Modi verteidigt Kashmir-Entscheid – über 500 Verhaftungen

Pakistan erwägt offenbar keinen militärischen Schlag. Der indische Regierungschef kritisiert den Erzfeind aber scharf.

Die Forderung nach Freiheit und viele indische Sicherheitskräfte: ein altbekanntes Bild in Kashmir.

Die Forderung nach Freiheit und viele indische Sicherheitskräfte: ein altbekanntes Bild in Kashmir.

Im neu entbrannten Konflikt um die Kashmir-Region hat Pakistan die Sorge vor einer gewaltsamen Eskalation des Konflikts mit Indien gedämpft. Islamabad erwäge «keine militärische Option», sagte der pakistanische Aussenminister Shah Mehmood Qureshi am Donnerstag. Indiens Regierungschef Narendra Modi warf Pakistan vor, «Terrorismus und Separatismus» in der Region zu unterstützen.

In seinem ersten Statement nach der Aufhebung der Autonomierechte Kashmirs am Montag durch Indien zeigte sich Modi überzeugt, eine «historische Entscheidung» getroffen zu haben. «Ich bin voller Überzeugung, dass wir es schaffen werden, Jammu und Kaschmir von Terrorismus und Separatismus zu befreien», sagte Modi. Pakistan habe den Sonderstatus der Region «als Waffe genutzt, um Leidenschaften einiger Leute» gegen Indien zu schüren, hiess es.

Bitte um «maximale Zurückhaltung»

«Wir sehen uns lieber politische, diplomatische und juristische Optionen im Umgang mit der aktuellen Situation an», hatte der pakistanische Aussenminister Qureshi zuvor mitgeteilt. Seine Regierung werde Indiens «moralisch falsche» Entscheidung vor den UN-Sicherheitsrat bringen. Pakistans Militär hatte am Dienstag in einer kaum verhohlenen Drohung noch erklärt, es stehe «fest» an der Seite der Menschen in Kashmir. UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte am Donnerstag beide Seiten zu «maximaler Zurückhaltung» auf.

Die indische Regierung hatte am Montag per Dekret den Artikel 370 der Verfassung, in dem der Sonderstatus für den von Indien kontrollierten Teil Kashmirs festgelegt ist, gestrichen. Die auch in Indien umstrittene Aufhebung der Autonomierechte befeuerte die Spannungen in der Region. Pakistan wies am Mittwoch den indischen Botschafter aus und setzte den Handel mit Indien aus.

Pakistans Reaktion auf die Aufhebung des Autonomiestatus der Region sei «Panikmache», erklärte das indische Aussenministerium am Donnerstag. Die Regierung bedauere die von Pakistan angekündigten Schritte und drängte Islamabad dazu, die Massnahmen zu überdenken, «damit die normalen Kanäle für diplomatische Kommunikation erhalten bleiben».

Über 500 Festnahmen

Unterdessen festigten die indischen Streitkräfte ihre Kontrolle über die betroffene Region. Medienberichten zufolge wurden bei den jüngsten Razzien im Bundesstaat Jammu und Kashmir mittlerweile 560 Menschen festgenommen. In der Region wurde eine Ausgangssperre verhängt, Telefon- und Internetdienste wurden ausgesetzt. Zehntausende indische Truppen wachen über die Einhaltung der Anordnungen. Wie die Zeitungen «Trust of India» und «Indian Express» berichteten, waren Universitätsprofessoren, Wirtschaftsführer und Aktivisten unter den Festgenommenen. Sie wurden demnach in provisorische Gefangenenlager gebracht. Beim obersten indischen Gericht ging unterdessen ein Antrag ein, wonach die Ausgangssperre gelockert und die Inhaftierten freigelassen werden sollen.

Die pakistanische Nobelpreisträgerin Malala Yousafzai schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, sie sei «besorgt um die Sicherheit der Kinder und Frauen von Kaschmir».

Ein jahrzehntealter Konflikt

Der Konflikt um die Unruheregion Kaschmir an der indisch-pakistanischen Grenze reicht bis zur Unabhängigkeit des ehemaligen Britisch-Indien und der damit einhergehenden Abspaltung Pakistans im August 1947 zurück. Zweimal, 1947 und 1965, führten Indien und Pakistan Kriege um die mehrheitlich muslimische Region. 1949 war Kashmir von der UNO zwischen beiden Staaten aufgeteilt worden - beide beanspruchen die Region aber weiterhin zur Gänze. 1999 standen die verfeindeten Atommächte am Rande eines dritten Krieges. In dem drei Jahrzehnte schwelenden Konflikt starben Zehntausende Menschen.

afp/red

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