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«Tief durchatmen und Tee trinken»

«Deprimiert und traurig»: Der in Bern lebende britische Autor Diccon Bewes ist bestürzt über den Brexit-Entscheid ­seiner Landsleute. Er reagiert typisch britisch: mit Humor.

Schockiert: Diccon Bewes.
Schockiert: Diccon Bewes.
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Ein nachdenklicher Diccon Bewes kommentierte gegenüber dieser Zeitung das Abstimmungsergebnis zum Brexit: «Das ist ein trauriges Resultat für meine Nichten und Neffen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum ausgerechnet jene Generationen, die von Frieden und Stabilität in Europa profitiert haben, jetzt den nachfolgenden Generationen eine ungewisse Zukunft hinterlassen.»

In der Tat offenbart sich eine Bruchstelle bei den Generationen: 64 Prozent der 18- bis 24-jährigen Briten sprachen sich für einen Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union aus. Bei den über 65-Jährigen waren es nur noch 33 Prozent.

Er sei am Freitagmorgen als Bürger eines anderen Landes aufgewacht, sagte Bewes im Gespräch weiter: «Grossbritannien ist nicht mehr der offene und tolerante Staat, so wie ich ihn bis jetzt kannte und liebte.»

Am meisten wurme ihn aber, dass die Brexit-Befürworter aufgrund von Lügen und Angst­macherei gewonnen hätten. «Ich hätte weniger Mühe mit dem Ausgang, wenn ehrliche und ­wahre Argumente die Leute zu einem Austritt aus der EU bewogen hätten.»

Es gelte jetzt, «typisch britisch» auf den Entscheid zu reagieren, fügte Bewes mit Galgenhumor an: «Absitzen, tief durchatmen und Tee trinken.»

Die hohe Stimmbeteiligung und die Zustimmung zum Brexit von 52 Prozent seien für ihn die einzigen Silberstreifen am Horizont. «Der Volksentscheid hat eine hohe demokratische Legitimationskraft», so Bewes.

Diccon Bewes, Jahrgang 1967, wuchs an der Südküste Englands auf. Nach seinem Studium arbeitete er als Marketingmanager für Lonely Planet und schrieb acht Jahre lang für das Reisemagazin «Holiday Which?», bevor er 2005 in die Schweiz zog. Bis 2011 leitete er den English Bookshop in der Buchhandlung Stauffacher in Bern.

Heute lebt Bewes in der Bundesstadt als freier Autor. Er hat drei Bücher geschrieben, in denen er seinen Landsleuten die Schweiz näherbringt. «Swiss watching» ist auf Deutsch unter dem Titel «Der Schweiz-Versteher» erschienen.

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