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Zeichen gegen den nuklearen Wahnsinn

Korrespondent Jan Dirk Herbermann zur Vergabe des Friedensnobelpreises.

Diese Ehre kommt zur rechten Zeit. Die Internationale Kampagne zur Abschaffung der Atomwaffen darf sich mit dem Friedensnobelpreis schmücken. Inmitten brandgefährlicher Nuklearkrisen hätte das Nobelkomitee kaum besser entscheiden können.

Während die Konfrontationen um Nordkoreas Nuklearprogramm und der Streit über den Atomdeal mit dem Iran die Welt erzittern lässt, senden die mutigen Aktivisten Zeichen der Hoffnung aus.

Die Wahl macht deutlich: Unzählige einfache Menschen rund um den Globus wollen sich mit dem nuklearen Wahnsinn nicht einfach abfinden. Die Rüstungsgegner wollen verhindern, dass unverantwortliche, skrupellose und grössenwahnsinnige Politiker unsere Welt in den atomaren Abgrund stürzen.

Sie wollen den millionenfachen Tod vereiteln. Sie wollen das Überleben der Menschheit sichern. Dieses Engagement verdient den uneingeschränkten Respekt – und die renommierteste Auszeichnung der Welt.

Die Wahl zeigt auch: Privates Engagement lohnt sich. Jahrelang kämpften die Mitglieder der Kampagne gegen die Bombe. Sie drängten Politiker, einen Pakt für eine Erde ohne die verheerenden Massenvernichtungswaffen abzuschliessen.

Oft schien der Kampf aussichtslos, nicht selten verzweifelten die Aktivisten an der kalten Logik internationaler Politik. Mit dem UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen und dem Friedensnobelpreis erhalten sie 2017 eine doppelte Belohnung.

Natürlich wäre das Abkommen gegen die Atomwaffen nie zustande gekommen, wenn sich nicht auch Politiker beherzt eingesetzt hätten. So liess Österreichs Aussenminister Sebastian Kurz nie locker. Ihm gebührt ebenso viel Anerkennung wie den privaten Kämpfern. Selbstredend stimmte Österreich für den Pakt und unterzeichnete ihn.

Doch viele Länder sperren sich gegen die Übereinkunft. Deutschland gehört dazu. An vorderster Front der Neinsager aber stehen jene Länder, die über Atomwaffen verfügen. Verwunderlich ist das nicht. Nicht einmal zwanghafte Optimisten hofften, dass die USA, Russland oder Indien der Verschrottung ihres apokalyptischen Arsenals zustimmen.

Die Atomwaffenstaaten werden auf Jahrzehnte hinaus nicht an Abrüstung denken. Sie werden ihre Sprengköpfe modernisieren und noch schlagkräftiger, noch tödlicher machen. Sie werden sich gegenseitig bedrohen und auch Länder, die nicht über diese Waffen verfügen. Mit ihrem Muskelspiel wecken die Atomwaffenmächte die Begehrlichkeiten der Habenichtse.

Aus den neun Staaten mit nuklearen Sprengköpfen könnten schon bald mehr werden. Daran wird weder die Internationale Kampagne zur Abschaffung der Atomwaffen noch der UN-Vertrag etwas ändern.

Dennoch ist es richtig, die Kampagne mit dem Nobelpreis zu ehren. Dennoch ist es richtig, den Pakt gegen die Nuklearwaffen zu unterstützen. Denn unsere Welt ist zu kostbar und einzigartig, als dass sie widerspruchslos Hasardeuren ausgeliefert werden darf, die leichtfertig über den Einsatz von Atomwaffen bestimmen.

ausland@bernerzeitung.ch

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