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Ein unbekannter Abtreibungsgegner könnte die US-Wahl entscheiden

Im Swing State Virginia spricht ein radikalkonservativer Aussenseiter die potenziellen Romney-Wähler an. Der frühere demokratische Abgeordnete will ganze Ministerien abschaffen – und gefährdet Romney.

Will das Bürgerrecht bei Geburt auf amerikanischem Boden abschaffen: Präsidentschaftskandidat Virgil Goode. (16. Oktober 2012)
Will das Bürgerrecht bei Geburt auf amerikanischem Boden abschaffen: Präsidentschaftskandidat Virgil Goode. (16. Oktober 2012)
AFP

Die Mehrheit der Menschen in den USA hat noch nie von diesem Kandidaten gehört und doch könnte Virgil Goode zum Zünglein an der Waage bei der Präsidentschaftswahl werden. Sollte es am 6. November in Goodes Heimatstaat Virginia eng werden zwischen Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney, dann könnte der stramm konservative Goode dem Republikaner Romney die entscheidenden Stimmen nehmen. Der hagere Mann mit dem silbergrauen Haar kommt als dritter Kandidat in Virginia laut einer «Washington Post»-Umfrage vom September auf zwei Prozent der Stimmen.

Er sei ein überzeugter Abtreibungsgegner, ein entschiedener Fürsprecher der traditionellen Ehe und für einen ausgeglichenen Staatshaushalt, «jetzt und nicht erst in zehn Jahren», sagt Goode über Goode. Ausserdem setze er sich für amerikanische Jobs für amerikanische Bürger ein.

Recht auf Staatsbürgerschaft durch Geburt abschaffen

Der 66-jährige Goode steht an einem Herbsttag in der Einkaufsmeile von Powhatan, einer Kleinstadt im Herzen Virginias, und spricht potenzielle Wähler an. «Ich hatte noch nie von ihm gehört», sagt der Vietnam-Veteran Peter Boss, der Goode zusammen mit seiner Frau in einem Restaurant getroffen hat. Nun kann er sich für den Aussenseiter erwärmen.

Vor allem die Haltung in der Einwanderungspolitik gefalle ihm, sagte Boss. Goode will das Recht auf die Staatsbürgerschaft durch Geburt in den USA abschaffen. Einwanderer, legale und illegale, sollen nach Goodes Vorstellungen draussen bleiben und so Arbeitsplätze für US-Amerikaner frei machen.

Von 1996 bis 2008 sass der Politiker für einen Wahlkreis in Virginia als Abgeordneter im Repräsentantenhaus – zunächst als Demokrat, ab 2002 dann für die republikanische Partei. Nach dem Verlust seines Mandats setzte Goode seinen Marsch ins rechte politische Spektrum fort: Heute verficht der Mann mit dem freundlichen Lächeln noch konservativere Ansichten als viele Republikaner und tritt für die winzige Constitution Party an.

Ganze Ministerien schliessen

Goode ist Anhänger der Idee eines Minimalstaates. Staatliche Subventionen will Goode komplett streichen und ausserdem die Ministerien für Bildung, Energie und Handel schliessen. Im Jahr 2006 sorgte er für Schlagzeilen, als er den muslimischen Kongressabgeordneten Keith Ellison kritisierte, weil dieser bei seinem Amtseid auf den Koran geschworen hatte.

In 24 Bundesstaaten wird Goode auf der Kandidatenliste stehen. Sein Team besteht aus gerade einmal vier Mitarbeitern, TV-Spots hat er keine. Die sogenannten Super PACs, politische Organisationen, die pro forma von den Kandidaten unabhängig sind und sich deshalb nicht an die gesetzlichen Obergrenzen bei Wahlkampfspenden halten müssen, lehnt er ab. Goode sagt, er nehme keine Wahlkampfspenden über 200 US-Dollar an.

Mark Rozell, Politikprofessor an der George Mason Universität in Fairfax in Virginia nimmt bei der Bewertung von Goodes Ambitionen kein Blatt vor den Mund. Er könne kaum nachvollziehen, warum Goode diese «aussichtslose, nutzlose» Kandidatur betreibe, sagt Rozell. Der Mann von der Constitution Party könne ein zweiter Ralph Nader werden. Dem Kandidaten der US-Grünen war nach den Wahlen im Jahr 2000 vorgeworfen worden, dem Demokraten Al Gore die entscheidenden Stimmen genommen zu haben. Mit dem Republikaner George W. Bush zog damals das Feindbild der Linken in das Weisse Haus ein.

Ähnliches befürchten offenbar auch konservative Wähler – nur mit umgekehrten Vorzeichen. Eine Ladenbesitzerin aus Powhatan, die ihren Namen mit Susanne angibt, sagt, sie sei gegen Obama. «Ich werde für Romney stimmen und ich hoffe, Sie vermasseln das nicht», tadelt sie Goode. Virginia ist einer der besonders umkämpften Swing States, die Romney unbedingt gewinnen muss, um die Wahl für sich zu entscheiden.

Danny Turner, einer der vier Mitarbeiter von Goode, berichtet, dass die Bundeszentrale der Republikaner sogar versucht habe, Goodes Kandidatur mit Klagen wegen Betrugsvorwürfen zu verhindern. «Aber wir sind nicht zurückgewichen.» Virgil Goode wird am 6. November antreten.

AFP/mw

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