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Geheimhaltungspflicht verlangtBlausee-Besitzer wehren sich gegen Maulkorb

Im Umweltskandal um den Steinbruch Blausee sollen die Betreiber des Naturparks vom Staatsanwalt zu Stillschweigen verpflichtet werden.

Schnee bedeckt den Steinbruch Blausee-Mitholz. Die Anwälte wollen den Mantel des Schweigens über den Umweltskandal legen.
Schnee bedeckt den Steinbruch Blausee-Mitholz. Die Anwälte wollen den Mantel des Schweigens über den Umweltskandal legen.
Foto: Beat Mathys

Die lückenlose Aufklärung des Umweltskandals Blausee solle vor der Öffentlichkeit geheim gehalten werden: Davor warnen die Besitzer der Blausee AG, in deren Forellenzucht im Kandertal mehrfach Tausende Fische gestorben sind.

Diese Zeitung hat zusammen mit der SRF-«Rundschau» den Umweltskandal publik gemacht. Teilweise giftiger Bahnschotter aus dem alten Lötschbergtunnel wurde in dem Steinbruch der Vigier-Gruppe oberhalb des Naturparks in einer Gewässerschutzzone entsorgt. Kürzlich zeigten neue Recherchen, dass auch Zürcher Abfall jahrelang illegal dort deponiert wurde.

Nun solle ihnen ein Maulkorb umgehängt werden, schreiben die Besitzer der Blausee AG um Stefan Linder in einer Mitteilung. Die Anwälte von Vigier hätten beantragt, dass das Verfahren zur Geheimsache erklärt werde. Der Blausee AG soll verboten werden, über «Tatsachen und Vorgänge des Strafverfahrens» mit Dritten, namentlich den Medien, zu sprechen. Verstösse sollen bestraft werden.

Vigier beklagt Indiskretionskampagne

Vigier-Geschäftsleitungsmitglied Didier Kreienbühl bestätigt, dass die Steinbruch-Betreiberin an die Berner Staatsanwaltschaft gelangt sei. Sie beantragt eine Verfügung, dass während des laufenden Verfahrens keine Akten unbeteiligten Dritten, insbesondere den Medien, zugespielt werden dürfen.

Vigier kritisiert, die Blausee AG habe in den letzten Monaten regelmässig vertrauliche Einvernahmen und Protokolle den Medien geschickt, «die ein einseitiges, verzerrtes Bild schufen und zu einer Vorverurteilung zu führen beabsichtigen». Dabei habe das Unternehmen «grösstes Interesse, dass alle Fakten auf den Tisch kommen», und es kooperiere mit den Behörden. Vigier setzt ferner auf eine interne Untersuchung, deren Ergebnisse veröffentlicht werden sollen.

«Eine Vernebelungstaktik»

Die Naturpark-Betreiber wollen sich nicht verunsichern lassen: «Der Versuch der Verursacher des Giftmüllskandals, mit ihren Anwälten die Blausee-Besitzer einzuschüchtern oder zum Schweigen zu bringen, läuft ins Leere», schreibt der Verwaltungsrat der Blausee AG. Die von Anwälten und Kommunikationsfirmen im Sold der Abfall-Netzwerke angestrebte Vernebelungstaktik sei ein Versuch, die Schäden im Kandertal zu vertuschen und der Bevölkerung zu verheimlichen.

In der Affäre laufen mehrere Strafverfahren. Der Grosse Rat hat die Geschäftsprüfungskommission (GPK) mit dem Fall beauftragt. Schliesslich wird auch den zuständigen Aufsichtsbehörden vorgeworfen, sie hätten versagt.

24 Kommentare
    Stephan Marti

    Geheimhaltung ist nie das Richtige. Hier kam wenigstens in Sachen Umweltverschmutzung schon mehr ans Tageslicht, als auf der andern Tunnelseite, wo es beim Unwetter im Jahr 2000 beinahe zur grösseren Katastrophe der Schweiz kam. Explosivstoff! Spezialwissen und gut beobachten und zuhören ist manchmal hoch interessant. Viel Glück der Blausee AG, die nicht nur den Kommentarschreiber Donald kennengelernt haben, der am liebsten sogar Kiesgruben ganzflächig mit Ölabscheidern absichern möchte (das wär ökologisch ein grosser Wurf), die amerikanische Ente schon lange kennen und dritten, einen amerikansichen, der den Blausee vermutlich besser kennt, als alle Kommentarschreiber. Und schön, dass sich hier auch die "pensionierte" Kirche zu Wort meldet. Viel Glück und dass es nicht Schlamm-Assel bleibt.