Noch lange unverzichtbar

Der VW Golf ist so jung wie nie zuvor. Die achte Auflage soll die Erfolgsgeschichte weiterführen.

Am Design wurde nur wenig verändert: Der neue Golf hat schärfere Falten im Blechkleid und etwas grimmiger blickende Scheinwerfer. Fotos: PD

Am Design wurde nur wenig verändert: Der neue Golf hat schärfere Falten im Blechkleid und etwas grimmiger blickende Scheinwerfer. Fotos: PD

Eine neue Generation des VW Golf ist immer ein Ereignis in der Autowelt, schliesslich ist er nicht nur seit 45 Jahren eine Ikone, sondern mit 35 Millionen abgesetzten Einheiten auch eines der meistverkauften Autos überhaupt. Über den gesamten Produktionszeitraum berechnet, wurde alle 40 Sekunden ein Golf verkauft – das ist eindrücklich. Die nun lancierte achte Generation erhält besonders viel Aufmerksamkeit, denn der Evergreen hat es im aktuellen Umfeld schwerer, als er es gewohnt ist: SUVs dominieren das Strassenbild, Elektroautos prägen die Schlagzeilen. Hat der klassische Golf also bald ausgedient? «Ich sehe keinen Grund, weshalb wir uns nicht in ein paar Jahren wieder für die Premiere von Golf 9 und Golf 10 treffen sollten», entgegnet Markenchef Ralf Brandstätter.

Doch damit er recht behält, muss der Kompaktwagen laufend dem Zeitgeist angepasst werden. Aktuell bedeutet das: digitalisieren und elektrifizieren – denn radikal neu gedacht wird der Golf in seinem hohen Alter nicht mehr. Diesbezüglich hat ihn der ID.3, der auf der neuen, spezifisch für batterieelektrische Fahrzeuge konzipierten Plattform MEB aufbaut, überholt. Doch obwohl VW voll auf die Karte Elektromobilität setzt, wird es den Golf noch lange geben, denn trotz des bevorstehenden Modellwechsels bleibt er das meistverkaufte Auto in Europa: Im Oktober wurden in Europa nach Daten der Beratungsagentur Jato 34362 Einheiten des Golf neu zugelassen – das waren 6,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Der Renault Clio auf Rang zwei kam auf 19576 Einheiten.

Fünf Hybridmodelle geplant

Entsprechend überschwänglich wird die neue Modellgeneration gefeiert. «Nie zuvor war ein Golf progressiver», schwärmt Konzernchef Herbert Diess. Er spricht damit die fünf Hybridversionen an, die mit dem Golf 8 eingeführt werden – zum Marktstart ist es vorerst eine Mild-Hybridvariante, später kommen zwei weitere hinzu, im Herbst 2020 folgen zwei Plug-in-Hybridversionen. Mit progressiv meint Diess aber auch das komplett neue Cockpit, das mit volldigitalen Anzeigen, einem grossen Touchscreen, einem Head-up-Display und Sensorleisten statt Tasten tatsächlich eine neue Messlatte in der Kompaktklasse setzt. Und natürlich strotzt der Neuling nur so vor modernsten Fahrassistenzsystemen – doch das verwundert heute keinen mehr.

Es sind andere Dinge, mit denen der Golf 8 überrascht. Zum Beispiel seine Abmessungen: Obwohl heute jede neue Modellgeneration meist länger, breiter und schwerer wird, haben sich die Wolfsburger anders entschieden und die Dimensionen des achten Golf kaum verändert. Das macht Sinn, denn im Vergleich zu seinem 1974 lancierten Urvater Golf 1 hat die aktuelle Version ohnehin in allen denkbaren Belangen massiv zugelegt: Sie ist fast einen halben Meter länger, eine halbe Tonne schwerer und natürlich deutlich teurer als die Urversion, auch wenn die Preise des Neuen noch nicht bekannt sind. Aber trotz flacherer Dachlinie sitzt man auf allen Plätzen gut, das Kofferraumvolumen bleibt unverändert auf bewährtem Niveau, und mit einer Länge von knapp 4,3 Metern ist der Kompaktwagen übersichtlich und handlich – wieso sollte man daran etwas ändern?

Und das Design? Der Neue hat ein paar schärfere Falten im Blechkleid, etwas grimmiger blickende Scheinwerfer und eine tiefer nach unten gezogene Haube, doch im Kern ist er der Gleiche geblieben.

Vertrautes Motorenangebot

Volkswagen-Chefdesigner Klaus Bischoff umschreibt es noch etwas blumiger: «Sein Design ist die Evolution des Zuhausegefühls von Millionen Menschen. Dennoch ist die achte Generation ein Eyecatcher!» Dass die Karosserie tatsächlich komplett neu gestaltet wurde, zeigen die Aerodynamikwerte: Der Luftwiderstandsbeiwert wurde von 0,3 auf 0,275 gesenkt – das ist für den Verbrauch entscheidend.

Das Spannungsfeld zwischen «Typisch Golf» und «Komplett neu» haben die Wolfsburger einmal mehr gemeistert. Denn trotz neuem Cockpit fährt sich der Golf VIII wie ein alter Bekannter, auch wenn das Fahrwerk neu ist und der Kompaktwagen etwas satter liegt, feinfühliger abrollt und sauberer einlenkt.

Auch das Motorenangebot ist vertraut, obwohl die Diesel mit doppelter Abgasbehandlung sauberer gemacht wurden und der Plug-in-Hybridantrieb neu in zwei Leistungsvarianten erhältlich sein wird. Letztlich ist ein Golf ein Golf, und er bleibt es auch. Daran wird sich selbst in dieser wilden Umbruchphase im Automobilbau vorerst nichts ändern.

Dave Schneider fuhr den neuen Golf auf Einladung von VW Schweiz in Portugal.

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