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Versteckis mit Ruedi Matter

Peter Meier empört sich über Ruedi Matters Aussage, es gebe keinen SRG-Abstimmungskampf gegen die «No Billag»-Initiative.

Es gibt offizielle Weltmeisterschaften im Versteckis, wussten Sie das? Ich nicht. Bis ich kürzlich in einer Beiz einen kennen lernte, der letztes Jahr dabei mitgemacht hat. Ein gestandenes Mannsbild, Anzug, beginnende Stirnglatze, dem Kindesalter seit mindestens 30 Jahren entwachsen.

Er war zwar nicht mehr ganz nüchtern. Doch ­allein daran lag es nicht, dass er zum verzückt plappernden Dreikäsehoch mutierte, kaum sprach er vom Versteckspiel. Aus dem Mann sprudelte offene Begeisterung. Was mir davon geblieben ist: Versteckis soll 2020 bei den Olympischen Spielen in Tokio Demonstrationssportart werden. Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber dass die Idee dem IOC gefällt, glaube ich sofort:Kaum jemand hat mehr zu verbergen als die Herren der Ringe.

Ausser vielleicht Ruedi Matter.Anders kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, was der Direktor des Deutschschweizer Radios und Fernsehens (SRF) letzte Woche von sich gab. Er wurde vom «Tages-Anzeiger» gefragt, mit welcher Botschaft er in den Abstimmungskampf gegen die «No Billag»-Initiative gehe, die die Radio- und TV-Gebühren abschaffen will. Matters Antwort: «Wir führen keinen Abstimmungskampf, das ist eine zivilgesellschaftliche Aufgabe.»

Wie bitte? Ich traute meinen Augen nicht. Es ist noch kein halbes Jahr her, da flog der SRG-Geheimtrupp «Trafögl» (Kleeblatt) auf, der vom bald zurücktretenden SRG-Generaldirektor Roger de Weck angeführt wird – Matters direktem Vorgesetzten, notabene. Die «Schweiz am Wochenende» machte damals auch das vertrauliche «Trafögl»-Konzeptpapier «Politische Agenda SRG SSR 2017 ff.» publik. Was nichts anderes ist als der minutiöse SRG-Schlachtplan gegen «No Billag», das Drehbuch für die gross angelegte SRG-Kampagne gegen die verhasste Initiative.

Und da stellt sich SRG-Kadermann Ruedi Matter heute hin und will uns allen Ernstes weismachen, es gebe keinen SRG-Abstimmungskampf? Das ist in etwa dasselbe, wie wenn sich Matter beim Versteckspiel einfach die Hände vor die Augen hält und glaubt, die anderen finden ihn so nicht. Aber immerhin verstehe ich jetzt, weshalb selbst seine eigenen Leute gemäss interner Personalumfrage den SRF-Chef für unfähig bis unnötig halten.

Drum ein Vorschlag zur Güte, werter Herr Matter: Statt weiter plump Versteckis zu spielen, sollten Sie einfach aus der Deckung kommen und offenlegen, wie viel die SRG-Kampagne kostet und wie viel davon aus dem Gebührentopf bezahlt wird.

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