Von Einheimischen etwas lernen

Der Kolumnist Peter Flück berichtet regelmässig von seinen Erfahrungen in Pyeongchang.

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Nachdem der Riesenslalom der Damen abgesagt worden war, entschieden Corinne und ich kurzfristig, selber aktiv zu werden. Das ­Wetter schien weniger windig als im Wettkämpfgelände, ja sogar die Temperaturen waren bei ­minus 9 Grad akzeptabel. Alle Anlagen in Betrieb – es kann ­losgehen. Die Skischuhe haben wir dabei, aber Ski und Stöcke müssen wir mieten. Ob das gut kommt? Immerhin sind wir doch etwas verwöhnte Berner Oberländer.

Aber zuerst geht es zur Kasse. Skipass, Ticket für Ski und Stöcke für einen halben Tag: 162'000 südkoreanische Won, rund 75 Franken pro Person. Dann ab zur Skiausgabe, gleich nebenan in eine grosse Halle. Schuh ausziehen, Gewicht an­geben, Bindung anpassen, und schon kanns losgehen – unglaublich, keine 15 Minuten nachdem wir zum Schalter gegangen sind, stehen wir auf den Ski!

Und los gehts zur Talstation, an der sehr freundlich grüssenden jungen Dame vorbei zum Sessel – wo ein ebenso freundlicher junger Mann uns nochmals genau erklärt, wo wir hinstehen sollen, und uns noch frohe Fahrt wünscht, Bückling inbegriffen. Die Fahrt dauert etwa 10 Minuten, und natürlich steht auch oben ein sehr freundlicher junger Mann, der uns schon wieder gute Fahrt wünscht.

Die breite Kunstschneepiste lädt zu grosszügigen Kurven ein, wunderbar zum Fahren! Griffig, nicht eisig, täglich zweimal präpariert. Wobei, eigentlich ist «täglich» nicht ganz korrekt, denn die Anlagen sind weit über den Tag hinaus in Betrieb. Von 8.30 bis 16.30 Uhr und nach der erneuten Präparation von 18.30 bis 0.30 Uhr. Skifahren in der Nacht ist in Süd­korea normal – es ist für viele ein Feierabendvergnügen.

Was auch sofort auffällt: die grosse Disziplin beim Fahren. Gesucht wird der präzise, richtige Schwung. Weder Kinder noch erwachsene Kinder sieht man ­rasen. Schon die Kinder sind sehr darum bemüht, sofort die optimale Position einzunehmen, «gredellen» scheint nicht in ­Mode.

Nach drei Stunden haben wir das nicht unendliche Skigebiet erfasst und kehren zurück. Aber halt, jetzt wirds interessant: Bevor die Ski zurückgegeben werden, wird erwartet, dass man an einer grossen Druckluftanlage mit über 10 Luftpistolen haltmacht. Hier werden die Ski an eine Halterung gestellt, und jeder Skifahrer muss seine Ski vom Schnee säubern. Damit erspart man nicht nur der Skiausleihe mühsame Arbeit – nein, es verhindert, dass in der grossen Halle, in der nicht nur Ski zurückgegeben werden, sondern auch viele Läden stehen, nicht überall mit nassen, glitschigen Flächen zu kämpfen ist. (Berner Oberländer)

Erstellt: 12.02.2018, 17:57 Uhr

Peter Flück.

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