe.

Die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard sprach per Twitter von einem «wichtigen Zeichen» zu einem Zeitpunkt, in welchem Atom­waffen eine wachsende Gefahr darstellten. Auch die Schweiz gehört bisher nicht zu den Unterzeichnerstaaten, überprüft aber ihre Position.

«Irgendwo anfangen»

Auf die kritische Frage, inwieweit es sich beim diesjährigen Preis um die Ehrung einer wirkungs­losen Initiative handle, weil nur Staaten den Vertrag unterzeichnen, die ohnehin keine Atom­waffen haben und auch keine ­Anschaffung planen, antwortete Reiss-Andersen, dass Verträge durchaus eine konkrete Rolle spielen würden.

Beispielsweise habe der internationale Bann von Landminen und chemischen Waffen letztlich zu greifbaren ­Effekten geführt. Man müsse irgendwo anfangen, so die Preisrichterin.

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