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Lamborghini kämpft mit dem Degen des Matadors

Ein neues Serienauto wie Ferrari hat man bei Lamborghini zwar nicht am Start. Aber eine Studie, die der Konkurrenz – nicht nur aus Italien – die Show stehlen soll. Und das ist gelungen.

Lamborghini-Studie Estoque: 560 PS und Tempo 300 für die Familie – und auf Wunsch sogar ein Hybridmodul.
Lamborghini-Studie Estoque: 560 PS und Tempo 300 für die Familie – und auf Wunsch sogar ein Hybridmodul.
Markus Cavelti/Keystone

Lamborghini entdeckt plötzlich ein Herz für Familienväter: Nachdem die Italiener nun schon seit mehr als 50 Jahren Supersportwagen bauen und geflissentlich auf die Anforderungen des Alltags pfeifen, bringen sie nun in Paris ihre erste Limousine in Stellung, mit der man tatsächlich auch ins Büro fahren oder auf Dienstreise gehen kann.

Noch ist dieser Estoque zwar nur eine Studie, die die viertürigen Sportwagen wie den Porsche Panamera oder den Aston Martin Rapide wie brave Spielzeugautos aussehen lässt. Doch gibt der zum Auftakt des Pariser Autogipfels präsentierte Tarnkappenbomber mit vier Türen und bequemen Einzelsitzen immerhin einen Vorgeschmack auf eine weitere Baureihe, mit der die schnelle Audi-Tochter ihr Portfolio in den nächsten Jahren erweitern könnte.

Frühestens 2011 am Start

«Entschieden ist allerdings noch gar nichts», wiederholen die Italiener auch in Paris immer wieder. Aber sie haben ja auch noch ein bisschen Zeit. «Denn bis der Estoque auf der Strasse stehen könnte, brauchen wir noch drei Jahre», bittet Manfred Fitzgerald, der Chef des Centro Stile, um ein wenig Geduld.

Zwar hatten die Italiener noch nie eine Limousine im Programm, doch kann man den Estoque von allen Seiten auf Anhieb als Lamborghini erkennen. Denn obwohl er in der Länge gewaltige 5,15 Meter misst und stolze 3 Meter Radstand hat, wirkt er auf den ersten Blick wie ein in die Länge gezogener Reventón: Die Front ist genauso kantig und aggressiv, das Heck ebenso breit und bullig, und sogar die Silhouette ist annähernd so flach. Denn mit einer Höhe von nur gerade 1,35 Metern taucht der Viertürer unter allem durch, was sich sonst noch Limousine nennt.

Trotzdem soll es innen deutlich mehr Platz und Komfort geben als in jedem anderen Lamborghini, versprechen die Italiener: Vier bequeme Einzelsitze statt brettharter Rennschalen, feines Nappaleder statt Carbon und sogar ein Rear-Seat-Entertainment-System mit Monitoren für den Fond stellen sie in Aussicht. Und wo man bislang schon den Wintermantel nur mühsam unter die Haube bekommen hat, soll jetzt im Kofferraum genügend Platz für das Wochenendgepäck oder mehrere Golftaschen bleiben.

Mit Diesel und Hybridmodul?

Dass trotzdem keiner Angst ums Adrenalin haben muss, belegt ein Blick auf den Motor, der eine halbe Wagenlänge nach vorn gerückt ist und nun zwischen Fahrer und Vorderachse thront. Wie im Gallardo setzt Lamborghini hier auf den v10-Benzindirekteinspritzer mit 560 PS, der natürlich alle vier Räder antreibt. Auch wenn es offiziell noch keine Fahrdaten gibt, darf man von einem Sprintwert unter fünf Sekunden und einem Spitzentempo von über 300 km/h ausgehen. Trotzdem geht der Geist der Zeit auch an Lamborghini nicht spurlos vorbei. Nebst Achtzylinder und Hybridmodul steht sogar ein Hochleistungsdiesel zur Diskussion.

Natürlich ist der Estoque nicht nur eine Botschaft an die Fans der Marke, die sich vielleicht doch auf Zuwachs in der Modellpalette freuen dürfen. Der Tiefflieger für die Business-Klasse ist vor allem ein Fingerzeig in Richtung Konkurrenz. Diesen Anspruch trägt der Viertürer bereits im Namen. Denn entgegen der Lamborghini-Tradition ist Estoque kein Kampfstier, sondern der Begriff bezeichnet den kurzen Degen des Matadors, mit dem er dem Stier den Todesstoss versetzt.

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