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Kommentar zum SpuckverbotCorona spuckt den Machos in die Suppe

Die Fussballer dürfen wegen der Schutzmassnahmen gegen das Virus nicht mehr rotzen. Das Verbot führt hoffentlich einen kultivierten Fortschritt herbei – nicht nur auf dem Rasen.

Spucken während eines Spieles ist nicht mehr erlaubt: Juventus-Superstar Cristiano Ronaldo.
Spucken während eines Spieles ist nicht mehr erlaubt: Juventus-Superstar Cristiano Ronaldo.
Foto: LightRocket via Getty Images

35 Seiten dick ist das Regelwerk, das die Fussballer seit Samstag in der deutschen Bundesliga im Kampf gegen Corona befolgen müssen. Zu wünschen ist, dass eine dieser Massnahmen nach überstandener Pandemie überlebt, und zwar nicht nur auf dem Rasen: das Spuckverbot.

Bei Ronaldo und Co. gehört das widerliche Verhalten offenbar wie der Torjubel zum Spiel dazu – nicht etwa nach einem Sprint, bei dem der Körper die Sekretproduktion intensiviert. Kurz vor dem Einwechseln: Spucken. Ein Duell verloren: Spucken. Vor dem Elfmeter: Spucken. Ärger über einen Schiedsrichterentscheid: Spucken. Die Fussballstars werden dadurch nicht einfach ihre Körperflüssigkeit los, sondern ihren Frust. Sie markieren damit ihr Revier oder platzieren eine Kampfansage an ihre Kontrahenten.

Die Gesellschaft hat das archaische Verhalten längst übernommen, Nachwuchsspieler und Fans haben bei ihren Idolen abgeschaut und nehmen diese Unsitte mit in den Alltag. Spucken ist mittlerweile nicht nur am Elfmeterpunkt zu beobachten, sondern auch auf den Strassen, an der Tramhaltestelle. Und meist ist Rotzen männlich. Während der Mann damit offensichtlich Stärke demonstrieren will, zeigt ein Spucker de facto lediglich, dass es ihm an Benimm fehlt. Denn Rotzen ist weder cool noch attraktiv. Es ist auch nicht maskulin, sondern tierhaft. Dass es auch ohne geht, beweisen gestandene Mannsbilder – etwa Schwinger im Sand, Basketballer in der Halle oder Zehnkämpfer im Stadion. Ist es denn so schwer zu schlucken, dass Spucken nicht zum guten Ton unserer Kultur gehört und zu Recht in einigen Gemeinden gebüsst wird?

Glücklicherweise spuckt nun Corona den ordinären Machos in die Suppe: Rotzen ist endlich tabu und gefährlich. Das Spuckverbot führt nun hoffentlich einen längst fälligen kultivierten Fortschritt herbei, weil sich die Fussballstars diese Unsitte abgewöhnen müssen und auch dabei als Vorbild funktionieren. Denn: Im Gegensatz zum Spucken macht Benimm Männer attraktiv.