Neue Nähe

Nicht ganz wie früher, dachte ich. Aber auch schön.

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Sie spielten Dart zusammen. Ein himmeltraurig öder Mittwochnachmittag im Pub war es, irgendwo zwischen den saftigen Hängen des Emmentals. Ich sass da, versteckt hinter einem herrlichen Pint, und schaute heimlich zu.

Zuerst tranken sie eine Schorle und ein Coca-Cola. Jung und unschuldig, wie sie sind. Dann ein grosses und ein kleines Bier. Der blonde junge Mann hatte Schultern wie ein Billardtisch und fuhr sich immer wieder mit einer kleinen Hand durch eine grosse Tolle. Dabei schaute er in den Spiegel an der Wand.

Sein dunkelhaariger und -häutiger Kumpel war von zarterem Körperbau und trug einen Rossschwanz, der perfekt zu seiner Nase passte. Er liess seine Frisur, wie sie war: straff aus der Stirn gezogen.

Sie warfen und warfen, als gäbe es kein Morgen. Sie jubelten sich zu, wenn einer wieder mal die Triple zwanzig oder das Bullseye traf. Sie umarmten sich, klatschten einander Beifall, sie johlten.

Schön, dachte ich. Freunde. Kumpel. Fast ein bisschen wie damals, früher, als ich jung war. Bier und Dart und ein himmeltraurig öder Mittwochnach­mittag.

Nach dem dritten Spiel pausierten sie. Sie stützten ihre Ellbogen auf das kleine, runde Stehtischchen zwischen sich und griffen zu ihren Telefonen. Jetzt wischten sie und wischten, als gäbe es kein Morgen. Sie lächelten und freuten sich, jeder für sich und doch irgendwie verbunden. Und während sie wischten und wischten und sich so über den Tisch lehnten, vertieft und entrückt, kamen sie sich immer näher.

Ganz plötzlich, da berührten sich ihre Telefone, nur oben bei der Kamera und nur ganz kurz, nur ein Hauch von einer Berührung, und sichtlich erschrocken schnellten beide zurück. Und im Schimmer ihrer Displays sah ich um beide Nasen herum eine feine Röte aufsteigen. Dann lächelten sie verlegen und kehrten zu ihren Geräten zurück.

Nicht ganz wie früher, dachte ich. Aber auch schön. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.10.2017, 13:41 Uhr

Bern! Biel! Burgdorf! Das Leben! ­Nina Kobelt, Maria Künzli, Martin Burkhalter und Fabian Sommer teilen abwechselnd ihre kleinen und grossen Beobachtungen.

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