Mercedes erneuert sich

Die Stuttgarter sortieren ihr Alphabet um, starten die grösste Modelloffensive der Marke und feiern ein Comeback ....

Luxuriöser als ein 5-Stern-Hotel: Die Mercedes-Nobelmarke Maybach feiert diese Woche ihr Comeback in Los Angeles. Foto: Daimler

Luxuriöser als ein 5-Stern-Hotel: Die Mercedes-Nobelmarke Maybach feiert diese Woche ihr Comeback in Los Angeles. Foto: Daimler

Über 30 neue Autos bis 2020 und davon ein Dutzend ohne direkten Vorgänger, eine neue Marke und viele neue Segmente – Mercedes-Benz steht vor einer so gross angelegten Modelloffensive, dass selbst die bisherige Nomenklatur an ihre Grenzen gerät. Deshalb haben die Schwaben in den vergangenen Wochen offenbar etwas öfter aus der Buchstabensuppe gelöffelt und sortieren jetzt ihr komplettes Modellalphabet völlig neu. Die Baureihenkürzel A, B, C, E, S und G stehen zwar auch in Zukunft wie Felsen fest in der Brandung. Aber drum herum wird so ziemlich alles ausgetauscht und vereinfacht..

Neu mit Baureihenkürzel

Coupés heissen wie jetzt schon bei der S-Klasse einfach wieder Coupés und alles, was durchs Gelände fährt, hat künftig auch ein G im Namen. Ausserdem wollen die Stuttgarter nun die Zuordnung zur jeweiligen Kernmodellreihe erleichtern und mischen deshalb noch ein Baureihenkürzel mit hinein. Klingt kompliziert? Ist aber ganz einfach. So, wie jetzt schon der GLA als Ableger der A-Klasse wird im nächsten Jahr der Nachfolger des GLK zum Geländewagen in der C-Klasse und damit zum GLC. Aus der M-Klasse wird beim Facelift im Sommer der GLE mit starkem Bezug zur E-Klasse, und als luxuriöses Flaggschiff in der SUV-Palette läuft der GL künftig als GLS durchs Oberhaus. Nur die G-Klasse behält als Mutterschiff der schwäbischen SUV-Familie ihr singuläres Kürzel, genauso wie, nicht an der S- oder der C-Klasse gerüttelt wird. Aber die neue Nomenklatur gilt nicht allein für die Geländewagen, sondern auch bei Coupés und Roadstern tut sich was. Die als Antwort auf denBMWX6 entwickelte Flachdachversion der M-Klasse wird deshalb nicht zum MLC, sondern schlicht zum GLE Coupé, dem innert zwei, drei Jahren auch ein GLC Coupé folgen dürfte. Und aus dem SLK wird mittelfristig ein SLC, der sich damit stärker an der C-Klasse orientiert.

Daimler and Benz were [...] hard-headed mechanical engineers. Men who valued technical perfection and flawless workmanship above all else. Today, at Mercedes-Benz, such engineers still rule the roost. Design decisions are made by an engineer, not a cost accountant or a marketing expert.Passenger Car Program Mercedes-Benz of North America, 1971

Die buchstäblich grösste Änderung gibt es allerdings bei der S-Klasse. Denn dort feiert jetzt nach zwei Jahren Abwesenheit die wenig glanzvoll dahingeschiedene Marke Maybach ihr unerwartetes Comeback. So wie Mercedes-AMG für die besonders sportlichen Modelle der Schwaben steht, soll die Submarke Maybach das obere Ende der Palette definieren und noch mehr Luxus, Individualität und bisweilen auch mehr Platz bieten. Der erste Maybach der Neuzeit wird deshalb der Mercedes-Maybach S 600, der seine Premiere diese Woche zeitgleich in Los Angeles und Guangzhou feiert und Anfang nächsten Jahres als S-Klasse XXL in den Handel kommt – mit nochmals verlängertem Radstand, mit Liegesitzen wie in der luxuriösesten First-Class und einem derart noblen Ambiente, dass selbst ein 5-Stern-Hotel im direkten Vergleich aussieht wie eine Jugendherberge.

Platzhalter für die Zukunft

Aber Mercedes sortiert bei dieser Gelegenheit nicht nur die Modellreihen neu. Auch die Motorvarianten bekommen neue Namen. So unsinnige Kürzel wie BlueTec oder CDI bei den Dieseln machen Platz für ein schlichtes, kleines «d», die Versionen mit Plug-in- oder Elektroantrieb werden künftig als «e»- Modelle verkauft, die Hybriden haben ein «h» auf dem Heckdeckel und die Gas-Modelle tragen ein «c» im Kürzel. Nur die Benziner stehen für sich selbst und verzichten ganz auf einen erläuternden Buchstaben. Damit die Stuttgarter ihre Nomenklatur nicht bald schon wieder ändern müssen, haben sie vorsichthalber schon mal ein paar Platzhalter für die nächsten Jahre eingebaut. Im Alphabet der Antriebsvarianten findet man deshalb auch schon ein «f» für Fuel Cell – dabei wird die Brennstoffzelle frühestens zum Ende des Jahrzehnts erwartet.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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