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Ein Auto, schneller als eine Pistolenkugel

Mit einem Raketenauto wollen britische Ingenieure den Geschwindigkeitsrekord brechen: Es soll auf rund 1600 Stundenkilometer beschleunigen.

Der Rekordversuch wird als nationale Herausforderung stilisiert. Grossbritanniens Wissenschaftsminister Lord Drayson stellte das Projekt, das seinen Namen «Bloodhound» (Bluthund) einer britischen Abwehrrakete verdankt, höchstselbst in London vor. «Einen Geschwindigkeitsrekord an Land zu brechen, heisst heutzutage nicht mehr, ein Triebwerk auf einen Wagen zu montieren und dann in Richtung Horizont zu schicken», sagte der Politiker, der einst selbst Autorennen bestritten hatte. «das Team wird schwierige wissenschaftliche, technische und mathematische Probleme lösen müssen.»

18 Monate lang haben die Ingenieure hinter verschlossen Türen an dem Vehikel gearbeitet, das den bisherigen Rekord von 763 Meilen pro Stunde (mph) im Jahr 2011 brechen soll, um die neue Bestmarke von 1000 mph zu erreichen – rund 1600 km/h also und damit schneller als eine Pistolenkugel, die einen Lauf mit etwa 1500 km/h verlässt. Laut den bisherigen Plänen wird das Fahrzeug 12,8 Meter lang sein und voll betankt mehr als sechs Tonnen wiegen. Um Höchstgeschwindigkeit zu erreichen, soll ein Düsenantrieb es zunächst auf 350 Meilen pro Stunde bringen, bevor ein Raketenantrieb es auf Rekordtempo beschleunigt – dank einer Tonne des Treibstoffs Wasserstoffperoxid und innerhalb von 20 Sekunden.

Extreme Belastung für Mensch und Material

«Es wird sehr unkomfortabel werden», erklärte der designierte Steuermann Andy Green, der am 15. Oktober 1997 in der Wüste von Nevada schon den derzeit gültigen Temporekord eines Landfahrzeugs aufstellte – mit dem Thrust SuperSonic Car (SSC), das bei dieser Gelegenheit auch die Schallmauer durchbrach. Der neue Rekord, falls er gelingt, wird ihn zwar noch stärker fordern, doch als Pilot der Royal Air Force ist Green darauf trainiert, solchen körperlichen Belastungen standzuhalten.

Ein Risikofaktor dürfte dagegen das Material werden. Die Räder des Raketenfahrzeugs werden bei einem Durchmesser von 90 Zentimetern mehr als 10'000 Mal pro Minute rotieren. Durch das hohe Tempo wird der Druck der Luft auf das Chassis nach den Berechnungen der Ingenieure rund 12 Tonnen pro Quadratmeter betragen. Folgerichtig wird es aus widerstandsfähigen Baustoffen wie Kohlefasern und Titan bestehen, die speziell auf die Belastungen ausgelegt sind. Zudem sollen speziell konstruierte «Flossen» es aerodynamisch sicher auf den Boden pressen, damit es nicht abhebt – ein Auto, das eigentlich ein Raketenflugzeug ist.

Ein Rekordversuch, der Junge mitreissen soll

Viel Arbeit also für den kommenden drei Jahren, zumal noch gar nicht festgelegt, wo der Rekordversuch stattfinden wird. Ein Scheitern des Rekordversuchs kann angesichts der vielfältigen Herausforderungen nicht ausgeschlossen werden, wie auch Andy Green gegenüber der Zeitung «Guardian» einräumte – mit einem Hinweis auf das höhere Ziel des waghalsigen Vorhabens, den britischen Nachwuchs für Forschung und zu Technik begeistern. «Wenn wir ein 900-Meilen-Auto konstruieren und jedes Schulkind im Land mitfiebert», sagte er, «haben wir etwas wirklich Gutes getan. Wenn wir die 1000 Meilen pro Stunde schaffen und niemand gibt einen Dreck darauf, dann haben wir versagt.»

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