Zum Hauptinhalt springen

1,15 Millionen SteuerschuldenBerner Behörden beschlagnahmen Wohnung von Finanzjongleur

Ein ehemals in Schönried wohnhafter Däne schuldet dem Kanton Bern über 1,15 Millionen Franken Steuern. Nun haben die Behörden seine Wohnung kassiert.

Am Fusse des Schönrieder Hausbergs Rellerli tummelt sich manch ein Millionär. Einem gefallenen dänischen Finanzjongleur droht nun der definitive Ausschluss aus diesem exklusiven Club.
Am Fusse des Schönrieder Hausbergs Rellerli tummelt sich manch ein Millionär. Einem gefallenen dänischen Finanzjongleur droht nun der definitive Ausschluss aus diesem exklusiven Club.
Foto: Keystone

Für eine private Steuerschuld ist der Betrag schwindelerregend. 1150101.40 Franken steht ein ehemals in Schönried wohnhafter Däne bei den Berner Steuerbehörden in der Kreide. Das Regionalgericht Oberland publizierte einen auf diesen Betrag ausgestellten Arrestbefehl im neuesten «Amtsblatt des Kantons Bern».

Zur Absicherung der Geldforderung haben die Berner Behörden nun die Eigentumswohnung des Dänen in Schönried beschlagnahmt. Er kann die Wohnung somit nicht mehr vermieten oder veräussern. Ob dies reicht, um seine Schulden zu begleichen, ist aber mehr als fraglich. Die Wohnung hat samt Parkplatz lediglich einen amtlichen Wert von rund 300000 Franken. Auch bei den hohen Immobilienpreisen im Saanenland dürfte die Wohnung die Millionengrenze wohl kaum knacken.

An vielen Konkursen beteiligt

Seinen Wohn- und Steuersitz hat der Däne mittlerweile zurück in sein Heimatland verlegt. Er ist in einem Vorort westlich von Kopenhagen gemeldet. Mit seiner Firma ist er aber immer noch im Schweizerischen Handelsregister eingetragen. Die in Schönried domizilierte GmbH bezweckt «das Tätigen von Geldanlagen in sämtliche bestehende und zukünftige Finanzinstrumente und Treuhandgeschäfte».

Laut einer dänischen Wirtschaftsauskunftei befasst sich der Ex-Wahl-Schönrieder schwerpunktmässig mit der Finanzierung von Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien – ein bekanntermassen windiges Geschäft. In Dänemark war der Mann an 13 Unternehmen beteiligt, die weniger als 12 Monate nach seinem Rücktritt bankrott gegangen sind. Eines davon ist die IT-Firma Eurotrust, wo er als Finanzchef die rechte Hand von Aldo Petersen war, seines Zeichen selbst Finanzjongleur und bekannter Grossinvestor des dänischen Fussballvereins Brøndby IF.

SP will Pauschalsteuern abschaffen

Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei dem Dänen um einen der 162 Pauschalbesteuerten in der Gemeinde Saanen handelte. Die Berner Finanzdirektion wollte dies weder bestätigen noch dementieren. «Diese Information unterliegt dem Steuergeheimnis», sagt Mediensprecherin Tanja Bertholet.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Berner Behörden jemandem dieses Steuerprivilegium gewähren, der später seinen Forderungen nicht nachkommt. Letztes Jahr machte der Fall des in Gstaad – auch Gemeinde Saanen – wohnhaften spanisch-libanesischen Waffenhändlers Abdul Rahman El Assir Schlagzeilen, der bei den Steuerbehörden gar 2,5 Millionen Franken Schulden hatte.

Damals beteuerte die Steuerverwaltung, dass es sich bei dem Fall El Assir um eine Ausnahme handelt. Inkassohandlungen bei Pauschalbesteuerten seien «praktisch nie» notwendig, so die Antwort der Finanzdirektion.

In der kommenden Wintersession startet die SP im Grossen Rat einen erneuten Versuch, die Pauschalbesteuerung im Kanton Bern abzuschaffen. Eine entsprechende Motion von Ursula Marti (SP, Bern) ist traktandiert. Bisher scheiterten die Anläufe stets an der bürgerlichen Mehrheit im Parlament.

Auch die Berner Bevölkerung lehnte die Abschaffung des umstrittenen Steuerkonstrukts zweimal in Folge ab. 2012 bei der kantonalen Volksinitiative «Für faire Steuern» noch wuchtig, mit 66,5 Prozent Nein-Stimmen. Das letzte Mal – 2014 bei der eidgenössischen Volksinitiative «Schluss mit den Steuerprivilegien für Millionäre» – deutlich knapper mit 56 Prozent Nein-Stimmen.