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Sahra Wagenknecht lässt ihre Fans im Stich

Die Politikerin wollte eine linke Protestwelle in Deutschland auslösen. Nun zieht sie sich aus ihrer eigenen Bewegung zurück.

Sahra Wagenknecht gibt ihr Projekt auf. Foto: Sean Gallup (Getty)
Sahra Wagenknecht gibt ihr Projekt auf. Foto: Sean Gallup (Getty)

Die Kritiker, die «Aufstehen» immer für eine «PR-Nummer von Frau Wagenknecht» gehalten haben, bekommen recht: Sahra Wagenknecht hat mitgeteilt, dass sie sich aus der Führung der von ihr gegründeten linken Sammlungsbewegung zurückzieht.

Die prominente Linken-Politikerin gibt damit ihr Lieblingsprojekt faktisch auf. Sie habe den Widerstand der etablierten Parteien – unter anderem ihrer eigenen – gegen «Aufstehen» unterschätzt, sagte sie der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Ebenso den Aufwand, ausserhalb von Parteistrukturen eine schlagkräftige Truppe zu bilden.

Tatsächlich haben zwar in den sechs Monaten seit der Gründung fast 170'000 Menschen online ihr Interesse an «Aufstehen» bekundet, dennoch war die Bewegung in der Öffentlichkeit kaum präsent. Ausser Wagenkecht hatte sie so gut wie keine populären Anführer.

Wagenknecht spaltet eigene Partei

Während Zehntausende Jugendliche und Linke für eine andere Klima-, Flüchtlings- oder Wohnungspolitik auf die Strasse gingen, stellte sich Sahra Wagenknecht vor Weihnachten mit einer gelben Weste vor das Berliner Kanzleramt und meinte, damit auch in Deutschland eine Protestwelle auslösen zu können. «Man kann Bewegungen nicht von oben anordnen und nicht undemokratisch führen», kommentierte am Sonntag Anke Domscheit-Berg, eine Fraktionskollegin Wagenknechts im Bundestag.

Gregor Gysi, ein alter Rivale bei der Linkspartei, hatte schon früher kritisiert, dass «Aufstehen» ein brennender Anlass fehle. Für die Themen linker Politik von A bis Z aber gebe es ja schon Parteien. Auch die meisten Sozialdemokraten und Grünen empfanden es als Witz, dass ausgerechnet Wagenknecht und ihr Mann Oskar Lafontaine sich als Vereiniger aller Linken gerierten.

Die 49-Jährige spaltet mit ihrer Spielart eines europa- und migrationskritischen nationalen Sozialismus seit Jahren bereits ihre eigene Partei. Lafontaine wiederum sprengte mit seinem Widerstand gegen die Agendareformen von Gerhard Schröder Anfang der 2000er-Jahre die SPD.

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