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«Emotionen und Lebensfreude»

Christoph Haas (43), seit vergangenem August General Manager der Zürcher Schmohl AG, spricht über seine neue Aufgabe, seine Eindrücke von der diesjährigen Geneva Motor Show und über Traumautos.

Schmohl-Chef Christoph Haas: «Unsere Marken befriedigen keine rationalen Bedürfnisse nach Fortbewegung.» Foto: Dieter Liechti
Schmohl-Chef Christoph Haas: «Unsere Marken befriedigen keine rationalen Bedürfnisse nach Fortbewegung.» Foto: Dieter Liechti

Sie sind seit etwas mehr als einem halben Jahr General Manager bei der Schmohl AG im Glattpark, dem wohl luxuriösesten Autohaus der Schweiz. Wie gefällt ihnen Ihre neue Aufgabe?

Die Arbeit mit dem 35-köpfigen Team gefällt mir sehr gut, und es ist ein Privileg, in einem Umfeld zu arbeiten, zu welchem man eine starke Affinität empfindet. Das von Schmohl präsentierte Portfolio mit den Marken Bentley, Bugatti, Lamborghini, McLaren und Rolls-Royce gibt dem Autohaus eine einzigartige Positionierung. Es ist aber zweifellos auch eine grosse Herausforderung, die Komplexität als Mehrmarkenhändler zu bewältigen und sich im Marktumfeld zu behaupten – insbesondere, wenn noch externe Faktoren wie die aktuelle Euro- Schweizer-Franken-Thematik signifikanten Einfluss nehmen.

Vor Ihrem Wechsel zurück nach Zürich waren Sie Country Manager von Harley-Davidson in Österreich und zuvor Marketing Direktor bei Harley-Davidson Schweiz. Statt an der Swissmoto sind Sie nun an der Geneva Motor Show unterwegs. Für Sie ein Kulturschock?

(lacht) Nein, ein Kulturschock ganz sicher nicht. Die Autoindustrie ist zwar im Vergleich zur Motorradindustrie viel grösser, und auch die beiden erwähnten Messen sind schon rein von der Dimension her nicht vergleichbar. Trotzdem erkenne ich auch viele Parallelen, und die Zielsetzungen einer Messe sind die gleichen: die Besucher mit den Marken und Produkten emotional zu berühren und zu begeistern. Harley-Davidson ist etwas ganz Besonderes in der Welt der Motorräder, und ebenso differenzieren sich die Marken der Schmohl AG im Umfeld der Autos. Spannend für mich ist aber sicher der Wechsel vom Konzern zum Händler. Auf Händlerseite ist der unmittelbare Kontakt zum Interessenten und Kunden von höchster Bedeutung.

Trotzdem, wie unterscheidet sich die Harley-Welt von Ihrer neuen Luxus-Welt mit Marken wie Bentley, Rolls-Royce, Lamborghini, McLaren und Bugatti?

Grundsätzlich geht es bei keiner dieser Marken um die Befriedigung des rationalen Bedürfnisses nach Fortbewegung, sondern um Lebensfreude sowie Identifikation, Verwirklichung und Erleben der markenspezifischen Werte. Gemeinsam ist all diesen Marken, dass sie dem Kunden einen sehr hohen Grad an Individualisierungsmöglichkeiten bieten. Ebenfalls wurden diese Marken durch ihre Herkunft und Geschichte mit Werten gefüllt, was ihnen erlaubt, sich über eine eigenständige, differenzierende Identität im Marktumfeld zu positionieren. Während Harley-Davidson in erster Linie mit Freiheit assoziiert wird, sind bei den erwähnten Luxus-Automarken die Ausprägungen von Leistung, Style, Status, Prestige und Design noch stärker gewichtet.

Liest man die Zahlen der Luxus-Hersteller, so geht es seit Jahren nur noch aufwärts. Stimmt das auch bei der Schmohl AG?

In der Tat haben alle diese Hersteller beeindruckende Wachstumszahlen ausgewiesen und konnten ihren Absatz durch Lancierung neuer Modelle, der Ansprache neuer Kundensegmente und vor allem weiterem Erschliessen von Potenzialen in Märkten wie China und dem Nahen Osten steigern. Auch die Schmohl AG hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt und sowohl den Kundenstamm als auch die Absatzzahlen stetig gesteigert. Dabei liegt die grösste Herausforderung im Erreichen eines profitablen Wachstums in diesem hart umkämpften Konkurrenzumfeld – und unter Einhaltung der Vorgaben der Hersteller.

Derzeit weilen Sie in Genf an der Geneva International Motor Show. Wie beurteilen Sie in wenigen Worten den Auftritt Ihrer Partner an der diesjährigen Motor Show?

Es sind dies alles sehr professionelle Auftritte, die dem Image der entsprechenden Marken gerecht werden. Die Geneva Motor Show gehört zu den weltweit wichtigsten Events der Branche, und dementsprechend profilieren sich die einzelnen Hersteller nicht nur mit sehr schönen Ständen, sondern auch mit Modellneuheiten, spektakulären Einzelanfertigungen und Konzeptstudien. Ganz besonders beeindruckt bin ich von dem atemberaubenden zweisitzigen Sportwagenkonzept von Bentley, dem 1000 PS starken P1 GTR von McLaren und dem neuen Lamborghini Aventador SV. Aber auch der Rolls-Royce Phantom Serenity, ein «fahrendes Kunstwerk», gefällt mir ausgezeichnet.

Das Luxussegment verfolgt auch bei den Automobilen eine eigene Zeitrechnung. Sind Ihre Marken der Zeit voraus, oder hinken sie mit elitären Werten hinterher?

Auch wenn die klassischen Marken wie Rolls-Royce und Bentley auf eine lange Geschichte zurückblicken und eher traditionell verankert sind, bin ich beeindruckt, wie innovativ diese Marken vorangetrieben werden und stets mit technischen Neuerungen oder dem Eintritt in neue Segmente überraschen. Denn die Top-End-Marken der grossen Automobilkonzerne müssen ihre Marktstellung stets behaupten und durch technologische und designtechnische Neuerungen die Relevanz und Akzeptanz bei ihren aktuellen und neuen Zielgruppen erhalten und ausweiten.

Wir Journalisten sind immer auf der Suche nach Trends. Welchen Trend haben Sie am diesjährigen Salon entdeckt?

Offensichtlich ist die fortschreitende Integration von Modellen mit alternativen Antrieben – allen voran die Plug-in-Hybride – bei fast allen Marken. Dies ist zwar kein neuer Trend, aber sicher eine stetige Weiterentwicklung. Das Thema Individualisierung ist sicher auch ein Trend der verstärkt zum Ausdruck kommt und einem grossen Bedürfnis Rechnung trägt. Die starke Präsenz von zahlreichen Tunern und Veredlern in Genf bestätigt dies.

Haben Sie in Genf eine Neuheit oder eine Marke entdeckt, die Sie gerne Ihrem Portfolio hinzufügen würden?

Klar gibt es noch die eine oder andere Marke, die unser Angebot noch bereichern würde und mich begeistert. Derzeit ist es aber keine strategische Absicht, unser Portfolio zu erweitern. Wie gesagt: Die Komplexität mit fünf Herstellerverträgen ist bereits sehr hoch

In der Schweiz ist der VW Golf seit 39 Jahren die Nummer 1 der Verkaufsrangliste – welches ist die Nummer 1 bei der Schmohl AG?

Das Modell mit den höchsten Absatzzahlen bei der Schmohl AG – bereits seit Jahren – ist der Bentley Continental GT. Für mich ein Auto, das man als nahezu vollkommenes Paket bezeichnen kann – denn er vereinigt Eigenschaften wie Eleganz, Stil, Ästhetik, Design, Leistung, Komfort sowie Alltags- und Alljahrestauglichkeit bestens.

Mit welchem Auto sind Sie am meisten unterwegs?

Für den gerade erwähnten Bentley Continental GT kann auch ich mich sehr begeistern, und wenn immer möglich kann ich so geschäftliche Verpflichtungen mit Fahrspass verbinden.

Und was ist Ihr ganz persönliches Traumauto?

Das ist jetzt wirklich eine schwierige Frage für jemanden, der jeden Tag von einer derartigen Auswahl an Traumautos umgeben ist ... Ganz ehrlich: Ich kann mich für alle unsere Marken begeistern, und je nach Stimmung, Einsatz und Lust würde die Wahl anders ausfallen. Demnach sind es mehrere – aber eben, träumen darf man ja.

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