Rote Sauce

Im Alltag werden wir immer wieder mit falsch ausgesprochenen Wörtern konfrontiert. Wie gehen wir damit um?

Der alte Bekannte scheitert noch heute jedes Mal an Tyler Seguin. Immer, wenn wir im Tempel einen der zahlreichen Siege unseres Hockeyteams beklatschen, erzählt er vom Winter 2012.

Als die nordamerikanische National Hockey League den Betrieb unterbrechen musste, ebendieser Tyler Se­guin für den EHC Biel Tore am Laufmeter schoss und eine Region buchstäblich verzückte.

Der Bekannte sagt: «Seguäää.» Als wäre der US-Amerikaner Seguin ein Welscher. Ich habe es aufgegeben, ihn zu belehren.

Die Chefin scheitert noch heute einmal im Monat an roter Sauce. Wenn es in der Kantine Pommes frites gibt, sagt sie: «Chätschöp, bitte.» Als hätte Ketchup etwas mit Kauen zu tun. Ich habe es aufgegeben, sie zu belehren.

Ich scheitere noch heute an einer Säule mit Plakaten. Tief in mir drinnen bin ich überzeugt, die Litfasssäule, erfunden vom Berliner Drucker Ernst Litfass und deshalb diesen schönen Namen tragend, heisst nicht so, wie sie eben heisst. Ich sage: «Liftfasssäule.» Als hätte die Säule irgendetwas mit einem Aufzug zu tun.

Die Kollegen haben es auf­gegeben, mich zu belehren.

Die Prinzessin ist einen Schritt weiter. Um sich nicht mehr zu blamieren, sagt sie tricky Wörter einfach nicht mehr. Als wir diese Woche beim besten Thailänder der Welt (ja genau, in Biel-Bözingen) assen, sagte sie: «Ich hätte gerne dieses Gericht. Ich weiss aber nicht, wie man den Namen ausspricht.» Sie deutete auf jene Zeile in der Speisekarte, auf der «Yam Nuea Yang» stand. Ein deliziöser Salat mit Rindfleisch, by the way.

Die nette Kellnerin sagte: «Gerne. Einmal die Nummer 26 also.»

Berner Zeitung

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