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Beim Frisör

Über Geschlechterunterschiede, die sich auch beim Haareschneiden bemerkbar machen.

Klatschheftli. Kafi crème. Eine Kopfmassage. Ganz viel Tratsch. Und alles während dreier Stunden für öppe 150 Franken. Das ist für mich kurz zusammengefasst der viel zu seltene Besuch bei meinem Coiffeur in einer Seitengasse in der Bieler Innenstadt. Kein günstiger Spass – aber Spass! Wobei wir auf die Kopfmassage nochmals zu sprechen kommen müssen.

Also neulich in dieser Seitengasse. Föhngedröhne und Frauengespräche. Über Männer. Es gibt ab und an so einen «magischen Moment», da findet das Geplauder über die Spiegeltische hinweg statt, alle Anwesenden sind irgendwie darin verwickelt wie die Lockenwickler in den Haaren. «Also wenn Männer Kinder gebären müssten, wäre die Menschheit schon längst ausgestorben», posaunt eine Mittfünfzigern mit frecher violetter Strähne durch den Raum.

Gegröle. Der Schmerz! Das Blut! Die Geduld, die vonnöten ist, bis das melonengrosse Geschöpf durch die zitronen­grosse Öffnung durch ist! Nichts für Weicheier!

Das geht eine Weile so. Dann kommt das Highlight eines jeden Coiffeurbesuchs: «Stimmt die Wassertemperatur? Gehts mit dem Nacken?» Die zwölf Minuten beim Spülbecken. Haare waschen. Könnte man das im Abo lösen, ich würds tun. Mit schwachem Nicken bejahe ich diese Standardfragen rasch und gebe mich wieder dem Kopfhaut­gekraule hin. Conditioner? Ja, gern! Haarwurzelvergolder? Yes, please! Ich würde solche Fragen begrüssen und alles bejahen, was diesen ent­spannenden Moment in die Länge zieht. Stattdessen: Ist noch irgendeine Badi offen? Waren Sie schon im neuen Café um die Ecke? Und ich? Ant­worte höflich.

Ernüchtert schiele ich rüber zum Nachbarbecken. Ein adretter Mann lässt sich gerade die ergrauten Schläfen massieren. Die Fragen sind die ähn­lichen. Aber er spricht nicht. Konsequent ignoriert er das Geplätscher. Minutenlang. Ein stiller Geniesser, denke ich. Vielleicht sind Männer manchmal Weicheier, ja. Sie sind dafür Meister darin, ihr Umfeld auszublenden.

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