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Mit Biodiesel und 300 PS auf Verbrecherjagd

«Die Frauen und Männer, die unsere Gemeinschaft schützen, haben Besseres verdient», sagt William Santana Li. Darum hat seine Firma Carbon Motors nun einen Streifenwagen entwickelt.

Für amerikanische Gangster könnte es bald eng werden. Nachdem sie den Cops auf der Strasse jahrelang überlegen waren und für Streifenwagen wie den Ford Crown Victoria, den Dodge Charger oder den Chevrolet Malibu allenfalls ein müdes Lächeln übrig hatten, könnte ihnen dieses künftig womöglich im Halse stecken bleiben. Das ist das erklärte Ziel von William Santana Li, der unter dem Eindruck der Terroranschläge von 9/11 mit der Entwicklung des ersten massgeschneiderten Polizeifahrzeugs begonnen hat und nun langsam zum Ziel kommt. In diesen Tagen hat seine Firma Carbon Motors den ersten Prototyp präsentiert und die Serienfertigung für 2012 angekündigt.

0 bis 100 in knapp 7 Sekunden

Für den Kampf gegen das Böse ist der Streifenwagen mit dem Code E?7 bestens gerüstet. Die massgeschneiderte Limousine hat nicht nur vorn, hinten und rundherum auf dem Dach integrierte Blaulichter, Stroboskop-Lampen und eine markerschütternde Sirene. Sondern der über 5 Meter lange und knapp 2 Meter breite Viersitzer mit den gegenläufig angeschlagenen Fondtüren ist auch besonders robust: Selbst wenn er von hinten mit 120 km/h gerammt wird, nimmt der Alurahmen keinen Schaden, versprechen die Entwickler. Verbeulte Karosseriebleche können wie beim Smart mit einem Handgriff ausgetauscht werden, und damit die Einsatzkräfte auch in verstopften Strassen freie Fahrt haben, sind in die Frontpartie zwei stabile Rammbügel integriert.

Neue Wege geht Carbon Motors auch beim Antrieb. Werden aktuelle Streifenwagen noch immer mit konventionellen V6-Motoren bestückt, die ebenso lahm wie versoffen sind, setzen die Newcomer auf einen drei Liter grossen Diesel. Der verbrennt nicht nur Biosprit und ermöglicht eine deutlich grössere Reichweite, sondern er soll auch die horrenden Treibstoffkosten der Dienststellen um bis zu 40 Prozent drücken. Trotzdem werden sich Kriminelle künftig sputen müssen, denn immerhin kommt der Motor auf über 300 PS und 570 Newtonmeter, mit denen er in knapp sieben Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und im besten Fall 250 km/h erreicht.

High-Tech im Cockpit

Innen gleicht der Streifenwagen einem militärischen Spezialfahrzeug: Das Cockpit erinnert an die Fliegerkanzel eines Kampfjets, die wichtigsten Informationen werden direkt in die Frontscheibe projiziert, und bei Nacht sieht der Cop von Morgen mit Hilfe einer Infrarot-Kamera. Ausserdem scannt die Elektronik im Stossfänger automatisch das Kennzeichen des Vordermanns, und über einen grossen Touchscreen in der Mittelkonsole haben die Beamten eine direkte Verbindung zum Polizeicomputer oder der Einsatzzentrale.

Weil die Entwickler fast 2000 Beamte um Ratschläge aus dem Polizeialltag gebeten haben, versprechen sie viele praktische Details, die den Cops künftig die Arbeit erleichtern sollen: So bekommt der Streifenwagen zum Beispiel speziell geformte Klimasessel, in denen man auch mit umgeschnalltem Pistolengurt und angelegter Panzerweste noch bequem sitzen kann. Ausserdem gibt es eine Rückfahrkamera, ein farbiges Head-up-Display, Sensoren zum Aufspüren von Sprengstoffen und Giftgasen sowie eine Fernbedienung, mit der man den Wagen schon aus der Distanz starten kann, damit man bei einer Verfolgungsjagd keine wertvollen Sekunden verliert.

Panzerglas, Kameras und Mikrofone

Ein besonderes Augenmerk galt auch Plätzen in dem mit Panzerglas abgetrennten und von Kameras und Mikrofonen überwachten Fond: Damit sich die Beamten zum Anschnallen der Verdächtigen nicht mehr riskant in den Wagen beugen müssen, rasten die Gurten nun automatisch ein, wenn die Türen ins Schloss fallen. Und weil es viele Kriminelle mit der Hygiene nicht ganz so genau nehmen, kann man den gesamten Fond ganz einfach mit einem Gartenschlauch oder einem Dampfstrahler reinigen, stellen die Entwickler in Aussicht.

Fragt man Firmengründer Santana Li, warum er seit sechs Jahren an nichts anderes denkt als an den perfekten Streifenwagen, ist er um eine Antwort nicht verlegen: «Jede Berufsgruppe hat ihre Spezialfahrzeuge», klagt Li mit Blick auf Soldaten, Feuerwehrmänner und ja, sogar auf die US-Pöstler. Nur die Polizei fahre ihre Streifen in halbherzig umgerüsteten Familienkutschen: «Die Frauen und Männer, die unsere Gemeinschaft schützen, haben Besseres verdient», sagt der Carbon-Chef.

Und so pathetisch das klingen mag, wittert er natürlich auch ein ordentliches Geschäft. Schliesslich werden allein in den USA jedes Jahr über 75'000 Streifenwagen verkauft. Das wär kein schlechter Deal.

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