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Premium für die Massen

Designchef J Mays erklärte dem «Tages-Anzeiger» an der IAA die neue Formensprache künftiger Modellgenerationen von Ford.

Designchef J Mays vor seinem neusten Werk: «Der Evos soll zeigen, in welche Richtung sich Ford bewegt.»
Designchef J Mays vor seinem neusten Werk: «Der Evos soll zeigen, in welche Richtung sich Ford bewegt.»
Textlab

Auf dem Ford-Stand an der IAA in Frankfurt sorgt vor allem eine Weltpremiere für Aufsehen: die Fliessheck-Limousine Evos, deren markant sportliche Silhouette, technisch wirkenden Details und puristisch gestalteten Oberflächen für einen spektakulären Auftritt sorgen.

Trumpft Ford jetzt mit der Neuauflage des Klassikers Capri auf ? J Mays, Group Vice President Design und Chief Creative Officer, verneint: «Dieses Auto wurde nicht als Serienmodell entwickelt, sondern um der Welt zu zeigen, in welche Richtung sich Ford bewegt.» Spätestens als der 57-jährige amerikanische Designchef die vier Flügeltüren gegenläufig aufschwingen lässt, wird klar: Der Evos ist ein Showcar.

Weltweite Designphilosophie

«Es ist leider fast unmöglich, die Dramatik eines so flachen, breiten Autos auf ein Serienmodell zu übertragen», erklärt der renommierte Autodesigner, «aber viele Gestaltungselemente des Evos werden in Zukunft die Produkte von Ford prägen.» Die Studie stellt somit die Weichen für eine neue, im Rahmen der globalen Produktstrategie «ONE Ford» erstmals weltweit ausgerichtete Design-Philosophie. «Alle Ford-Modelle sind Teil derselben Familie. Die einzelnen Mitglieder haben unterschiedliche Persönlichkeiten, aber ihr gemeinsames Erbgut macht sie sofort als Verwandte erkennbar.»

Die neue Design-DNA ist das Ergebnis einer grenzüberschreitenden Kooperation von acht Designteams und gilt einer globalen Zielgruppe: «Ich behaupte, dass jemand in Laos heute denselben Geschmack hat wie jemand in Los Angeles, weil sich alle über Internet informieren.»

Anstatt die bestehende Formensprache des «Ford Kinetic Design» linear weiterzuführen, suchte Mays – nicht nur freiwillig – einen anderen Weg: «Gewisse koreanische Hersteller haben unser Design ziemlich eindeutig übernommen. Also entschieden wir uns für etwas, das sich nicht so leicht kopieren lässt: sehr hochwertig anmutende Autos.» Einer der sechs Pfeiler der neuen Philosophie ist die Premium-Optik bezahlbarer Volumenmodelle. Dabei setzt Mays vor allem auf Einfachheit: «Ein schlichtes Design ist schwieriger zu kreieren als ein lautes. Als wir uns für die visuelle Premium-Qualität aussprachen, erklärte ich meinem Team, dass Premium selbstbewusst genug ist, um leise zu sprechen.»

Diesen Ansatz widerspiegelt auch das reduziert gestaltete Interieur des Evos mit den schlanken Sitzen, wobei jener am Steuer knallrot ist – als «Hotseat», der für Fahrspass steht. Weitere Merkmale sind das neue Markengesicht mit dem höher platzierten, in umgekehrter Trapezform gestalteten Kühlergrill und die technische Grafik der schmalen Scheinwerfer. «Solche Elemente wird man im nächsten Serienauto wiedererkennen, und zwar schon in vier Monaten», verrät J Mays und amüsiert sich selbst darüber, dass er nicht aussprechen darf, was allen klar ist: Auf der Detroit Auto Show wird im Januar 2012 ein Ford mit der neuen Formensprache präsentiert – allen Vorzeichen nach die nächste Generation des Mondeo.

«Lasst uns schöne Autos machen»

Auch wenn die Materialien und Farbkombinationen des Interieurs an Sportmode erinnern, betont Mays: «Ford-Modelle werden von Autoliebhabern kreiert, nicht von Modedesignern.» Im Zentrum stehen «Fun-to-drive cars», wie er es ausdrückt. «Es mag verrückt klingen», schliesst der Designchef ab, «aber als wir das neue Design besprachen, sagte ich: ‹Ich sehe seltsame, provozierende, übermässig architektonische, technische oder modische Autos. Doch ich sehe niemanden mehr, der schöne Autos macht. Lasst uns schöne Autos machen!›»

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