Wengen

«Wir sind kein Massenevent»

WengenTausende Ski- und Partyfans werden auch an diesem Wochenende wieder nach Wengen pilgern. OK-Präsident Urs Näpflin hofft in erster Linie auf eine reibungslose Durchführung der Rennen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Rennbüro läuft etwas. OK-Mitglieder, Zivilschutzmitarbeiter, Sekretärinnen eilen in den Korridoren umher. Die Stimmung ist gelöst. Auch Urs Näpflin lacht an diesem Mittwochmorgen. Doch der OK-Präsident steht unter Druck. Die Wetterprognosen sind nicht so, wie sich die ­Organisatoren der Lauberhornrennen dies wünschen.

«Die Sache mit dem Wetter kennen wir langsam», sagt Näpflin. Man dürfe sich nicht nervös machen lassen. Dennoch tauscht er sich stündlich mit den Meteorologen aus. Am Donnerstag fallen zwei wichtige Entscheide: Am Vormittag wird festgelegt, ob die Abfahrt am Samstag und der Slalom am Sonntag durchgeführt wird oder umgekehrt. Und am Nachmittag wird entschieden, ob an der morgigen Super-Kombination der Slalomlauf vor der Abfahrt stattfindet.

«Die Sache mit dem Wetter kennen wir langsam.»Urs Näpflin

Für den 57-jährigen Näpflin dauern die Vorbereitungsarbeiten für das Lauberhornrennen das ganze Jahr über. Entsprechend befindet er sich jetzt in der Phase des Feinschliffs, bereitet sich etwa auf diverse Speeches vor oder kümmert sich um ein paar kleinere Probleme und aktuelle Gemütserhitzer, beispielsweise den neuen Minisprung im Haneggschuss, den die Athleten einhellig ins Pfefferland wünschen, hinter dem Näpflin jedoch im Namen der Sicherheit für die Rennfahrer zu hundert Prozent stehen kann.

Operativ sei das Wochenende vollständig vorbereitet. «Es könnte mich heute unter den Zug ziehen, der Anlass würde ohne Änderungen stattfinden», witzelt er.

Und doch ist heuer alles anders als zuvor. Es ist das erste Lauberhornrennen seit dem Tod von Viktor Gertsch, dem Vorgänger Näpflins, der das «Horerenne» vierzig Jahre lang als OK-Präsident geprägt hatte. Näpflin kann es noch immer nicht ganz fassen, dass sein Lauberhorn-Ziehvater nicht mehr lebt. «Auch wenn wir seit zwei Jahren von ‹Vik› unabhängig waren: Er war doch immer noch hier, betreute die Ehrengäste und begleitete den Bundesrat.»

«Kein Saufgelage»

Aus dem früheren Lauberhorn-Duo Viktor Gertsch und Fredy Fuchs ist ein Trio mit Urs Näpflin, seinem Vizepräsidenten Andreas Fuchs sowie Geschäftsführer Markus Lehmann geworden. Eine Entlastung für Näpflin, der zwar in Wengen aufgewachsen, aber als Geschäftsführer einer Berner Baufirma in Zimmerwald wohnt.

«Im Vordergrund muss immer das Sportliche stehen – dies ist mir als ehemaligem Rennleiter besonders wichtig.»Urs Näpflin

Der Anlass operiert inzwischen mit einem Budget von 7,2 Millionen Franken. Neben dem Sport­lichen ist in den letzten Jahren das Gesellschaftliche stark angewachsen: Viele Gäste verbinden das Weekend in Wengen vor allem mit Party. Für Näpflin ist klar, dass die Feierlaune am Lauberhorn dazugehört. «Natürlich braucht es ein Rahmenprogramm. Aber im Vordergrund muss immer das Sportliche stehen – dies ist mir als ehemaligem Rennleiter besonders wichtig.»

In Wengen sei die Stimmung friedlich, und es werde kein Saufgelage veranstaltet. Das Personal im Weltcupdorf sei entsprechend instruiert, diesen Vorsatz umzusetzen. Trotz der 38'000 Zuschauer, die im bisherigen Rekordjahr 2012 die Abfahrt live ­verfolgten, macht sich Näpflin stark für die Qualitätssicherung. «Die Lauberhornrennen sind kein Massenevent.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.01.2017, 20:12 Uhr

Armee und Zivilschutz im Einsatz

Ohne sie gäbe es keine Lauberhornrennen, stellt OK-Präsident Urs Näpflin klar. Gemeint sind die 180 Soldaten der Schweizer Armee und 120 Angehörigen des Zivilschutzes, welche dieses Jahr im Einsatz sind. Sie arbeiten auf der Piste, helfen beim Aufbau, beim Sicherheitsdienst sowie mit weiteren Spezialarbeiten. Gerade finanziell seien diese Dienste unersetzlich. «Doch auch Armee und Zivilschutz profitieren, weil unser Event für ihre Ausbildungen ideal ist: kein Üben, sondern ein Ernstfall», sagt Näpflin. Die langen Tage am Lauberhorn lernten die Soldaten und Zivilschützer, unter Druck starke Leistungen abzurufen. cb

Das Rahmenprogramm in Wengen

Die offizielle Eröffnung der 87. Internationalen Lauberhornrennen ist am Donnerstag um 17.45 Uhr im Weltcupdorf. Um 18. 15 Uhr findet die Startnummernvergabe für den ersten Lauf der Super-Kombination statt; anschliessend gibt es Unterhaltung im Festzelt mit der Gruppe Volxrox. Der Startschuss der Wettkämpfe am Lauberhorn fällt am Freitag um 10.30 Uhr mit dem ersten Kombinationslauf (Änderungen vorbehalten). Um 13.20 Uhr ist eine Flugshow der Patrouille Suisse mit dem neuen Passagierflugzeug Bombardier C Series der Suisse geplant. Eine zusätzliche Flugshow in dieser Besetzung ist für Samstag um 11.40 Uhr geplant.

Unterhaltung und Restauration gibt es im Weltcupdörfli sowie im Eigerhubelzelt am Freitag und am Samstag bis 2 Uhr. Abends sorgen die Partyhelden sowie Chuelee im Festzelt für Stimmung. Extrazüge, teilweise mit Anschlüssen nach Inter­laken-Ost und Grindelwald, fahren bis 2.30 Uhr.

Startnummernausgabe und Siegerehrung gibt es am Freitag und am Samstag ab 18.15 Uhr im Weltcupdorf. Diese werden, wie sämtliche Rennen von SRF 2 live übertragen. Die Sieger­ehrung des Rennens vom Sonntag findet direkt im Ziel statt. cb

Artikel zum Thema

Küng: «Körperlich geht es mir so gut, wie lange nicht mehr»

Der Schweizer Abfahrer Patrick Küng spricht vor dem Lauberhornrennen über Krankheit, den Sprung im Haneggschuss und Materialtests. Mehr...

Lauberhorn: Ein Sprung sorgt für Gesprächsstoff

Mit Beat Feuz (3.), Carlo Janka (4.) und Patrick Küng (6.) reihten sich die drei noch aktiven Lauberhornsieger im ersten Abfahrts-Training in Wengen in den Top 6 ein. Mehr...

Beat Feuz fehlt nur der «Flow»

Vor Jahresfrist kehrte Beat Feuz am Lauberhorn nach einem Achillessehnenriss in den Weltcup zurück. In diesem Winter ist es weniger gut gelaufen. Aus der Ruhe bringen lässt sich der 29-Jährige aus Schangnau darob nicht. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Aaaaaaachterbahn: Mitten im Schienen-Wirrwarr des spanischen Freizeitparks Port Aventura stürzt ein Wagen des Fahrgeschäfts Dragon Khan in die Tiefe. (Juli 2017)
(Bild: Albert Gea) Mehr...