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Corona-Massnahmen in der SchweizBundesrat diskutiert Maskenempfehlung

Gesundheitsminister Alain Berset will auch in der Frage, ob die Bevölkerung Schutzmasken tragen soll, auf die Wissenschaft hören. Und er warnt davor, die Gefahr eines Rückschlags zu unterschätzen.

Der Bundesrat verfolgt die Entwicklung in der Forschung: Guy Parmelin, Simonetta Sommaruga und Alain Berset (hinten von links) diskutieren mit Bundesratssprecher Andre Simonazzi) Bild: Peter Klaunzer/Keystone
Der Bundesrat verfolgt die Entwicklung in der Forschung: Guy Parmelin, Simonetta Sommaruga und Alain Berset (hinten von links) diskutieren mit Bundesratssprecher Andre Simonazzi) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Gesundheitsminister Alain Berset ging in einem Interview mit den Publikationen des Medienkonzerns CH-Media auf die international umstrittene Frage ein, ob eine Maskenpflicht zur Verhinderung von Ansteckungen mit dem Coronavirus sinnvoll ist oder nicht. Selbstverständlich dürfe jeder eine Maske tragen, wenn er das wolle, sagte er.

In der aktuellen Phase bringe es gesunden Menschen wenig, eine Maske zu tragen. Aber die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Virus machten gewaltige Fortschritte. Das habe auch Einfluss auf die Frage, ob und wann Masken sinnvoll sein könnten.

«Ich schliesse nicht aus, dass wir mit der Lockerung in bestimmten Situationen eine Maske empfehlen», sagte Berset weiter. Der Bundesrat erarbeite an Ostern und den kommenden Tagen einen möglichen Lockerungsplan, der Schutzmassnahmen umfasse (lesen Sie dazu: Schulen, Beizen, Konzerte: Wo eine Lockerung möglich ist und wo nicht).

«Es gibt keine Abkürzung»

Die Gefahr, dass es bei der Bekämpfung des Coronavirus zu einer Rückschlag kommen könnte, darf laut Berset nicht unterschätzt werden. Die Schweizerinnen und Schweizer müssten diszipliniert bleiben, vor allem über die Ostertage. «Sonst steigen die Infektionen wieder. Es gibt keine Abkürzung. Wir müssen den ganzen Weg gehen», sagte Berset.

«Es ist eine Phase des Verzichts», sagte Bersets Bundesratskollegin Karin Keller-Sutter in einem Interview mit dem «Blick» vom Samstag. Die Justizministerin aus Wil SG ging dabei mit gutem Beispiel voran. «Mein Mann und ich wollten über Ostern ins Tessin reisen – jetzt bleiben wir halt zu Hause» (Verfolgen Sie den Osterverkehr am Gotthard live mit).

Die Bundesrätin kümmert sich laut eigenen Angaben mit ihrem Mann um ihren Bruder und ihren Schwiegervater, die beide praktisch in Selbstquarantäne leben, weil sie aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehören. Keller-Sutter erklärte, das Virus sei noch lange nicht besiegt. Wirtschaftlich müsse sich die Schweiz zudem auf «harte Zeiten» und auf eine weltweite Rezession einstellen.

Tests auf Immunität

Mit Blick auf die Zukunft sei auch die Prüfung der Immunität von Personen wichtig. Serologische Tests seien nötig um zu wissen, wie stark die Schweizer Bevölkerung immunisiert sei. Aktuell gebe es über 24'000 positiv getestete Personen.

Tatsächlich sei aber die Zahl der Menschen, die das Virus hatten, bedeutend höher. Ein internationale Studie schätze sie auf 200'000 bis 250'000. «Wir können jetzt die Verbreitung des Virus bremsen und später verhindern, dass einzelne Erkrankungen wieder zu weiteren Ansteckungen führen», sagte der Bundesrat weiter.

Bis es einen Impfstoff gebe, werde die Krankheit nicht verschwinden. Nach heutigem Wissenstand verbreite sie sich so lange, bis etwa zwei Drittel der Bevölkerung immun sei. Das seien in der Schweiz rund 6 Millionen Personen. Davon sei die Schweiz noch weit entfernt.

79 Kommentare
    Yolanda Hecht

    Masken, welche Masken? Zu 98% virenundurchlässig ist nur die Atemschutzmaske mit FFP3-Standard. Die Augen, über die das Virus ebenfalls eindringen kann, bleiben aber nach wie vor schutzlos.

    Die Hygiene- oder Operationsmasken, von denen hier wohl die Rede ist, bieten kaum Schutz. Ihr Material-Standard ist drauf ausgelegt 98% der Bakterien aufzuhalten. Viren sind jedoch in einer ganz anderen Grössenklasse angesiedelt. Sie können bis 100 mal kleiner sein.

    Das macht mich auch skeptisch gegenüber der Aussage, der Maskenträger könne eine Ansteckung anderer verhindern. Die Durchlässigkeit bleibt auch von innen und die Maske kann nicht geschlossen am Gesicht getragen werden.

    Zu diesem Resultat kam schon 1919 Prof. Sahli, Chefarzt der Medizinischen Klinik Bern, der im Zusammenhang mit der Grippepandemie 1918 Untersuchungen an den Hygienemasken publizierte: «Es ist merkwürdig, mit welcher Vertrauensseligkeit man diese Masken empfohlen hat, ohne, abgesehen von der Frage der Durchlässigkeit der Masken selbst, zu überlegen, dass bei keiner einzigen derselben die Garantie vorhanden ist, dass sich in Anbetracht des fortdauernden Bewegen des Kopfes und Gesichtes der Rand der Maske dauernd dicht der Gesichtshaut anschmiegt.» .

    Jetzt sind wir 100 Jahre später wieder am selben Punkt. Die Durchlässigkeit der Maske ist heute zwar geringer, aber nicht auf Viren ausgelegt. Irgendwelche Experten empfehlen wieder vertrauensselig oder aus opportunistischen Gründen, diese Masken. Man kann sie zwar tragen, aber der Abstand von mindestens 1 m, noch besser 2 m muss trotzdem eingehalten werden. Auf diesem Punkt wird etwa in Österreich, wo Maskenpflicht herrscht, in der Presse hingewiesen.