Barrage? Keine Bange!

Sportredaktor Dominic Wuillemin zur Wiedereinführung der Barrage in der Super League und deren Folgen für den FC Thun.

Dominic Wuillemin

Schon vor Beginn der Saisonvor­bereitung hat die Thuner eine schlechte Nachricht erreicht: Überraschend stimmten über zwei­ ­Drittel der zwanzig Clubs von Super- und Challenge League für die sofortige Wiedereinführung der Barrage und machten damit einen Entscheid vom letzten Herbst rückgängig.

Nur vier Clubs sprachen sich dagegen aus – Thun sowie Luzern, Lugano und Sion. Erstmals seit sechs Jahren wird Ende Saison der Zweitletzte der Super League gegen den zweiten der Challenge League um den Abstieg/Aufstieg spielen.

Das wird nicht für Ruhe sorgen. In einer Liga, welche die unbeständigste Saison seit ihrer Schaffung 2003 hinter sich hat. Präsidenten, Sportchefs und vor allem Trainer wechselten manchmal fast im Wochentakt. Nach Xamax’ Michel Decastel ist Thuns Marc Schneider zusammen mit Basels Raphael Wicky der dienstälteste Coach. Sie sind seit einem Jahr im Amt.

Der Grund für die Turbulenzen liegt auf der Hand: In einer Zehnerliga kann innert kurzer Zeit aus einem Europacupaspiranten ein Abstiegskandidat werden, diesen April mussten sechs Clubs die Relegation fürchten. Und zehn ­Minuten vor Saisonende wäre Thun auf dem Barrageplatz gelegen, dann fielen in Lugano und Zürich Tore, die Oberländer beendeten die Saison auf Rang 7.

Bei einem Sieg wären sie gar Fünfter ­geworden und würden nun die Europa-League-Qualifikation bestreiten. Auch diese Saison dürfte ausgeglichen ­werden, Xamax, mit viel Schwung aus der Challenge League kommend, ist ein ernst zu nehmender Aufsteiger.

Die Einführung der Barrage hat zur Folge, dass die Zukunft des FC Thun un­sicherer geworden ist – zumindest auf dem Papier. Doch er hat einen gewich­tigen Vorteil, der sich nicht in Budgetzahlen und Marktwerten bemessen lässt: Er hält zusammen, bewahrt die Ruhe, ist beständig.

So hat er letzte ­Saison die sehr heikle Phase nach der ­2:7-Niederlage in Sitten überstanden, so wird der Club künftig nicht leicht von seinem Weg abzubringen sein. Und ­dieser hat seit 2010 immer zum souveränen Klassenerhalt geführt. Schlechter als auf Rang 7 war Thun nie klassiert.

Es spricht viel dafür, dass es diese Saison nicht anders sein wird. Schneider hat ein lehrreiches erstes Jahr als Cheftrainer hinter sich, er hat Ende Mai den Lehrgang zur Uefa-Pro-Lizenz abgeschlossen, die Doppelbelastung fällt weg. Zudem hat es diesmal keinen Umbruch gegeben, die Mannschaft ist eingespielt. Bis jetzt haben die Thuner mit Sandro Lauper (zu YB) nur einen Stammspieler verloren. Toptorschütze Marvin Spielmann (13 Treffer) ist geblieben, Top­vorbereiter Matteo Tosetti (16 Assists) ebenso.

Derzeit deutet nichts darauf hin, dass die beiden diesen Sommer wechseln werden. Dazu hat es im Kader etliche junge Spieler, die sich steigern werden, mit Abwehrchef Roy Gelmi und Spielmacher Gregory Karlen seien nur zwei genannt. Einzig im Sturm gibt es Fragezeichen: Bis jetzt hat sich keine Alter­native zu Dejan Sorgic hervorgetan.

Und so passt die Kadersituation bestens ins Gesamtbild. Der FC Thun hat ein Jahr des Aufschwungs hinter sich. Er ist finanziell dank erhöhten Fernsehgeldern, grösserer Solidaritätszahlung der Uefa, lukrativen Spielerverkäufen und optimiertem Wirtschaften finanziell so gut aufgestellt wie lange nicht.

Zudem interessierte sich die Region zuletzt wieder vermehrt für den Club. Erstmals seit der Saison 2013/2014 ­verzeichnete er eine Aufwärtstendenz bei den Zuschauern. So darf sich der FC Thun optimistisch geben. Die Wiederein­führung der Barrage muss ­­keine schlechte Nachricht sein.

Berner Zeitung

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