China und USA wollen Handelsstreit lösen

Nach Monaten der Konfrontation senden Washington und Peking ein deutliches Signal der Entspannung, trotz einer Spionage-Anklage der US-Justiz.

Hatten ein «äusserst positives» Telefongespräch: der chinesische Präsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump. (9. November 2017)

Hatten ein «äusserst positives» Telefongespräch: der chinesische Präsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump. (9. November 2017)

(Bild: Keystone Andrew Harnik)

US-Präsident Donald Trump will den Handelskonflikt mit China nach einem Medienbericht noch in diesem Monat aus der Welt schaffen. Derweil ist das US-Handelsdefizit mit China gestiegen.

Zum Treffen der G20-Staaten Ende November in Buenos Aires wolle er ein Handelsabkommen mit dem Präsidenten der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft, Xi Jinping, abschliessen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag. Trump habe bereits Regierungsmitarbeiter mit der Ausarbeitung von Details beauftragt.

Auslöser für diesen Schritt sei das Telefonat mit Xi Jinping am Donnerstag gewesen, dem ersten Gespräch der beiden Präsidenten seit sechs Monaten. Trump selbst hatte das Gespräch als «lang und sehr gut» bezeichnet und sich über Twitter positiv zum Verlauf der Gespräche über ein Handelsabkommen geäussert.

«Umfassende Konsultationen»

Auch das Aussenministerium in Peking nannte das Telefonat am Freitag «extrem positiv». Beide Präsidenten waren sich demnach einig, den Konflikt durch «umfassende Konsultationen» zu lösen und den wirtschaftlichen Austausch beider Länder zu stärken, sagte der chinesische Aussenamtssprecher Lu Kang. Xi Jinping sei «sehr glücklich» gewesen, wieder mit Trump gesprochen zu haben, hiess es in einer separaten Mitteilung des Aussenministeriums.

Die Hoffnung auf ein Ende des monatelangen Zollstreits beflügelte am Freitag die asiatischen Börsen. Der Aktienmarkt in China reagierte mit deutlichen Aufschlägen. Der anhaltende Handelsstreit hatte zuletzt auch die Stimmung von Anlegern in den USA eingetrübt, wo am 6. November Kongresswahlen stattfinden.

Ökonomen fürchten, dass ein anhaltender Konflikt schwerwiegende Folgen für die gesamte Weltwirtschaft haben könnte. Trump ist das enorme US-Handelsdefizit im Warenverkehr mit China ein Dorn im Auge. Auch wirft er Peking Dumpingpreise sowie Technologiediebstahl vor.

China fordert Beweise für Spionage-Anklage

Justizminister Jeff Sessions hatte am Donnerstag in Washington mitgeteilt, der chinesischen Staatsfirma Jinhua sowie auch dem taiwanischen Konzern UMC und drei taiwanischen Staatsangehörigen werde Spionage beim US-Halbleiterhersteller Micron Technology angelastet. Es gehe um Wissen im Wert von 8,75 Milliarden Dollar.

China wehrt sich gegen die Anklage wegen Wirtschaftsspionage. Die USA müssten dafür «konkrete Beweise» vorlegen, forderte am Freitag ein Sprecher des Aussenministeriums in Peking. Diese müssten den «Fakten standhalten».

Justizminister Session prangerte bei seiner Erläuterung der Anklage besonders China an. Der vorliegende Fall und noch viele andere zeigten, dass die Volksrepublik ihre wirtschaftliche Fortentwicklung mittels «Diebstahls» und «auf amerikanische Kosten» betreibe. Sessions nannte das chinesische Verhalten eine Bedrohung für die «nationale Sicherheit» der USA.

Strafzölle hüben wie drüben

Nachdem Washington den Handelsstreit begonnen hatte, haben sich beide Seiten mit immer neuen Runden von gegenseitigen Strafzöllen überzogen. Washington verhängte Zusatzzölle auf chinesische Waren im Wert von 250 Milliarden Dollar und damit etwa die Hälfte aller Einfuhren aus der Volksrepublik. China hat sich unter anderem mit Zöllen auf Importe aus den USA, vor allem im Agrarsektor, zur Wehr gesetzt.

Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt wuchs in den vergangenen drei Monaten mit 6,5 Prozent langsamer als erwartet. So schwach war Chinas Wirtschaftswachstum zuletzt Anfang 2009 nach Ausbruch der globalen Finanzkrise.

US-Handelsdefizit mit China steigt weiter

Mitten im Zollstreit hat das US-Handelsdefizit mit China einen weiteren Rekord erreicht. Es kletterte im September um 4,3 Prozent auf 40,2 Milliarden Dollar, wie das Handelsministerium am Freitag in Washington mitteilte.

Das gesamte Handelsbilanzdefizit der USA stieg im September um 1,3 Prozent auf 54 Milliarden Dollar und damit auf den höchsten Stand seit sieben Monaten. Grund dafür waren Rekord-Importe, die um 1,5 Prozent auf 266,6 Milliarden Dollar zulegten. Die Exporte stiegen ebenfalls um 1,5 Prozent auf 212,6 Milliarden Dollar.

nag/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt