Elektriker, Pöstler und wilder Mime

Leserporträt: Thomas Hostettler, Worb

Thomas Hostettler liebt die Bühne. An Theatern im Ausland und in der Schweiz hat sich der Worber als Hoschi einen Namen gemacht. Das Schauspielen, sagt der 41-jährige Darsteller und Sänger, sei sein «Rettungsanker».

Gibt alles: Der Worber Thomas Hostettler in Aktion.

Gibt alles: Der Worber Thomas Hostettler in Aktion.

(Bild: Christian Pfander)

Claudia Salzmann@C_L_A

Seine ersten Auftritte hatte Thomas Hostettler in Sandkästen. Als Jugendlicher sei er «depressiv und lebensmüde» gewesen, erinnert sich der heute 41-jährige Worber. Die Elektrikerlehre habe er auf Drängen seines Vaters und nur widerwillig absolviert. Zwei Monate nach dem Lehrabschluss hängte er den Job an den Nagel, um sich der Schauspielerei zuzuwenden. «Die Schauspielerei war mein Rettungsanker», sagt der Mann, der sich nur Hoschi nennt.

Während die Mutter ihren Sohn unterstützte, wollte der Vater nichts von dessen Leidenschaft wissen. Anderthalb Jahre vergingen, bis er zum ersten Mal einem Auftritt seines Sohnes beiwohnte. Von jenem Abend an verpassten die Eltern keinen Auftritt mehr.

Brotlos, aber glücklich

Seine Ausbildung als Schauspieler liess sich Hostettler einerseits mit Stipendien bezahlen. Andrerseits verdiente er sich als Postbote im Egghölzli ein Zubrot. Obwohl er finanziell nicht auf Rosen gebettet gewesen sei, habe er damals «eine super Zeit» erlebt, sagt Hoschi. Die AHV sei noch in bar ausbezahlt worden. Die Seniorinnen und Senioren hätten sich jeweils sehr gefreut, wenn er ihnen das Geld vorbeibrachte und mit ihnen ein Schwätzchen hielt.

Proben am Fliessband

Nach der Schauspielschule erspielte sich Thomas Hostettler ein Engagement am Innsbrucker Stadttheater. Dort konnte er sich «drei Jahre lang ausleben, viele Rollen spielen und eigene Projekte realisieren». Trotzdem: Ganz glücklich wurde er in Österreich nicht: «Wir haben wie am Fliessband geprobt, das Stück aufgeführt und gleich die nächste Aufführung in Angriff genommen. Das ist nicht mein Stil», sagt Hoschi hinter seiner Sonnenbrille mit den grünen Gläsern.

Parallel zur Schauspielerei sang er in Bands. Während der Schulzeit sang er bei The dark children, später in experimentellen Formationen wie «Die linke Hode Satans», die mit Lärm, Geräuschen, kaputten CD-Playern, Mönchsgesängen oder anderem Krach tüftelten.

«Hart an der Grenze»

Mit den «Linken Hoden» trat Hoschi einmal in der Berner Reithalle auf und sang Texte, «die hart an die Grenze des gerade noch Erlaubten gingen». 2001 gründete er mit Freunden seine heutige Band Bigger Club. Sie eröffnete Mitte September die Biennale Bern im Forum des Stadttheaters Bern.

Nachdem Hostettler sich die Sporen im Ausland abverdient hatte, wollte er sich in der Schweiz etablieren. Als erstes Projekt führte er 1998 einen Gedichtabend in der «Misere» beim Inselspital auf. Anschliessend spielte er im «Club111» des Reitschul-internen Theaters Tojo. Parallel dazu trat er in Innsbruck sowie in Deutschland, Basel und Zürich auf. Bis März 2011 ist Hoschi verplant.

Vom Hund zum Papst

Seine Rollen seien vielfältig. «Von einem Hund über den Papst bis hin zum 400-jährigen Geist habe ich schon alles gespielt», sagt er. Besonders schön sei Theater mit Kindern, da flögen einem die Herzen nur so zu.

Die Frage, ob er schon peinliche Auftritte erlebt habe, beantwortet er wie aus der Pistole geschossen mit Ja. Doch hin und wieder etwas spielen zu müssen, was einem nicht besonders liege, sei wichtig. «Eingemittete Rollen sind perfekt, aber langweilig.» Er möge lieber «unfertige Stücke», sagt der Künstler.

Die gute Seele

Im Moment wirkt Hostettler im Berner Schlachthaus beim Projekt «Startrampe» mit. Dafür bewarben sich fünf Theatergruppen. Nun proben sie ihre Stücke, um sie im Winter aufführen zu können. Hoschi sagt, er sei «die gute Seele, die die Leute in den Arm nimmt, ihnen Mut zuspricht oder einfach mal ein Cüpli mit ihnen trinkt».

«Ich will bis zum Ende meines Lebens auf der Bühne stehen,» sagt Thomas Hostettler. Sein eigenes Projekt, «Miss Monster», hat gerade in Basel Premiere gefeiert und wird ab morgen Donnerstag bis und mit Samstag in der Berner Dampfzentrale aufgeführt.

Nächster Auftritt: «Miss Monster» in der Dampfzentrale. 7. bis 9.Oktober. Beginn: jeweils 20 Uhr.

Berner Zeitung

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