Zum Hauptinhalt springen

Regierungschef im SpitalBoris Johnson schaut «Herr der Ringe» und spielt Sudoku

Der Gesundheitszustand des britischen Premierministers, der an Covid-19 erkrankt ist, verbessert sich. Dennoch ist mit einer Rückkehr ins Amt erst in ein paar Wochen zu rechnen.

Die Briten wünschen ihrem Premierminister nicht nur per Post eine gute Besserung. Ein Kioskbesitzer in Swynnerton hat ein Schild gemalt.
Die Briten wünschen ihrem Premierminister nicht nur per Post eine gute Besserung. Ein Kioskbesitzer in Swynnerton hat ein Schild gemalt.
Foto: Carl Recine (Reuters)

Der britische Premierminister Boris Johnson hat nach Angaben der Regierung in London auch am Samstag «gute Fortschritte» bei der Genesung von seiner Covid-19-Erkrankung gemacht. Wie die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, erhielt Johnson im Krankenhaus täglich Briefe und Baby-Ultraschallbilder von seiner schwangeren Verlobten Carrie Symonds, sowie Tausende Karten mit Genesungswünschen. Er war Anfang Woche auf die Intensivstation verlegt worden.

Er habe zudem einen Tablet-Computer, mit dem er sich Filme wie «Kevin – Allein zu Haus» und «Herr der Ringe» anschauen könne. Ausserdem vertreibe er sich die Zeit mit Sudoku-Rätseln. Am Freitag hatte der Regierungssitz Downing Street mitgeteilt, Johnson könne mit Unterbrechungen schon wieder kleinere Strecken gehen.

Insgesamt 9000 Tote

Der 55 Jahre alte Politiker hatte drei Tage auf der Intensivstation des St. Thomas' Hospital in London verbracht, nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hatte. Am Donnerstag wurde er wieder auf eine normale Station verlegt. Johnson sei «extrem guter Dinge», aber noch in der frühen Phase seiner Genesung und werde weiterhin genau beobachtet, hatte es in einer Mitteilung geheissen (lesen Sie hier, wie ein Schweizer Paar in Johnsons Alter drei Wochen gegen die Corona-Erkrankung kämpfte).

Im Londoner St Thomas’ Hospital wird Boris Johnson behandelt – gut beacht von drei Polizeiangehörigen und einem Sicherheitsangestellten.
Im Londoner St Thomas’ Hospital wird Boris Johnson behandelt – gut beacht von drei Polizeiangehörigen und einem Sicherheitsangestellten.
Foto: Matt Dunham (Keystone)

Johnson wird derzeit von Aussenminister Dominic Raab vertreten. Die Kompetenzen des Premierministers hat Raab aber nicht. Grossbritanniens ungeschriebene Verfassung sieht keine klare Regelung für den Fall vor, dass der Regierungschef ausfällt. Es wird damit gerechnet, dass Johnson noch mehrere Wochen fehlen könnte.

Dem Land steht in der Coronavirus-Pandemie das Schlimmste allerdings wohl noch bevor. Bis Donnerstagabend wurden der Regierung zufolge 980 neue Todesfälle verzeichnet. Insgesamt stieg die Zahl der Toten damit auf knapp 9000. Nicht eingerechnet sind dabei bislang die Sterbefälle in Pflegeheimen. Die Zahl der positiv getesteten Personen in Grossbritannien stieg auf 73’750.

cam / sda

1 Kommentar
    Harald Meierhofer

    Es bleibt ihm im Spital wohl nicht viel Anderes übrig.

    Wenn man sich die Zahlen ansieht welche von der Johns Hopkins Universität (JHU) veröffentlicht werden, dann fällt im Vereinten Königreich auf, dass das Verhältnis zwischen gestorbenen Personen (~9'000) und genesenen Personen (~600) nicht stimmen kann. Gemessen an den total infizierten Personen (~74'600) würde demnach ungefähr jede 8. Person sterben, aber nur ungefähr jede 120. genesen. Nach einer Recherche im Internet sind die Gründe schnell gefunden:

    Die Anzahl als gestorben gemeldeter Personen hinkt der Realität um ca. 10 Tage hinterher, weil die Registrierung der Toten derart lange dauert. Bei den als genesen gemeldeten Personen beträgt die Differenz gar über 14 Tage (Quelle: Public Health England). Das erklärt die Diskrepanz der aktuellen Zahlen von JHU, lässt aber leider für das Vereinigte Königreich das Schlimmste ahnen...