Autobauer droht, Opel Astra nicht mehr in England herzustellen

Der Chef der französischen Opel-Mutter kündigt harte Konsequenzen an, sollte es zu einem harten Brexit kommen.

Wird die Astra-Produktionsstätte in Ellesmere Port wegen des Brexits bald schon aufgegeben?

Wird die Astra-Produktionsstätte in Ellesmere Port wegen des Brexits bald schon aufgegeben?

(Bild: Keystone)

Philipp Felber-Eisele@PhilippFelber

Die Ankündigung ist deutlich und kommt zu einem brisanten Zeitpunkt: Der Chef des französischen Autobauers PSA droht damit, wegen des Brexits den Astra künftig nicht mehr in England herzustellen. Es wäre ein weiterer Schlag für die britische Autoindustrie.

Jaguar, Bentley, Rolls-Royce, Aston Martin: Diese Automarken haben einst die Erfolgsgeschichte der britischen Autoindustrie begründet. Sie zeugen von Eleganz und Luxus, Autos im typischen «British Racing Green» prägten die Autorennszene. Etwas weniger Charme verbreitet die Marke Vauxhall. Sie ist denn auch mehr etwas für das kleinere Portemonnaie, ist aber nicht weniger präsent auf den Strassen Grossbritanniens.

Vauxhall produziert seit über 100 Jahren Autos. Seit längerem schon im Verbund mit Opel. In den 1970er-Jahren hörte Vauxhall auf, selber Autos zu entwickeln und produzierte und verkaufte die gleichen Modelle wie Opel. Sie sind bis auf Logo, kleine Details und die Tatsache, dass sie rechts gelenkt werden, baugleich. 2017 übernahm der französische Autobauer PSA die Marke.

Im englischen Ellesmere Port, in der Nähe von Liverpool, baut Vauxhall den Astra. Doch das könnte wegen des Brexits schon bald vorbei sein. «Ich würde es vorziehen, den Astra in Ellesmere Port zu produzieren, aber wenn die Bedingungen künftig schlecht sind und wir nicht profitabel produzieren können, muss ich den Rest der Firma schützen», sagte Carlos Tavares Chef von PSA der «Financial Times». Und weiter: «Wir haben Alternativen zur Fabrik in Ellesmere Port.» Unter PSA wurden dort schon fast 900 Arbeiter entlassen. Über 1000 weitere Jobs stehen nun zur Disposition.

Der lange Brexit-Schatten

Es ist eine direkte Drohung an die Adresse von Boris Johnson. Er muss in den nächsten Wochen aushandeln, wie es nach dem 31. Oktober mit der englischen Wirtschaft weitergeht. Dann findet der Brexit statt. Mit der Wahl von Johnson deutet weiterhin alles darauf hin, dass es zu keinem Deal mit der EU kommt.

Ein Rückzug von PSA aus Ellesmere Port wäre der nächste schwere Schlag für die Autoindustrie in England. Laut der «Financial Times» haben Investitionen in neue Projekte der Autoindustrie seit 2016 um 80 Prozent abgenommen. Erst vergangene Woche hat BMW entschieden, Teile der Motorenproduktion aus England abzuziehen.

Auch der britische Verband der Autohersteller und Händler, SMMT, warnt. «Die erste Aufgabe des Premierministers muss es sein, einen Deal zu erzielen, der einen reibungslosen Handel gewährleistet, denn für unsere Branche ist kein Deal keine Option», sagte der Chef des Verbands vergangene Woche zur «Financial Times».

In letzter Zeit haben sich Hiobsbotschaften für die Autoindustrie gemehrt. So schliesst etwa Ford ein Motorenwerk in Bridgend, 1700 Jobs fallen weg. Nissan kündigte an, den X-Trail anders als angedacht nicht in Grossbritannien zu produzieren. Honda schliesst ebenfalls eine Fabrik.

Für die Autoindustrie steht einiges auf dem Spiel. Ein No Deal mit der EU würde die Autos als Exportware teurer machen, weil plötzlich Zölle fällig würden. Grossbritannien exportiert jährlich über eine Million Fahrzeuge, rund die Hälfte in die EU. Hunderttausende Jobs in Grossbritannien hängen direkt mit der Autoindustrie zusammen.

Schwierige Zeiten sieht auch Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer auf Grossbritannien zukommen. Man müsse davon ausgehen, dass die japanischen Hersteller ihre britischen Werke Stück für Stück verkleinern und auflösen. «Sollten die Zölle kommen, macht es kaum mehr Sinn für sie, ihre Werke aufrecht zu erhalten», so Dudenhöffer. Ähnliches gelte für Opel, Ford und andere. «Ost-Europa wird der grosse Gewinner.»

Dudenhöffer prophezeit einen grundlegenden Bedeutungsverlust für Grossbritanniens Autoindustrie. Künftig würden dort verstärkt sogenannte CKD für den heimischen Markt produziert, also «Autos in Einzelteilen», die vor Ort zusammengeschraubt werden. «England wird damit für die Autobauer ähnliche Bedeutung erhalten wie andere CKD-Länder, etwa wie Thailand», sagt Dudenhöffer. Sein Fazit: «Die britische Autoindustrie geht in die Isolation.»

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