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Ungleicher Zwilling: Ford Ka glänzt auf Fiat-500-Basis

12 Jahre sind genug: Ford hat ein Einsehen und ersetzt den kleinen Ka endlich durch ein modernes Auto. Das basiert auf dem Fiat 500 – dem «Hit» bei den neuen Cityflitzern.

«Der Ford Ka hat die Messlatte für seinen Nachfolger sehr hoch gelegt. 1996 vorgestellt, sieht er heute noch umwerfend chic aus», schreibt John Fleming, Präsident und CEO von Ford Europa, im Pressetext zum neuen Ka. «Bis zum heutigen Tag beweisen Ka-Fahrer die höchste Kundenloyalität unter allen Besitzern von Ford-Modellen.»

«Neue, junge Kunden gewinnen»

Tatsächlich: Auch in seinem letzten Amtsjahr wurde der Ford Ka in den ersten neun Monate des Jahres in der Schweiz 618-mal an den Mann, oder wohl eher an die Frau gebracht. Eine erstaunliche Zahl. Denn immerhin lässt der kleine Kölner damit Autos wie den Mitsubishi Lancer, Citroën C4, Toyota Avensis, Opel Vectra oder den Peugeot 407 hinter sich. Insgesamt sind seit 1996 weltweit mehr als 1,5 Millionen Ka verkauft worden, immerhin 13'000 in der Schweiz.

In Anbetracht dieser Zahlen sind die Ziele der Schweizer Ford-Verantwortlichen für den neuen Ka pures Understatement: «1000 + ist das Ziel für 2009», erklärte Marketingdirektorin Sandra Grau bei der Präsentation auf Ibiza. Um das zu erreichen, will man gemäss den Marketingplänen einerseits die «Ka-Fans halten», andererseits «preisbewusste Fiesta-Kunden für den Ka begeistern» und schliesslich «neue, junge und kaufkräftige Kunden gewinnen».

Sportlichkeit statt Retro-Charme

Das könnte durchaus klappen, denn das lange Warten auf den neuen Ka hat sich gelohnt. Der Viersitzer ist zwar ein kleines Auto geblieben, hat aber einen grossen Charakter gekriegt: Nicht nur das Design wirkt extrem sportlich, auch das Fahrverhalten hat eher wenig mit den typischen Qualitäten der Kleinwagen zu tun: Wo andere Cityflitzer im besten Fall durch ihre Wendigkeit im Feierabendverkehr und bei der Jagd nach der letzten freien Parklücke auffallen, kann der neue Ka auch mit einem hervorragenden Fahrwerk und überraschend viel Langstreckenkomfort punkten. Auf kurvigen Landstrassen oder der Fahrt auf der Autobahn ins Weekend macht der Ka nun fast ebenso viel Spass wie auf dem Weg ins Stadtzentrum.

Allerdings gebührt dieses Lob nicht nur den Kölnern. Denn um die Kosten zu drücken und die Entwicklung zu beschleunigen, hat sich Ford bei Fiat eingekauft und den Ka vom neuen Cinquecento abgeleitet. Ein weiser Entscheid, denn die Italiener haben bei uns in den ersten neun Monaten des Jahres 3554 Cinquecento verkauft. Damit liegt der Italo-Charmeur auf Platz 9 der CH-Verkaufscharts. Das Design des Ka hat allerdings nichts mit dem Retro-Charme des italienischen Vorbilds zu tun. Ford setzt aussen auf einen starken, sportlichen Charakter fernab jeder Niedlichkeit. Und auch innen geht der Ka mit futuristischen Lüftern, poppigen Farben und neuen Sitzen seinen eigenen Weg. «Doch alles, was man nicht sehen und nicht anfassen kann, das kommt von Fiat», bestätigt man bei Ford.

Das gilt auch für die Motoren, bei denen sich die Kölner allerdings mit zwei statt vier Aggregaten begnügen. Die zwei sportlichen 1,4-Liter mit 100 und 135 PS bleiben dem Fiat vorbehalten. Wichtigstes Ka-Triebwerk wird deshalb der 1,2 Liter grosse Benziner mit 69 PS und einem maximalen Drehmoment von 102 Newtonmetern. Bei der ersten Ausfahrt auf der Partyinsel wirkte der Ka viel spritziger, als es die 13,1 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 vermuten lassen. Das hat aber auch damit zu tun, dass auf der Baleareninsel nach dem Ende der Party- und Hochsaison auf den Strassen ohnehin Weile statt Eile angesagt ist. Denn jenseits der Stadtmauern lässt sich der Ka mit diesen Motoren nur mit viel Anlauf so sportlich bewegen, wie er sich optisch gibt.

Dieselanteil bei nur 5 Prozent

Dafür gibt sich der Motor genügsam: Weil auch der neue Ka nur gerade 940 Kilos wiegt, kommt er auch ohne Spritspartechnik auf einen Normverbrauch von 5,1 Liter auf 10o Kilometer und einen CO2-Ausstoss von 119 Gramm pro Kilometer. Der 75 PS starke Diesel, der für den Sprint genau gleich lang braucht, kaum schneller fährt aber 2900 Franken mehr kostet, lohnt sich deshalb trotz eines Verbrauchs von 4,2 Litern (CO2 112 g/km) kaum. Das ist man sich auch bei Ford bewusst: In der Schweiz rechnen die Verantwortlichen mit einem maximalen Dieselanteil von nur gerade 5 Prozent.

Und sonst? Bei einer Länge von 3,62 Metern darf man keine Platz-Wunder erwarten. Aber in der ersten Reihe des Ka fühlt man sich ausgesprochen gut aufgehoben, während auf der Rückbank wohl nur bescheidene Kinder so richtig glücklich werden. Immerhin: Die 224 Liter Kofferraum genügen für die kleine Familie.

Apropos klein: Auch das Budget eines Ka-Käufers oder eine Käuferin muss nicht gross sein, denn das Basismodell gibts ab 14'500 Franken. Bei diesem Preis – und in Anbetracht der Motorenleistung – ist es verkraftbar, dass ESP nicht mitgeliefert wird und man die Fenster von Hand rauf- und runterkurbelt. Dass der Ka 1.2 Ambiente aber ohne Audioanlage auf die Strasse rollt, das ist ziemlich uncool!

* Dieter Liechti fuhr den Ford Ka am 3. November auf Einladung der Ford Motor Company (Switzerland) auf Ibiza.

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