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VW tanzt den Samba

In Brasilien ist die europäische Absatzkrise der Autohersteller weit weg. Allen voran der Volkswagenkonzern sieht hier grosses Potenzial.

VW liess den neuen Golf von Fussball-Superstar Neymar auf die Bühne fahren...
VW liess den neuen Golf von Fussball-Superstar Neymar auf die Bühne fahren...
Thomas Borowski
...während die Hostessen mit Markenschmuck glänzten: VW...
...während die Hostessen mit Markenschmuck glänzten: VW...
Thomas Borowski
...und Peugeot.
...und Peugeot.
Thomas Borowski
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«Brasilien ist die Zukunft», sagte VW-Konzernboss Martin Winterkorn Anfang dieser Woche an der Auto Show in São Paulo und präsentierte persönlich die neuste VW-Studie Taigun (TA vom vergangenen Dienstag) auf Basis des Kleinwagens Up. Und als ob das nicht genügte, setzte Winterkorn noch einen drauf, als er die Weltpremiere des in Brasilien meistverkauften Autos, des neuen VW Gol, mithilfe des Fussballjungstars Neymar vorstellen liess. Der 20-Jährige fuhr den Kleinwagen werbewirksam auf die Bühne am VW-Stand und löste damit ein mittleres Chaos aus. Die fussballverrückten Brasilianer kannten kein Halten mehr, und nur mit Einsatz zahlreicher Bodyguards konnten der stämmige Winterkorn und der neben ihm geradezu schmächtig wirkende Fussballjüngling von der riesigen Traube Medienschaffender getrennt werden und gesittet die restliche Präsentation der VW-Neuheiten verfolgen. Dass der VW-Boss während des ganzen Tumultes ein zufriedenes Lächeln zur Schau trug, war nicht nur dem gelungenen Werbecoup mit Neymar zu verdanken.

«Grosses Zukunftspotenzial»

Denn so gelöst wie auf der Motorshow in São Paulo hat man die Autobosse in den vergangenen Monaten selten gesehen. Während die Absatzzahlen in Europa fallen wie das Herbstlaub von den Bäumen und selbst der Wachstumsmotor China etwas langsamer dreht, kennt der Markt in Brasilien derzeit nur eine Richtung: Aufwärts, aufwärts und immer weiter aufwärts zeigen die Kurven der Analysten. Deutschland, den grössten Absatzmarkt Europas, haben die Brasilianer mit ihren knapp vier Millionen Neuzulassungen schon überholt. Und noch vor Ende des Jahrzehnts werden sie laut Analysten jährlich fünf Millionen Autos verkaufen.

«Brasilien ist ein Markt mit grossem Zukunftspotenzial», schwärmt BMW-Vertriebschef Ian Robertson, und VW-Boss Winterkorn pflichtet ihm bei: «Das Land war während der letzten Krise ein Anker für die Weltwirtschaft und wird jetzt zum Wachstumsmotor.» Für Winterkorn ist Brasilien deshalb ein Eckstein auf dem Weg zum erklärten Ziel, bis 2018 an die Weltspitze der Autobauer zu rücken.

Fabrikenboom in Brasilien

Damit die Hersteller von diesem Wachstum profitieren können und nicht von der protektionistischen Steuerpolitik der brasilianischen Regierung ausgebremst werden, brauchen sie eigene Werke. Mehr als ein Dutzend Autofabriken gibt es schon zwischen Rio und São Paulo, und alle paar Monate macht eine neue auf. Hyundai hat gerade eröffnet, Nissan den Grundstein gelegt und BMW im Umfeld der Messe bestätigt, dass jetzt die Planungen in die Endphase gehen: Für 200 Millionen Euro wollen die Bayern eine Fabrik aus dem Boden stampfen, in der schon ab 2014 rund 30 000 Autos im Jahr gebaut werden. Darüber kann VW nur lachen: Der Konzern hat bei São Paulo schon vor 59 Jahren seine erste Auslandsproduktion überhaupt eröffnet, hat heute vier Fabriken im Land und baut derzeit über 800 000 Autos im Jahr. Und als wäre das noch nicht genug, will er bis 2016 weitere 3,4 Milliarden Euro investieren. Solche Summen fliessen in Europa schon lange nicht mehr.

Neue Fabriken sind das eine, neue Autos das andere. An der Auto Show präsentierte nicht nur VW solche Neuheiten. So zeigte Nissan die Studie Extrem, eine Mischung zwischen Sport- und Geländewagen, und versprach den Brasilianern, dass sie ihnen keine langweiligen Billigautos verkaufen wolle. Renault zeigte mit dem Dacia Duster D-Crosser, wie man selbst den billigsten europäischen Geländewagen mit ein bisschen Plastik zu einem Lifestyleauto aufpeppen kann. Und VW deutete mit der Studie Taigun an, wie weit man die Idee des Kleinwagens Up noch spinnen kann. Der 4-Türer hat beste Chancen bald auf den Markt zu kommen.

Fiat noch immer die Nummer 1

Solche SUV-Studien sind der Blickfang auf der Messe. Aber besonders gefragt sind in Brasilien kleine und billige Autos, die jedoch gross genug sind für eine Familie. Nicht umsonst ist der am ehesten noch mit unserem Polo verwandte VW Gol seit bald 30 Jahren unangefochtener Marktführer im Lande des Zuckerhutes. Nur eine europäische Marke ist verdächtig still auf der Motorshow: Fiat. Ausgerechnet die Italiener haben keine Neuheit mit zur Messe gebracht. Dabei sind sie mit aktuell 21 Prozent Marktanteil traditionell die grösste Nummer in Brasilien und sollten diese Position etwas besser verteidigen. Denn der Abstand schrumpft, und der Vorsprung vor VW beträgt gerade einmal noch einen Prozentpunkt.

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