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Abschied von einer Legende auf vier Rädern

Von dem Auto träumten einst Apparatschiks und Parteibonzen. Jetzt wird die Produktion der sowjetischen Edelkarosse Wolga eingestellt.

Auch der russische Ministerpräsident Wladimir Putin besitzt eine Wolga.
Auch der russische Ministerpräsident Wladimir Putin besitzt eine Wolga.
Keystone
2005 liess der damalige russische Präsident George W. Bush seine 56-er Wolga steuern.
2005 liess der damalige russische Präsident George W. Bush seine 56-er Wolga steuern.
Keystone
Die Gene des offiziellen Nachfolgemodells des Wolga stammen aus den USA: Der «Siber» wird von Hersteller wiederum als Wolga vermarket, ist aber unschwer als Chrysler Sebring-Abkömmling zu erkennen. Das Auto wird seit 2008 in Lizenz produziert.
Die Gene des offiziellen Nachfolgemodells des Wolga stammen aus den USA: Der «Siber» wird von Hersteller wiederum als Wolga vermarket, ist aber unschwer als Chrysler Sebring-Abkömmling zu erkennen. Das Auto wird seit 2008 in Lizenz produziert.
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Auf Russlands Strassen geht eine Epoche zu Ende: In zwei Monaten soll die letzte «Wolga» vom Band laufen. Die Limousine war jahrzehntelang das Beste, wovon russische beziehungsweise sowjetische Automobilisten träumen konnten. Mehrere Millionen Exemplare wurden seit 1956 produziert, insgesamt gibt es sechs verschiedene Modelle. Doch jetzt ist Schluss. Grund für das Ende der Wolga-Produktion sei nicht die Finanzkrise, sagte eine Managerin des Herstellers GAZ. Der Entscheid sei viel früher gefallen.

Die Wolga hat in der Tat seit geraumer Zeit einen schweren Stand: Geschäftsleute und Bürokraten haben längst auf Westautos umgesattelt. Der sowjetische Luxuswagen blieb auf dem freien Markt praktisch ohne Chance. GAZ-Eigentümer Oleg Deripaska, laut «Forbes» der reichste Russe, wollte schon vor drei Jahren aufhören, die Edelkarosse zu fertigen.

Doch damals protestierten Autoliebhaber, Händler und nicht zuletzt der Kreml gegen den Tod der Wolga. Das «schickste vaterländische Auto aller Zeiten» hat nämlich einen prominenten Fan: Premierminister Wladimir Putin. Er besitzt selber eine dieser Limousinen mit Produktionsjahr 1956. Putin fährt bis heute gelegentlich damit vor. Einmal liess er sogar US-Präsident George W. Bush in dem sowjetischen Oldtimer durch ein Anwesen des Kremls kurven.

Nur noch als Einzelanfertigung

Zuletzt waren noch zwei Wolga-Typen im Verkauf. Beide wirkten eher museal, oder wie es die «Iswestija» formulierte: «moralisch veraltet». Gründe, um die Wolga zu kritisieren, gibt es tatsächlich viele: In den Autos fühlen sich die Passagiere wie in einem Flussdampfer, das Interieur wirkt stets muffig, zudem frisst die Wolga enorm viel Benzin.

Das sehen Liebhaber - und der Hersteller - natürlich anders: «Die Wolga sticht stets durch ihre strengen Formen, ihre Gediegenheit und ihre Erhabenheit hervor. Sie verkörpert immer noch Selbstbewusstsein und Prestige», wirbt GAZ auf seiner Homepage.

Heute kaufen freilich nur noch Patrioten Wolgas - oder Beamte, die ein respektables Gefährt brauchen, sich aber keinen Mercedes leisten können. Die höchste Wolga-Dichte in ganz Russland herrscht wohl auf dem Parkplatz hinter dem Hauptquartier des Geheimdienstes FSB. Bereits zu Sowjetzeiten bevorzugten Moskaus Agenten die Limousine aus heimischer Produktion. Angeblich erhielten sie sogar Wolga-Modifikationen mit speziell starkem Motor.

Nun aber heisst es Abschied nehmen von einer Legende auf vier Rädern, wenn auch nicht ganz. Hersteller GAZ will auch künftig Wolgas produzieren - allerdings nur auf besondere Bestellung und in Einzelanfertigung.

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