Zum Hauptinhalt springen

Unkrautvernichter GlyphosatBayer zahlt bis zu 11 Milliarden Dollar in Glyphosat-Vergleich

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat sich in den USA mit mehreren Anwaltskanzleien auf einen Vergleich im Streit um den Unkrautvernichter Glyphosat geeinigt.

Die Verpackung eines Unkrautvernichtungsmittels, das den Wirkstoff Glyphosat enthält.
Die Verpackung eines Unkrautvernichtungsmittels, das den Wirkstoff Glyphosat enthält.
KEYSTONE

Bayer gelingt der Befreiungsschlag: Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern hat sich im Streit um den angeblich krebserregenden Unkrautvernichter Glyphosat in den USA mit einem Grossteil der Kläger auf einen Vergleich geeinigt. Dafür muss Bayer aber tief in die Tasche greifen – für den Vergleich und für mögliche künftige Fälle werden bis zu 10,9 Milliarden Dollar fällig, wie das Unternehmen am Mittwochabend mitteilte. Damit seien etwa drei Viertel der insgesamt 125’000 eingereichten und drohenden Klagen vom Tisch. Auch mehrere andere Klagen, die Bayer sich mit der rund 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto eingehandelt hatte, etwa zum Unkrautvernichter Dicamba und zu PCB, seien mit Vergleichen beigelegt worden, teilte der Konzern mit.

Die Bayer-Aktie drehte im Späthandel ins Plus, nachdem sie vorher bis zu 3,6 Prozent nachgegeben hatte.

Bayer hatte stets betont, die Vorwürfe gegen Glyphosat seien unbegründet. Nun teilte der Konzern mit, er habe sich trotzdem für den Vergleich entschieden, weil ein jahrelanger Prozessmarathon in den USA mit ungewissem Ausgang wahrscheinlich weit teurer geworden wäre. Die laufenden Verfahren kosten Bayer zwischen 8,8 und 9,6 Milliarden Dollar, für noch nicht eingereichte Fälle sind 1,25 Milliarden Dollar reserviert. Die ersten Zahlungen seien noch in diesem Jahr zu erwarten. Bayer hat 2020 und 2021 jeweils maximal fünf Milliarden Dollar dafür eingeplant. Das Geld soll unter anderem aus dem Mittelbestand, künftigen Überschüssen und dem Verkauf des Tiergesundheits-Geschäfts kommen.

Die Monsanto-Übernahme belastet den Konzern seit zwei Jahren schwer, der Aktienkurs des einst wertvollsten Unternehmens im Dax brach ein. Der US-Staranwalt Ken Feinberg war im Mai 2019 von einem Richter als Vermittler bestellt worden und versuchte seither, eine aussergerichtliche Einigung zu erreichen. Bayer-Chef Werner Baumann hatte in der Vergangenheit betont, der Konzern werde eine Lösung nur dann in Betracht ziehen, wenn sie so strukturiert sei, dass auch künftige Fälle damit abgedeckt seien. Bislang hat der Konzern drei Glyphosat-Prozesse in erster Instanz verloren – mit millionenschweren Schadenersatzzahlungen.

Glyphosat bleibt auf dem Markt

Die Vergleichsverhandlungen waren schwierig, weil Bayer Glyphosat auf dem Markt behalten, aber weitere Klagen in der Zukunft vermeiden wollte. Das wurde nun geschafft. An der Verfügbarkeit des Unkrautvernichters werde sich nichts ändern, hiess es in der Mitteilung. Glyphosat zählt weltweit zu den meist verwendeten Herbiziden. Bayer hatte stets darauf verweisen, dass Zulassungsbehörden das Herbizid bei sachgemässer Anwendung als sicher einstuften. Auch die US-Umweltbehörde EPA gab Bayer dabei Rückendeckung. Sie hatte Warnhinweise auf mögliche Krebsgefahren verboten. Die Kläger beriefen sich auf die Krebsforschungsagentur IARC, die den Wirkstoff 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft hatte.

Um Produkthaftungsklagen zu Dicamba beizulegen, zahlt Bayer bis zu 400 Millionen Dollar. Die Kläger müssen aber beweisen, dass ihre Ernte durch das Mittel geschädigt wurde. Auch der mitverklagte Rivale BASF soll sich an dem Vergleich beteiligen. 820 Millionen Dollar kosten Bayer zwei Einigungen im Streit um die Auswirkungen von PCB auf Gewässer.

Reuters