Zum Hauptinhalt springen

Auf Zeitreise in Solihull

67-jährig geht eine Ikone in Kürze in Pension. Doch bis heute wird der Defender nicht viel anders produziert als der Land Rover zu seiner Geburtsstunde 1948.

Ende Jahr ist definitiv Schluss mit dem Land Rover Defender. Nach 67 Jahren wird die ursprüngliche Halle für die Fertigung neuer Modelle umgerüstet, das teilweise mit sehr alten Werkzeugen bestückte Fliessband abgebaut. Erst vor wenigen Wochen war hier das zweimillionste Fahrzeug gefeiert worden, heute streifen wir in einer kleinen Gruppe durch das «Heiligtum». Kundenbestellungen werden keine mehr angenommen, noch bestehende Aufträge abgearbeitet. Dabei wird das veränderte Kaufverhalten der letzten Jahre deutlich sichtbar: Vom Band rollt ein edler Station Wagon nach dem andern, das Pick-up-Arbeitstier, das der Land Rover über Jahrzehnte war, ist verschwunden. Ganz? Nein. Wir haben Glück und sichten während unserer Defender Celebration Tour einen Doppelkabinen-Pick-up – immerhin.

Alles begann im Sand

Auch sonst haben wir Glück: Unser Guide auf der dreistündigen Tour ist Michael Bishop. Der Australier ist nicht nur ein unterhaltsamer Begleiter, er gilt als der Kenner der Marke schlechthin und war treibende Kraft für den Rückblick in die Produktionsanfänge von Land Rover. Bishop spricht unterwegs von zwei Zeichnungen, die damals eine grosse Rolle spielten. Eine einfache Skizze, 1947 mit einem Zweig in den Sand am Strand der walisischen Insel Anglesey gekribbelt, ist sozusagen der Anfang und die Basis für das Design des im Jahr darauf lancierten Arbeitstiers. Die heute berühmte Sandzeichnung von der Red Wharf Bay hatte Maurice Wilks gezeichnet, im Beisein von Bruder Spencer, beide bereits vor Ausbruch des Krieges die organisatorischen und technischen Leiter der Rover Company.

Geschichte und Sandskizze sind verbrieft, nicht so das Design des Logos. Heute prangt der Schriftzug in einem elliptischen Oval, viele Jahre stand der Name hingegen in einem stark abgerundeten Viereck. «Man sagt, einer der Mitarbeiter habe damals Sardinen auf dem Pult gegessen», meint Bishop. Lange steht er vor der Konstruktionszeichnung der alten Logoplatte, lässt den Umstehenden Zeit, die Sardinenbüchse zu visualisieren. Man kommt nicht umhin sich vorzustellen, wie das Öl vom Papier aufgesaugt wird. Skepsis in der Gruppe: Fand so die Form ihren Weg ins Logo? Bishop kennt diese Blicke und schmunzelt: «Okay, behaften Sie mich nicht darauf, aber die Geschichte klingt doch gut, oder?»

Ein paar Wochen noch versüsst Land Rover den Abschied vom Defender mit einem Ort der Erinnerung. Inmitten der laufenden Fabrikation haben Bishop und sein früherer Mentor Roger Crathorne diesen Ort geschaffen. Crathorne dürfte vielen Land-Rover-Fans ein Begriff sein. Er trat 1963 als Lehrling in die Firma ein, blieb, und war später massgeblich an der Weiterentwicklung der Series-Modelle und vor allem auch an der Entwicklung des ersten Range Rover beteiligt. Er ist zudem der Vater der 1989 ins Leben gerufenen Eventabteilung Land Rover Experience und wird heute gar offiziell als «Mister Land Rover» gehandelt.

Mentor und Zögling brüteten Jahre an einer Idee, um die Geschichte und die genialen Lösungen des Geländewagenbauers breiter zugänglich zu machen. «Wir hatten lange nach der passenden Entschuldigung gesucht, um eine historische Produktion aufbauen zu können », erklärt Bishop und öffnet die Tür zum «Museum». Im laufenden Jahr landen Besucher der Defender-Werksführung zum Abschluss an diesem Ort. Auf der vorgängigen Tour durch die zwar helle, modern wirkende Halle wird auch ohne Erläuterungen deutlich, dass hier noch nach herkömmlicher Methode fabriziert wird: Beim Defender ist seit 67 Jahren Handarbeit angesagt, zwar kommen viele moderne Hilfsmittel zum Einsatz, aber hier steht das Handwerk im Mittelpunkt. Am Standort Solihull, wo auch der Range Rover und der Discovery hergestellt werden, rollen derzeit täglich rund 75 Defender vom Band, gebaut von 230 Arbeitern. Von Range Rover und Co. werden 20-mal mehr Wagen produziert, doch dabei wimmelt es von Robotern, der einzelne Arbeiter verliert sich dazwischen.

74'000 Pfund Investition

In der historischen Produktion tauchen wir in ein Gemisch aus alten Aufnahmen, technischen Zeichnungen und Exponaten ein, die von Bishop und seinem Team teilweise aus ausrangierten Originalen speziell für die Ausstellung aufgebaut wurden. Übrigens hatten damals die Gebrüder Wilks vom Rover-Aufsichtsrat eine Basisinvestition von 74'000 Pfund verlangt. Bishop: «Eine lohnende Investition, denn bereits das erste Produktionsjahr spielte Einnahmen in der Höhe von 45 Millionen Pfund ein.» Heute sind es die anderen Modelle, mit denen Jaguar Land Rover finanziell auf Erfolgskurs ist. Wie es nach dem Defender weitergeht, darüber ist auch von Bishop nichts zu erfahren. «Damals, Ende der 40er-Jahre, entsprach der Wagen dem Bedürfnis der Zeit», sinniert er. «Doch die Zeiten haben sich geändert, das sollte man beim Nachfolger dann ebenfalls in Rechnung ziehen.»

Noch bis zum 10. Dezember haben Interessenten die Möglichkeit, in Solihull auf Zeitreise zu gehen und der britischen Ikone zu huldigen. Die Nachfrage ist gross, Einzelplätze gibt es noch Ende August, wer mit mehreren Personen teilnehmen möchte, muss bei den Reisedaten bereits sehr flexibel sein.

Martin Schatzmann besuchte das Land- Rover-Werk in Solihull auf Einladung von Jaguar Land Rover Schweiz.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch