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Ferienprofis persönlich (1)«Bergsteigen zeigt: Man kann alle Hindernisse überwinden»

Die Zermatter Hotelchefin Anna Metry möchte sämtliche 48 Viertausender der Schweiz besteigen. Zwei Drittel hat sie bereits geschafft, doch diesen Sommer warten andere Herausforderungen.

Anna Metry auf dem Weg zur Gipfel der Dent Blanche (4357 m ü. M.) im Wallis.
Anna Metry auf dem Weg zur Gipfel der Dent Blanche (4357 m ü. M.) im Wallis.
Foto: ZVG

Sie hat es im Chalet Hotel Schönegg tagtäglich vor Augen: das Wahrzeichen Zermatts. Und doch sagt Anna Metry: «Die Matterhorn-Besteigung ist zwar eine der schönsten Touren, mir aber hat sie nicht gefallen.» An jenem Tag seien ziemlich viele Leute am Berg unterwegs gewesen. «Du spürst sozusagen die Steigeisen von vorne und hinten», erklärt die 35-jährige Zermatterin. «Ich will die Tour jedoch wiederholen, damit sie mir in schöner Erinnerung bleibt.»

Vorerst betrachtet Anna den markanten Gipfel vom Chalet Hotel Schönegg aus, das sie mit ihrem Bruder Sebastian seit 2012 in dritter Generation leitet. Das Vierstern-Superior-Haus mit 43 Zimmern und 5 Suiten thront auf dem Schönegg-Plateau über Zermatt, wenige Gehminuten von der Bergbahnstation Sunnegga entfernt. Das Hotel hat den wohl schönsten Blick auf «Horu». Besonders von der Infinity-Terrasse zwischen den beiden Chalets.

Auf der Terrasse des Chalet Hotel Schönegg hat Anna Metry das Matterhorn stets vor Augen.
Auf der Terrasse des Chalet Hotel Schönegg hat Anna Metry das Matterhorn stets vor Augen.
Foto: ZVG
Ein Doppelzimmer im Zermatter Chalet Hotel Schönegg.
Ein Doppelzimmer im Zermatter Chalet Hotel Schönegg.
ZVG
Das Restaurant Uncorked im Chalet Hotel Schönegg in Zermatt.
Das Restaurant Uncorked im Chalet Hotel Schönegg in Zermatt.
ZVG
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Erst spät Lunte gerochen

Wer mitten in dieser Bergwelt lebt, kann sich ihr kaum entziehen, denkt man. Lange zeigte die Schönegg-Gastgeberin aber kein grosses Interesse am Bergsteigen. Dann kitzelte die Gotte Annas Ehrgeiz wach und ermunterte sie, den Zermatter Hausberg zu besteigen. Nach dem sie Lunte gerochen hatte und weil sie ohnehin mehr Sport treiben wollte , setzte sich die junge Unternehmerin gleich das ambitiöse Ziel, alle 48 Viertausender-Gipfel der Schweiz zu erklimmen.

Fünf Jahre sind vergangen; seither hat Anna Metry 33 dieser Gipfel bestiegen – wie etwa Grand Combin, Weissmies, Dent Blanche, Rimpfischhorn, Obergabelhorn, stets in Seilschaft mit Bergführer Thomas Zumtaugwald. «Er kennt meine Stärken und Schwächen und sieht sofort, wie meine Tagesform ist», erzählt Anna Metry. Das Täschhorn und den Dom schaffte sie sogar an einem Tag. Manche Gipfel hat sie mit den Ski bestiegen, etwa Strahlhorn, Finsteraarhorn und die Fiescher Hörner. «Die Abfahrten sind Zückerchen und Lohn für die Anstrengungen beim Aufstieg.»

Anna Metry auf dem Gipfel des Rimpfischhorns (4199 m.ü.M.).
Anna Metry auf dem Gipfel des Rimpfischhorns (4199 m.ü.M.).
Foto: ZVG

Die Gipfelstürmerin ist nicht schwindelfrei

Erstaunlich, dass das Bergsteigen Anna Metry so gepackt hat. Die Hotelchefin ist nämlich nicht völlig schwindelfrei.

Das Bergsteigen lehre sie, sich so intensiv zu fokussieren, dass die Angst dabei verschwinde. «Die Freude ist gross, wenn ich in die Hütte zurückkehre und feststelle, dass ich es geschafft habe.» Annas Devise: «Der Gipfel ist nur der halbe Weg.» Das Glücksgefühl zuoberst sei zwar riesig, aber der Abstieg nie zu unterschätzen.

«Das Bergsteigen zeigt mir, dass man alle Hindernisse überwinden kann», betont die Walliserin mit den langen braunen Haaren. Das könne sie auch in ihrem beruflichen Alltag nutzen. Denn viele Herausforderungen warten auf die Gastgeberin und Verantwortliche für Marketing und Reception. Besonders in der aktuellen Zeit. Fast die Hälfte der Hotelgäste stammten bisher aus dem asiatischen, amerikanischen und angelsächsischen Raum. «Diese werden im Jahr von Corona mehrheitlich ausbleiben, also müssen wir uns etwas einfallen lassen», räumt Anna Metry ein. Aber sie ist zuversichtlich, dafür mehr Schweizer Gäste in ihrem mit viel Herzblut geführten Hotel zu begrüssen.

Seit zwei Jahren gehört das Schönegg wieder zur Vereinigung Relais & Châteaux. «Es ist die einzige Hotelkooperation, die auch die Gastronomie würdigt. Das ist uns sehr wichtig», betont die junge Hotelière. Schliesslich verfügt das Haus über zwei Restaurants – das Saveurs mit hochstehenden Fünf-Gang-Menus und das Unkorked mit einer einfacheren Küche in gemütlicher Atmosphäre und einer grossen Auswahl an Walliser Weinen, darunter dem eigenen Hauswein sowie Tropfen von jungen, talentierten Winzern.

Anna Metry beim Abstieg vom Täschhorn (4491 m.ü.M.) in den Walliser Alpen.
Anna Metry beim Abstieg vom Täschhorn (4491 m.ü.M.) in den Walliser Alpen.
Foto: ZVG
Für den Aufstieg zum Dom (4545 m ü. M.) benötigte Anna Metry lediglich einen Tag.
Für den Aufstieg zum Dom (4545 m ü. M.) benötigte Anna Metry lediglich einen Tag.
Foto: ZVG
Anna Metry auf dem Weg zum Weissmies (4017 m ü. M. ).
Anna Metry auf dem Weg zum Weissmies (4017 m ü. M. ).
Foto: ZVG
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Mit der diesjährigen Sommersaison verhalte es sich ein bisschen wie mit einer Bergtour: «Man hat ein Ziel vor Augen, weiss aber noch nicht, wo die Schlüsselstellen stecken und wie man sie bewältigt.» Also wird Anna in nächster Zeit nicht mehr so oft auf die Berge steigen. Auch aus einem anderen Grund: Im August wird die Zermatterin erstmals Mutter. Fit bleiben und ihr Ziel umsetzen möchte sie aber unbedingt. «Ich brauche die Herausforderung, auf Viertausender zu klettern. Aber ich habe Zeit dafür.»

Weitere Informationen: www.schonegg.ch

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie in Zusammenarbeit mit PrimCom. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei Tamedia.

4 Kommentare
    Stefan Simon

    Schöne Geschichte! Ich habe zusammen mit meiner Frau alle meine 4000er Berge mit dem Zermatter Bergführer Thomas (Turbo) Zumtaugwald bestritten. Eine grosse Freude ist es, dass die Verbindung über die Seilschaft zu einer persönlichen Freundschaft herangewachsen ist.

    Ich wünsche allen Zermattern viel Zuversicht und Gelassenheit im Zusammenhang mit den Auswirkungen von Corona und freue mich schon bald wieder das Horu und Elia zu sehen.