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Das Duell der Extreme

Das Motorisierungsprogramm des erfolgreichen Range Rover Sport wurde um ganz spezielle Modelle erweitert: Den sparsamen Hybrid und den 550 PS starken SVR.

Mit einem Normverbrauch von nur 6,4 Liter ist der Hybrid der sparsamste aller Range Rover Sport. Fotos: Land Rover
Mit einem Normverbrauch von nur 6,4 Liter ist der Hybrid der sparsamste aller Range Rover Sport. Fotos: Land Rover

Es gab da diesen Moment. Eine Szene wie aus einem Stummfilm. Der Mann schien etwas gegen Offroader zu haben. Sein Blick war finster, ja geradezu vorwurfsvoll, als er den Fussgängertreifen überquerte. Doch als sich der Wagen daraufhin lautlos in Bewegung setzte, hellte sich seine Miene plötzlich auf. Hatte er soeben gelächelt? Tatsächlich. Im Rückspiegel liess sich sogar sein erhobener Daumen erkennen. Als wollte er sich entschuldigen: Pardon, ich wusste gar nicht, dass es dieses Auto auch sozialverträglich gibt.

Schnitt. Szenenwechsel. Aus Zuschauersicht hatte sich wenig geändert: Die Lackierung war anders und die Frontschürze aggressiver gestaltet, doch der Wagen mass nach wie vor 4,85 Meter, auf der Heckklappe prangte der Range- Rover-Sport-Schriftzug, und erneut betrat ein Fussgänger das Geschehen. Diesmal fuchtelte er wild mit den Armen. Und rief noch etwas hinterher. Was, liess sich bei dem Lärm aus der vierflutigen Abgasanlage nicht ausmachen. Aber die Botschaft lautete unmissverständlich: Gehts noch? Zugegeben, mit geöffneten Auspuffklappen durch ein ruhiges Quartier zu fahren, entsprach weder der feinen englischen noch der höflichen Schweizer Art. Aber ein SUV mit demselben Motor wie im stärksten Jaguar F-Type ist nun mal grosses Kino, und was wäre ein grosses Kino ohne grossartige Soundeffekte? Womit auch schon klar wäre, welcher der beiden automobilen Newcomer in der Rolle des Helden und welcher in der Rolle des Bösewichts steckt.

6,4 Liter versus 550 PS

Zunächst zum Helden: Die Kombination aus dem bekannten 3,0-Liter-V6-Diesel mit einem 48 PS leistenden E-Motor soll die Welt retten. Okay, sie verbessern. Oder zumindest einen Beitrag zur Einhaltung der strengen EU-Verbrauchsnormen leisten. Durch den Verzicht auf eine externe Batterielademöglichkeit stromert der insgesamt 340 PS starke 2,4-Tonner zwar höchstens 1,6 Kilometer weit, doch der Hybridantrieb hilft, den Normverbrauch auf 6,4 Liter zu drücken. Das ist ein halber Liter weniger, als der bislang sparsamste, nur 258 PS leistende TDV6-Basisdiesel auf dem Prüfstand vermeldet.

Kommt es zum Spritspar-Duell, muss sich der von der neu gegründeten «Special Vehicles Operations»-Abteilung auf die Räder gestellte SVR sogar mit dem doppelten Verbrauch geschlagen geben. Dafür wartet er mit Superkräften auf: Der 5,0-Liter-V8-Kompressormotor aus dem bisherigen Topmodell mit 510 PS leistet hier 550 PS und wuchtet bis zu 680 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Hinzu kommen eine 8-Gang-Automatik mit verkürzten Schaltwegen, ein straffer abgestimmtes Fahrwerk, stark konturierte Schalensitze und die oben erwähnte Sportauspuffanlage mit elektronisch gesteuerten Ventilen. Das sorgt für Action: einen 0-auf-100-Sprint in 4,7 Sekunden, 260 km/h Spitze und 8:14 Minuten für die Umrundung der Nürburgring- Nordschleife. Nur der Porsche Cayenne Turbo S ist schneller.

So weit der Vorspann. Die Geschichte kommt ins Rollen – in der Stadt, auf der Autobahn, auf Landstrassen –, und der ab 111'900 Franken erhältliche Hybrid überrascht nicht nur Fussgänger, sondern auch den Fahrer positiv. Der Geräuschkomfort im gewohnt feudalen Innenraum ist hoch; das Zusammenspiel der beiden Antriebe erfolgt weitgehend unauffällig. Einzig das digitale Cockpit lässt wissen, wann immer der Verbrennungsmotor auf Sendepause geht, und wenn 700 Newtonmeter mobilisiert werden, ist auch für Unterhaltung gesorgt. Der Normverbrauch entpuppt sich zwar als Fiktion, rund neun Liter dürften aber deutlich weniger sein, als der gleich starke V8-Turbodiesel im Alltag fordert.

Der Triumph des Bösen?

Wer braucht da also noch einen mindestens 154'900 Franken teuren SVR? So spektakulär der stärkste Wagen der Markengeschichte auch beschleunigt, so tapfer er gegen Schwer- und Fliehkraft kämpft, so handlich er sich trotz seiner schieren Grösse anfühlt und so geländetauglich er laut Land Rover geblieben ist: Im öffentlichen Verkehr findet die Action sowieso nur im Kopfkino statt. Was bleibt, sind filmreife Szenen mit Fussgängern. Und doch geht der SVR letztlich als Sieger hervor – subjektiv, emotional und nicht zuletzt bei den Verkaufszahlen. Vom Anfang 2015 lancierten Hybrid wurden in der Schweiz bislang 13 Exemplare ausgeliefert; das Jahresziel beträgt 30. Vom SVR, der erst seit März erhältlich ist, dürften es bis Ende Jahr sogar 75 Stück sein. Wenn die Nachfrage nach dem neuen Topmodell weltweit nicht so hoch und die Lieferzeiten folglich nicht so lang wären, liessen sich laut Stefan Rufener aus der PR-Abteilung von Jaguar Land Rover Schweiz sogar noch mehr absetzen und der Anteil des Topmodells auf 10 Prozent erhöhen.

Der Triumph des Bösen also? Nein. Wie alle Range Rover Sport kann auch der hoffnungslos übermotorisierte SVR einfach nur entspannt dahingleiten, bis zu fünf Insassen oder 1761 Liter Gepäck befördern, und beim Motorensound verhält es sich wie bei einem Film: Schaltet man ihn auf stumm – dazu verzichtet man einfach auf den Druck der Taste mit dem Auspuffsymbol –, wirkt die Szene weitaus weniger dramatisch.

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