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Hymnen singen

Mirjam Messerli sinniert über den 1. August, Feuerwerk und Nationalhymnen.

Wenn die Schweden um ihre Midsommar-Stangen tanzen und vor jedem Häuschen ihre blau-gelben Fahnen hissen, finde ich das sympathisch. Wenn Schotten an Highland-Games Baumstämme weit werfen, zu Dudelsacksound tanzen und sich die Kante geben, gefällt mir das.

Und als kürzlich jeder Engländer in einem Pub in London vor dem WM-Halbfinale «God Save the Queen» schmetterte, summte ich mit. Aber an unserem Nationalfeiertag? Bleibe ich innerlich neutral, und schon gar nicht bin ich stolz darauf, Schweizerin zu sein. Das habe ich schliesslich bloss dem Zufall zu verdanken.

Ich hatte also keine grossen Erwartungen an den 1.-August-Abend. Wir fuhren in die ­Wynigen-Berge, assen Röstimit Bratwurst und stiegen ­anschliessend zum Oberbühlchnubel hinauf. Es hatte bereits eingedunkelt, in den Bäumen hingen Lichterketten, es lief eine CD mit Polo Hofers grössten Hits. Am Hang, in der Kuhweide, sassen und lagen Menschen.

Manche hatten dort gepicknickt, andere etwas im Beizli geholt. Wir setzten uns dazu. Und schauten und schauten. Richtung Bern, wo das ­Signal des Bantigers blinkte und ab und zu eine Rakete in den Himmel stieg. Richtung ­Solothurn und Jura, wo der Nachthimmel nur von Wetterleuchten erhellt wurde. Die Leute um uns herum plauderten. Über ihre Ferien in allen Teilen der Welt, über die Hitze und diesen Supersommer. Ab und zu sagte jemand: «Ist das schön hier oben!»

Ich holte mir ein Glas Rotwein und sagte der Wirtin, wie schön ich es hier oben fände. Ganz ohne Programm, nur mit dieser umwerfenden Aussicht. Sie habe etwas Angst gehabt, entgegnete sie: Weil es doch dieses Jahr zu trocken für Feuerwerk sei und viele deswegen auf den Chnubel kämen.

Aber die Gäste seien trotzdem gekommen. Und sie würden miteinander reden. «Das konnte man ja sonst nicht bei all dem Lärm.» Sie überlege sich, sagte die Wirtin, ob man das nicht jedes Jahr so machen könnte. Ein Fackelumzug, ein schönes Höhenfeuer, aber kein Feuerwerk. «Ich glaube, das würde vielen gefallen», sagte sie.

Ich nahm meinen Wein mit nach draussen und setzte mich wieder in die Matte. Es roch nach warmem Gras. Die letzten Gewitterwolken hatten sich verzogen, und über uns wölbte sich der Sternenhimmel.

Ein Tier huschte den Waldrand entlang. Ich dachte: Was sind wir doch alle für Glückspilze, in einem so schönen und friedlichen Land leben zu können. Hätte jetzt einer die Nationalhymne angestimmt, hätte ich mindestens mitgesummt.

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