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Shopping im Tivoli

Mit dem neuen Tivoli will die wenig bekannte Marke SsangYong endlich auf die Einkaufsliste trend- und preisbewusster Schweizerinnen und Schweizer fahren.

Der SsangYong Tivoli wurde nach einer Kulturstadt benannt, passt aber auch zum «Shoppi» in Spreitenbach. Fotos: Markus Cavelti
Der SsangYong Tivoli wurde nach einer Kulturstadt benannt, passt aber auch zum «Shoppi» in Spreitenbach. Fotos: Markus Cavelti

Das mit dem Foto vor dem gleichnamigen Shoppingzentrum war eigentlich als Scherz gemeint. Aber das hat man dann vom Scherzen, wenn der Chef die Idee grossartig findet: Man muss am Montagmittag nach Spreitenbach fahren, schlendert, weil der Fotograf noch nicht da ist, durch die Läden, denkt sich nichts Böses (zumal Böses denken in einem Shoppingzentrum meist mit einem Frustkauf endet) und erliegt schliesslich doch der Versuchung, mit einer prallen Tasche und zwei neuen Gartenstühlen herauszulaufen.

Da hilft es natürlich, wenn der zu fotografierende SsangYong hält, was der Modellname Tivoli für uns verspricht – beste Shopping-Qualitäten. Schon das Rangieren auf dem Parkplatz geht mühelos, denn der 4,2 Meter lange Klein-SUV ist übersichtlich und mit einer Rückfahrkamera versehen. Die Servolenkung lässt sich so leichtgängig einstellen, dass man sie mit dem kleinen Finger bedienen kann, und auch am Kofferraumvolumen gibt es nichts zu bemängeln. 423 Liter sind immerhin 18 Liter mehr, als der zwei Zentimeter längere Skoda Yeti bietet. Schade, dass beim Umlegen der im Verhältnis 40:60 teilbaren Rückbank eine grobe Stufe entsteht. Aber gut, den Gartenstühlen ist das egal – und der Frau, die soeben von der gleissenden Sonne ins klimatisierte Shoppi Tivoli flüchten wollte, nun aber stehen bleibt, um das unbekannte Auto zu betrachten, ebenfalls.

«Genial» bis «katastrophal»

«Genial», lautet ihre Reaktion. Die rote Lackierung und das moderne, wenn auch von Hartplastik dominierte Cockpit gefallen ihr. «Ein richtiges Frauenauto », meint sie. Frauenauto? Nicht unbedingt, widersprechen ihr zwei Jungs, die das Führerscheinalter knapp erreicht haben dürften. Der eine findet den Wagen «schön», der andere «cool», beide würden ihn kaufen. «Nicht schlecht», äussert sich derweil ein älterer Geschäftsmann. Aber kaufen? «Niemals », er stehe auf deutsche Premiummarken.

Noch vehementer winkt ein junger, mit Einkaufstaschen beladener Mann ab: «Katastrophal», sagt er. Dass der Basis-Tivoli inklusive Klima- und Audioanlage 16'900 Franken kostet und einzig vom 14'900-fränkigen Dacia Duster unterboten wird, macht ihm keinen Eindruck. Er habe gehört, die Ersatzteile seien teuer.

Unter der Wahrnehmungsgrenze

Einigen wir uns also darauf, dass sich die Shoppi-Tivoli-Kunden nicht einig sind. Und doch stellen fast alle dieselbe Frage: «Was ist das überhaupt für eine Marke?» Kein Wunder, denn bislang lag der Jahresabsatz in der Schweiz trotz dreier Baureihen im unteren dreistelligen Bereich. Im laufenden Jahr konnten die Koreaner bis Ende Juni 377 Fahrzeuge verkaufen und ein beachtliches Plus von 34,6 Prozent verzeichnen, doch die Wahrnehmungsgrenze ist damit noch nicht erreicht.

«SsangYong, ist das chinesisch?», fragt einer der Jungs. Genug geplaudert, der Inhalt der Einkaufstasche muss dringend in den Kühlschrank. Und mit dringend ist Weichkäse-bei-35-Grad-dringend gemeint. Drum geht es jetzt mit der Lenkung zurück in den direkten Sportmodus, und dem 1,6-Liter-Benziner mit 128 PS und Frontantrieb – vorläufig die einzige Motorisierung, bis im Herbst der 115-Diesel und die Allradversionen folgen – werden die Sporen gegeben.

Der 4-Zylinder bringt den 1,8-Tönner an sich locker in Fahrt und arbeitet erfreulich leise, aber der Verzicht auf eine Turboaufladung erfordert hohe Drehzahlen: Das maximale Drehmoment von 160 Newtonmetern steht erst bei 4600 Touren an. Entsprechend berauscht auch der von SsangYong berechnete Normverbrauch nicht: Mit der optionalen Start-Stopp-Automatik lässt er sich von 6,6 auf 6,4 Liter senken. Immerhin. Hinzu kommt ein straff abgestimmtes Fahrwerk. So straff, dass die im «Shoppi» gekauften Eier Sorge bereiten.

Tivoli als Bestseller der Marke

Abgesehen davon gestaltet sich die Heimfahrt stressfrei, und eines ist klar: Sosehr Schönheit im Auge des Betrachters liegt, die Ansprüche an das Fahrverhalten variieren und der Preis vieles relativiert – unbestritten ist, dass alle SUV-Segmente brummen, die acht Aussen- und sechs Hintergrundfarben für die Instrumentenbeleuchtung dem Individualisierungstrend entsprechen, das Multimediasystem mit 7-Zoll-Display zeitgemäss ist und Extras wie ein beheizbares Lenkrad und klimatisiertes Gestühl eher klassenunüblich sind.

Konnten die in den 90ern durch ihr groteskes Design auffallenden SsangYong-Modelle durchaus als Scherz gewertet werden, meint es das erste neue Modell, seit die Marke 2011 vom indischen Mahindra & Mahindra Konzern übernommen wurde, ernst. Das zeigen auch die Erwartungen: 2015 sollen bei uns rund 300 Tivoli abgesetzt werden. «Wir gehen davon aus, dass er unser neuer Bestseller wird», heisst es seitens SsangYong Schweiz.

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